Regionale Katholikenräte fordern Respekt ein

Räte schildern ihre Sorge, das Lebenswerk von Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff nehme Schaden

Katholikenräte Aachen (c) Thomas Hohenschue
Di 27. Mär 2018
Thomas Hohenschue
Am 31. Dezember 2017 hat Bischof Helmut Dieser einen Gesprächs- und Veränderungsprozess für das Bistum Aachen ausgerufen. Alle können mitmachen, lautet die bestärkende Botschaft von Generalvikar Andreas Frick.

Er beruft sich dabei auf Klaus Hemmerle, der ein berührendes Bekenntnis zum Dialog auf Augenhöhe ablegte.

Auch Holger Brantin, Walter Kahn, Bobby van den Berg und Dieter Spoo ehren den verstorbenen Bischof. Sie sind bis auf den heutigen Tag begeistert von dem umfassenden Verständnis von Weggemeinschaft, das Hemmerle zeigte. Miteinander als Christen verbunden sein, sich durch das Leben begleiten, gemeinsam
Kirche gestalten, vor allem aber an der Seite der Menschen am Rande der Gesellschaft sein – so verstehen sie das Vermächtnis Hemmerles, glaubwürdig fortgeführt von Heinrich Mussinghoff.

Heute stehen die vier da und können nicht anders, als ihrer großen Sorge Ausdruck zu geben, dass das Lebenswerk von Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff Schaden nehme. Sie engagieren sich seit vielen Jahren in der Kirche, sind als Katholikenräte in den Regionen Aachen- Stadt und -Land bestens vernetzt mit Haupt- und Ehrenamtlichen. Und nehmen aus zahllosen Gesprächen den Eindruck mit, dass Verunsicherung und Verärgerung herrschten. Sogar von einem Klima der Angst sei die Rede.

Ein Dialog auf Augenhöhe?

Worauf bezieht sich dieser Eindruck, der so stark im Gegensatz steht zu der fröhlichen Anmutung, mit der die Einladung des Bischofs zum Gespräch daherkommt? Ein Blick auf Homepage und Facebookseite des Bistums zeigt Helmut Dieser im angeregten Austausch mit Menschen, im Rahmen der Terminreihe, die „meet & eat" getauft wurde.

Holger Brantin will keine Fronten aufbauen. Ihm liegt sehr an verbindlicher Zusammenarbeit mit der Leitung des Bistums. Und als Jurist, tätig als Richter am Landgericht Aachen, weiß er rechtliche Rahmenbedingungen zu respektieren. Und doch empfindet Brantin gemeinsam mit seinen Mitstreitern die aktuelle
Entwicklung im Bistum Aachen als kräftige Rolle rückwärts, was beide Stränge des Vermächtnisses von Klaus Hemmerle betrifft.

Punkt 1: Dialog auf Augenhöhe. Die Katholikenräte suchen seit Amtsantritt des neuen Bischofs das Gespräch mit ihm – nach ihrer Darstellung ohne jeden Erfolg. Anfragen verliefen im Sande, würden abgeblockt, mit belanglosen Floskeln abgespeist. Kurzum: Die Katholikenräte vermissen einen respektvollen Umgang.

Dazu passt in ihren Augen, dass der Bischof ein so zentrales Projekt wie den Gesprächs- und Veränderungsprozess in einem ganz kleinen Kreis vorbereitet habe, anstatt sich von hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern inspirieren und beraten zu lassen. Viele fühlten sich in ihrer Erfahrung und in ihrem Engagement missachtet, sagen sie.

Und Menschen am Rande?

Und es gehe in dieser Weise weiter: Der Prozess und seine Außendarstellung seien ganz auf den Bischof zugeschnitten, die Räte blieben nur am Rande
involviert. Die Umstrukturierungen auf regionaler Ebene schwächten ebenfalls den Einfluss der kirchlichen Basis.

All dieses macht Brantin und seinen Mitstreitern wenig Mut, dass das Bistum weiter den Weg beschreite, den Klaus Hemmerle und Heinrich Mussinghoff
als Konsequenz aus dem Zweiten Vatikanum eingeschlagen hätten. Wenn aber die Kirche zu ihrem vorkonziliaren Selbstverständnis zurückkehre, in ihren Inhalten, in ihrem Habitus, in ihren Vorschriften für Mitarbeiter, räumen sie „Heute bei dir" keinerlei Erfolgschancen ein.

Punkt 2: die Weggemeinschaft mit Menschen am Rande der Gesellschaft. Sie sei ein Markenzeichen des Bistums Aachen. Besorgt nehmen die Katholikenräte zur Kenntnis, dass die pastorale Arbeit etwa mit Arbeitslosen und Flüchtlingen nach ihrer Wahrnehmung keine Rolle im Prozess spiele. Und sie machen daran
einen Konstruktionsmangel bei „Heute bei dir" fest: Diese Menschen würden wohl kaum zu „meet & eat" kommen. Warum also besuche und spreche der Bischof sie nicht dort, wo er sie antreffen kann? An Orten, die vom Bistum gefördert werden? Auch das sei letztlich eine Frage des Respekts.