Auf einer spannenden Reise

Die Gesprächsreihe „Meet & eat“ hat für Aachen-Stadt im ehemaligen Straßenbahndepot Station gemacht

Meet and eat Aachen Nachricht (c) Andrea Thomas
Di 12. Jun 2018
Andrea Thomas
Um im Bild zu bleiben – immerhin war der Schauplatz das alte Straßenbahndepot der Stadt – könnte man sagen: Die ersten Weichen sind gestellt, der Fahrplan wird etwas klarer, ebenso das Fahrtziel.
Meet and eat Bischof (c) Andrea Thomas

Spannend bleibt auch bei der fünften Station von „Meet & eat“ weiterhin: Wer sind die anderen Mitfahrer? Was sind ihre Wünsche und Ziele? Was erwartet die, die sich mit auf den Weg machen, unterwegs? Was wird ihnen die Fahrt bringen? Konkrete oder endgültige Antworten darauf gab es (wie auch auf die meisten Fragen, Sorgen und Anregungen der Teilnehmer) an diesem Abend nur teilweise. Das lag zum einen an der Zeit, die Bischof Helmut Dieser und der ihn begleitende Weihbischof Johannes Bündgens pro Tischrunde zur Verfügung hatten. Auch in Aachen hieß es nach gut zehn Minuten: neuer Tisch und neue Gesprächspartner. Zum anderen seien sie zwar jetzt mit den bald startenden Foren und Teilprozessgruppen „in einer spannenden Phase“, wie der Bischof in seinen einleitenden Worten erklärte, aber eben auch immer noch recht am Anfang des Prozesses. Der sei eine „diffizile Aufgabe, die einen langen Atem“ brauche.

Die „Mitfahrer“ waren knapp 130 engagierte und interessierte Menschen aus ganz Aachen. Erfreulicherweise waren darunter auch viele junge Gläubige, unter anderem die Katholische junge Gemeinde (KJG), die Christliche Arbeiterjugend (CAJ), die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) und Messdiener aus St. Donatus Aachen-Brand. Ein wenig schade – was auch viele Teilnehmer anmerkten: viele bekannte Gesichter. Will heißen: Kirchenferne Menschen erreichte das Format zumindest in Aachen nur sehr wenige, eher die, die sich bereits einbringen und denen was an „ihrer“ Kirche liegt. Viele der Fragen und Sorgen, die die Teilnehmer beschäftigten, waren ähnlich: Wie kann Gemeindeleben lebendig bleiben und junge und ältere Menschen gleichermaßen mitnehmen, angesichts immer weniger Priester und immer größerer Räume? Kirche, das wurde in den Gesprächen, auch der Teilnehmer untereinander, deutlich, braucht für viele weiter „Anker“ vor Ort. Sei dies ein regelmäßiges Gottesdienstangebot oder ein hauptamtlicher Ansprechpartner. Die kleineren Gemeinden am Stadtrand fühlen sich da jetzt oft schon etwas alleine gelassen.

Die erfreulich vielen jungen Menschen, die zum „Meet & eat“ gekommen waren, fragten sich ebenfalls, wie die Gemeinde/Kirche der Zukunft aussehen könne, wo da ihr Platz ist und ob ihre ehrenamtliche Arbeit noch gebraucht werde, wenn zum Beispiel bei immer weniger Messen auch immer weniger Messdiener nötig sind. Wie sich Menschen für den Glauben begeistern ließen, Stichwort „Evangelisierung“. Konkrete Antworten erhielten auch sie (noch) nicht, aber sie waren dennoch zufrieden. Er habe sich für die Arbeit der Jugendverbände und die Sicht junger Menschen interessiert, teile ihre Sorgen und „hat uns und unsere Themen auf dem Radar“, so das Fazit. Ein ganz aktuelles Thema, das viele interessierte: Wo steht unser Bischof in der Diskussion um Ökumene und das gemeinsame Abendmahl? Nicht auf der Seite der Briefschreiber um Kardinal Woelki, wie er unterstrich, und der Ökumene durchaus aufgeschlossen gegenüber. Die sei keine Frage des „ob“ sondern des „wann“.

 

Wer was ändern will, muss mitmachen

Zu den teils ganz persönlichen Themen und Anliegen zählten außerdem: eine bessere Unterstützung von Familien, eine Sprache, die bei den Menschen ankommt, die Lebenswirklichkeiten von Menschen heute in den Blick zu nehmen, Priester oder solche, die es werden wollen gut zu unterstützen oder auch die vorhandene Vielfalt von Kirche wahrzunehmen und nicht nur die Defizite zu sehen. Die Bereitschaft des Bischofs, mit seiner Basis ins Gespräch zu kommen, empfanden die meisten an diesem Abend als sehr positiv und wertschätzend. Es sei mutig, dass er das mache. Allerdings müssten den Worten dann auch Taten folgen, die Dinge, die er aus den Gesprächsrunden mitnehme in die nächsten Schritte einfließen. Da ist der ein oder andere noch nicht ganz überzeugt, ob und wie das gelingen wird, vermisst noch etwas die Transparenz in dem Prozess. Klar war für die, die an diesem Abend ins Straßenbahndepot gekommen waren: Wer möchte, dass die Kirche auch zukünftig noch Menschen Heimat bietet, der muss sich einbringen. Zuhause meckern ändere nichts, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Das soll insbesondere in den nächsten Schritten über die Themenforen und Teilprozessgruppen möglich werden. Da wäre es schön, wenn das vom Zeitaufwand, den man investieren muss, noch etwas flexibler zu handhaben wäre, damit auch alle die dabei sein können, die dies neben Familie, Studium, Beruf und Ehrenamt tun. Das werde man versuchen, versprach der Bischof. Betroffene sollten bei der Anmeldung darauf hinweisen.

Infos zum Gesprächsprozess: www.heute-bei-dir.de