Den anderen kennenlernen

Arbeitskreis „Dialog der Religionen“ lud zum neunten Friedensmahl nach Aachen ein

Dialog der Religionen in Aachen (c) www.pixabay.com
Fr 1. Feb 2019
Kathrin Albrecht / KirchenZeitung

„Kein Mensch ist so reich, dass er einen Nachbarn nicht braucht.“ Dieses ungarische Sprichwort, das Idris Malik, Vorstand der Islamischen Gesellschaft Bilal-Moschee, in seinem Grußwort zitierte, bildete zugleich auch den Leitgedanken des neunten Aachener Friedensmahls der Religionen.

Dialog der Religionen in Aachen (c) www.pixabay.com

 

Jeder von uns ist in irgendeiner Weise jemandes Nachbar. Doch oft wisse man voneinander kaum noch etwas, lebe nebeneinander her oder aneinander vorbei. Das Thema „Meine Nachbarn – Fremde oder Freunde?“ sollte unter den Gästen im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen Impulse liefern, um auch den ersten Schritt zu tun, diese Umstände zu ändern, denn „Freunde kann man nie genug haben“, betonte Malik. Organisiert wird das Friedensmahl der Religionen von den Mitgliedern des Dialogs der Religionen in der Stadt Aachen. „Der Dialog dient dazu, sich kennenzulernen, Vorurteile abzubauen. Das Gespräch soll das leichter machen“, erläutert Shahab Ebrahimi von der Aachener Bahai‘ Gemeinde und Gründungsmitglied des Arbeitskreises.

Im Gespräch offener werden

Der Sinn ist, offener im Umgang mit anderen zu werden. Nicht zuletzt aufgrund des Zuwachses in der Gesellschaft der vergangenen Jahre sei das Thema wichtig, meint Idris Malik. „Wir müssen schauen, wie aus Fremden Freunde werden können, damit Integration gut funktioniert.“ Gemeinsam miteinander essen und auf Augenhöhe ins Gespräch kommen kann da schon ein erster Schritt sein. Mit den Gästen diskutierten unter anderen auch Aachens Dompropst Manfred von Holtum, zwei Vertreter des Eupener Dialogs der Religionen sowie die beiden Bürgermeisterinnen Marianne Conradt und Hilde Scheidt aus Aachen. Per Los wurde die Tischgemeinschaft, in der die Teilnehmer diskutierten, zusammengestellt.

Wie erleben wir unsere Nachbarn? Worüber regen wir uns auf? Was finden wir sympathisch? Christian Licht von der Buddhistischen Gemeinde in Aachen berichtete von der anfänglichen Skepsis der Nachbarn über den Einzug der Gemeinde in ihre Räume: „Da waren die Nachbarn schon skeptisch, was sie mit uns erwartet.“ Die Offenheit nicht verlieren, im Gespräch zu bleiben, bevor Ressentiments und Angst die Oberhand gewinnen können, waren Ergebnisse der Gespräche in den Tischrunden.

Erfahrungen, die auch die Mitglieder des Dialogs der Religionen teilen. Auch dort seien im Laufe der Jahre aus Fremden Freunde geworden. Dazu tragen regelmäßige Treffen des Arbeitskreises bei. „Wir haben ein gutes Verhältnis miteinander. Eines, das auch Differenzen aushält“, bekräftigt Hans Christian Johnsen, evangelischer Pfarrer und, wie Shahab Ebrahimi, Gründungsmitglied des Arbeitskreises.

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 05/2019

Von Kathrin Albrecht