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Der Ambulanzbus „Vinzenz“ der Caritas in Omsk:Unterwegs für Menschen ohne Obdach

Eine Besucherin des Ambulanzbusses 'Vinzenz' erhält ihr Mittagessen.
Datum:
14. Sept. 2026
Von:
Carina Delheit

„Vinzenz“ ist ein Mercedes Sprinter mit medizinischem Sonderaufbau, der als mobile Anlaufstelle für Obdachlose dient. Finanziert mit Spendengeldern der Sibirienhilfe wurde er aus Deutschland nach Sibirien gebracht – ein Transport, der heute so nicht mehr möglich wäre. Werktäglich fährt der Bus zu einer festen Ausgabestelle nahe dem Omsker Hauptbahnhof. Nachmittags werden dort Obdachlose mit einer warmen Mahlzeit versorgt: eine Vorspeise, ein Hauptgericht, heißer Tee, Brot und ein Brötchen – serviert in Einweggeschirr, der Tee abgefüllt in mitgebrachte Flaschen. Nach wie vor kommen täglich 20 bis 25 Menschen zum Bus, vor langen Wochenenden oder Feiertagen gibt es zusätzlich Trockenverpflegung wie Zwieback, Fertigmahlzeiten und Konserven.

Die Gruppe der Obdachlosen hat sich in den letzten Jahren verändert. Früher setzte sie sich vor allem aus Haftentlassenen zusammen, doch mittlerweile werden vielen Häftlingen lukrative Verträge für den Einsatz an der Front angeboten. Wer überlebt, kehrt mit hohem Sold zurück und ist finanziell abgesichert – landet also nicht mehr auf der Straße, kämpft aber oft mit den psychischen Folgen. Für die Obdachlosenhilfe bedeutet das: aus dieser Gruppe kommen kaum noch neue Betroffene hinzu. Auch ein Teil der Männer, die zuvor bereits auf der Straße lebten, wurde in die militärische Sonderoperation eingezogen. Dafür ist die Zahl obdachloser Frauen gestiegen.

Auch die Zusammensetzung der Gruppe selbst hat sich verändert: Früher war der Kreis der Obdachlosen beständiger, heute sind von diesen „alten Hasen“ nur noch etwa zehn Personen übrig geblieben. Die meisten anderen bleiben nur für zwei bis drei Monate, bevor sie wieder verschwinden – an ihre Stelle treten ständig neue Betroffene. Ihre Probleme bleiben dabei dieselben.

In erster Linie kommen die Obdachlosen wegen der warmen Mahlzeit. Wird zusätzlich medizinische Hilfe gebraucht, ist auch dafür gesorgt: Eine Krankenschwester versorgt Wunden und gibt Medikamente gegen Schmerzen, Grippe oder Magenbeschwerden. Weil viele von ihnen in den Wartungsschächten der Fernwärmerohre leben, sind Verbrennungen keine Seltenheit – ebenso wie Erfrierungen im Winter, wenn sie draußen oder in notdürftigen Unterkünften ausharren müssen. Nicht selten führen diese Verletzungen dazu, dass Gliedmaßen amputiert werden müssen. Auch Verletzungen durch Schlägereien, gebrochene Nasen oder Kopfverletzungen gehören zum Alltag. Für die Wundversorgung greifen die Krankenschwestern bis heute teils auf Verbandmaterial zurück, das Schwester Maria Ursula seinerzeit als Spende der Bundeswehr organisiert hat. Zusätzlich werden Kleidung, Schuhe und Kopfbedeckungen verteilt.

Trotz der schwierigen Lebensumstände organisieren sich die Obdachlosen in kleinen Gruppen, halten ihren Essensplatz sauber und sammeln selbst den Müll ein. Kommt es zu Konflikten, sind diese meist schon vorbei, wenn der Bus eintrifft – Passanten rufen dann häufig die Polizei, die ihren Unmut über die Zusammenkünfte deutlich macht.

Wer duschen möchte, muss dafür extra zur Caritas kommen – dort schneidet eine Mitarbeiterin bei Bedarf auch die Haare, pflegt Bart und Nägel und gibt saubere Kleidung aus.

Damit all das weiterhin möglich bleibt, braucht es vor allem eines: einen funktionstüchtigen Bus. In den vergangenen Jahren fiel der Mercedes immer wieder aus, die Reparaturkosten überstiegen die Möglichkeiten der Caritas vor Ort, sodass er zeitweise durch ein anderes Fahrzeug ersetzt werden musste. In diesem Jahr konnte immerhin eine Generalüberholung durchgeführt werden – doch die Fahrerkabine ist inzwischen so stark durchgerostet, dass als Nächstes dringend eine Lackierung ansteht. Ohne sie droht „Vinzenz“ schon bald wieder auszufallen, und mit ihm die einzige warme Mahlzeit für viele obdachlose Menschen.

Die Armen-Schwestern vom hl. Franziskus engagieren sich mit ihrer Sibirienhilfe für die seelische und körperliche Not der Menschen in Sibirien. Ordensschwestern der Gemeinschaft haben über viele Jahre die Caritasarbeit im postkommunistischen Russland aufgebaut. Inzwischen leben und arbeiten die Schwestern wieder in Deutschland, aber die Verbundenheit und der Kontakt bleibt, und auch die Nöte und Sorgen der Menschen wurden nicht vergessen. Weitere Infos zur Sibirienhilfe finden sich auf der Webseite des Ordens: www.schervier-orden.de