Jeden akzeptieren, wie er ist

Als Treffpunkt mit Notübernachtung ist das „Café Plattform“ wichtige Anlaufstelle für Wohnungslose

Obdachlos Nachricht (c) www.pixabay.com
Mi 20. Jun 2018
Andrea Thomas
Die Gründe, warum ein Mensch auf der Straße landet, sind ganz unterschiedlich. Doch in den meisten Fällen ist da etwas im Leben weggebrochen, was einem Menschen bislang Halt gegeben hat: Arbeit, Wohnung, Beziehungen.
Café Plattforn (c) Andrea Thomas

 Seit 30 Jahren ist das „Café Plattform“ des Caritasverbandes in Aachen Anlaufstelle für Wohnungslose, ein Ort, an dem sie wieder ein bisschen Stabilität und Bindung finden können. Der Name  komme nicht von ungefähr, sondern sei Programm, sagt Simone Holzapfel, seit 16 Jahren Leiterin der Einrichtung an der Hermannstraße. „Plattform“ spiele zum einen auf den in der Szene geläufigen Begriff „Platte machen“ für das Leben auf der Straße an. Zum anderen soll Menschen hier wieder eine Plattform gegeben werden, von der ausgehend sie überlegen können, wie sie ihrem Leben wieder eine Richtung geben können.

 

Basis für weitere Unterstützung

Die Gründungsinitiative war von Wolfgang Offermann, der sich heute über den Förderkreis für sein „Herzensprojekt“ engagiert, ausgegangen. Beim Start im Dezember 1988 war alles noch sehr einfach, ein Café in der heutigen Form gab es noch nicht, aber schon eine Möglichkeit zu übernachten. Heute gibt es zwei CaféRäume, wo die Besucher essen und trinken können, lesen, mit anderen spielen oder kickern. Es gibt 19 Betten zur Übernachtung sowie die Möglichkeit, zu duschen und seine Wäsche zu waschen. Von Anfang an war das „Café Plattform“ für die Menschen, die herkommen, mehr als nur ein kurzzeitiges „Dach über dem Kopf“. Es seien weniger Kälte und Nässe, die ihre Besucher herführten, sondern Einsamkeit und fehlende Bindungen, erklärt Simone Holzapfel. In der Einrichtung fänden sie „eine Art Familie und ein Stück Zuhause, wo sie hin können, egal, wie es ihnen geht“. Folgerichtig hat die Einrichtung ihren Geburtstag auch mit einem großen „Familienfest“ gefeiert, bei dem sich aktuelle und ehemalige Besucher gemischt haben mit Mitarbeitern und Unterstützern. Längst ist die Einrichtung in Aachen angekommen und hat dazu beigetragen, einer in der Gesellschaft stigmatisierten Gruppe ein Stück mehr Akzeptanz entgegenzubringen.

Denn auch das hat sich in 30 Jahren nicht verändert, die Haltung, mit der Menschen hier empfangen werden: „Wir akzeptieren jeden Menschen so, wie er ist, bieten ihm Essen, Trinken, Schlafen und Duschen sowie eine gute Atmosphäre als Basis und schauen dann mit ihm gemeinsam, wenn er das möchte, nach Unterstützungsmöglichkeiten und Wegen in ein eigenständiges Leben“, fasst Simone Holzapfel es zusammen. Immer ausgehend von der individuellen Situation: „Auf der Straße zu leben, ist auch eine Lebensentscheidung.“Die Klientel des „Café Plattform“ hat sich über die drei Jahrzehnte gewandelt. Früher seien es überwiegend die typischen Stadtstreicher um die 50 Jahre gewesen, sagt Simone Holzapfel. Heute seien die Menschen, die zu ihnen kommen, auch aufgrund gesellschaftlicher und gesetzlicher Veränderungen eher jünger und oft mit psychischen Auffälligkeiten. „Die sind dann oft auch schwerer zu fassen und zu integrieren.“ Da stoße dann mitunter auch schon mal die Akzeptanz an ihre Grenzen.  

 

Wieder Halt und Bindung schaffen

Ohne ein engagiertes Team aus zurzeit 12 Mitarbeitern und 15 Ehrenamtlichen sowie die (finanzielle) Unterstützung über den Förderkreis wäre das nicht möglich. Nach der Devise „Mut, Nähe, Perspektive“ sorgen sie dafür, dass die Besucher sich im „Café Plattform“ willkommen fühlen. Über Gespräche, gemeinsame Spiele und das Zusammensein entstehen so Beziehungen, die den Betroffenen wieder Halt und Bindung zurückgeben. Und solange es Menschen gibt, die diese Stabilität im Leben verloren haben, wird auch der „Treffpunkt mit Notübernachtung“ bestehen.


Mehr Informationen: www.cafe-plattform.de