Wie das Bistum Aachen Weichen für den Klimaschutz stellt:Verantwortung für die Schöpfung

Warum haben Christinnen und Christen eine besondere Verantwortung für die Schöpfung?
Burchard Schlömer, Referent für Kirche in der Gesellschaft:
Christinnen und Christen haben keine größere oder kleinere Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und die Sorge für die nicht-menschlichen Lebewesen als alle anderen Menschen. Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika "Laudato sí" vielmehr deutlich gemacht, dass es einen Dialog der Kulturen, Religionen und Wissenschaften braucht, um die gemeinsamen Aufgaben zu meistern.
Das Wort „Schöpfung“ verweist aber auf unsere besondere Blickweise, Motivation und Werte. Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Erde und Welt von Gott geschaffen wurden, dass sie gut sind und Gott sie im Leben hält. Die Schöpfung ist die erste Selbstmitteilung Gottes und eine gute Botschaft. Als "Ebenbilder" dieses Schöpfers soll unsere "Herrschaft" seiner "Herrschaft" entsprechen: Nicht maximale Ausbeutung für den Eigennutz, sondern liebevolle Zuwendung zur Mehrung des Lebens und der Lebendigkeit aller. Jedes nichtmenschliche Lebewesen hat einen Wert an sich, den wir respektieren und achten sollen. Der Regenbogen kann uns immer wieder daran erinnern, dass Gott seinen Bund auch mit ihnen geschlossen hat (Gen 9, 7-17).
Wie wird das Bistum Aachen dieser Verantwortung gerecht?
Burchard Schlömer, Referent für Kirche in der Gesellschaft:
Verschiedene Akteure leisten wichtige Beiträge. Die Nationalparkseelsorge in der Eifel bietet einen Lern- und Erfahrungsraum, der sich von der draußen erlebten Schöpfungsspiritualität und Mit-Geschöpflichkeit hin zum ökologischen Handeln im Alltag spannt. Der Diözesanrat der Katholik*innen führt jährlich das Klimafasten durch und verleiht alle zwei Jahre einen Umweltpreis. Bei der Preisverleihung wird deutlich, wie vielfältig das Engagement an der Basis ist. In der diözesanen Verwaltung setzen wir mit Dienstrad-Leasing, Carsharing und Jobticket auf eine nachhaltige Mobilität. Nimmt man den Synodalkreisbeschluss vom Mai 2022 zur Nachhaltigkeit als Maßstab, wird klar, dass unsere Verantwortung noch mehr erfordert, z.B. die Einführung eines Umweltmanagements, eine ökologische Kirchenlandverpachtung, Aufbau einer umfassenden Beratungsstruktur, Verankerung von Schöpfungsbewusstsein bei Hauptamtlichen und freiwillig Engagierten, um nur einige Punkte zu nennen.
Wo und wie werden Maßnahmen zum Klimaschutz im Bistum Aachen konkret umgesetzt?
Hendrik Hermans, Referent für Bau und Denkmalpflege:
Mit dem Energiefond des Bistums Aachen, sowie dem Programm für klimaneutrale Pfarrheime unterstützt das Bistum die Kirchengemeinden auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Zahlreiche kleine und große Bauprojekte verbessern den Immobilienbestand Schritt für Schritt. In Würselen Bardenberg wird mit St. Peter und Paul die erste der Kirche im Bistum vollständig auf die Temperierung mit einer Wärmepumpe umgerüstet und nicht mehr mit fossilen Energieträgern betrieben. Der Pastorale Raum Jülich geht aktuell einen großen Schritt und reduziert seinen Gebäudebestand massiv, dafür entsteht im Zentrum der Stadt ein klimaneutrales Gemeindezentrum. Hier arbeiten demnächst Verwaltung, Pfarrheim und offene Jugendarbeit an einem lebendigen Standort zusammen. Das Gebäude belebt das Zentrum in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche und kann in dieser Struktur zukünftig deutlich ökologischer und wirtschaftlicher betrieben werden.
Zum Hintergrund:
Bereits seit dem Jahr 2014 bündelt das Bistum seine Aktivitäten im Bereich Immobilien und Bau unter dem Dach des „Energiemanagements“. Inspiriert durch die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskusverfolgt das Bistum das Ziel, Treibhausgasemissionen durch einen reduzierten Verbrauch von Strom, Heizenergie und Wasser nachhaltig zu senken.In der Enzyklika „Laudato si“ ruft Papst Franziskus zu globaler Verantwortung gegen den menschengemachten Klimawandel auf.
Ein zentrales Element dieser Strategie sind die sogenannten Klimaschutzteilkonzepte. Insgesamt wurden 469 Liegenschaften im Eigentum von Kirchengemeinden oder des Bistums detailliert untersucht, energetische Schwachstellen analysiert und in individuellen Steckbriefen festgehalten. Diese Konzepte dienen als Orientierungshilfe, um gezielte Maßnahmen zur Energieeinsparung umzusetzen. Für energetisch sinnvolle Baumaßnahmen bietet das Bistum zudem finanzielle Unterstützung und fachliche Beratung an.