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Ansprache zum Matrozinium Mariae Himmelfahrt

Ansprache zum Matrozinium Mariä Himmelfahrt 2026:

Sie ist weg. Willi Willms umschreibt es so: „Sie hat sich verduftet“. Und er meint das durchaus im doppeldeutigen Sinn: Sie ist weg und: sie bleibt - mit einem die Welt verändernden Duft.

 

Dieses Wortspiel fußt auf einer Legende, die besagt, dass die Jünger Jesu drei Tage nach dem Tod Marias ihr Grab fanden, angefüllt mit schön duftenden Rosen. Und eine andere Legende besagt, dass Maria mittels einer mit Rosen beschmückten Leiter gen Himmel gefahren ist.

 

Beides haben wir in der Citykirche dank einer kreativen Idee von John Barrawasser versucht, ins Bild zu setzen. Vielleicht schauen Sie die nächsten Tage, wenn Sie Zeit und Lust haben, mal rein. Manchmal ist es eine bereichernde Erfahrung, nicht nur von etwas zu hören, sondern es auch zu sehen.

 

Sie ist weg; was Menschen ihr allerdings angedichtet haben – später, als sie schon längst weg war, das liegt jetzt nur so da rum, wie überflüssig. Sie braucht es nicht; sie hat es nie gebraucht. Dieses sichtbare Zeichen der Macht: Die Königskrone, die liegt jetzt da nämlich auf dem Sockel bei uns in der Ciykirche. Maria ist weg, die Krone liegt noch da. Maria hat sich der menschlichen Machtsymbole entledigt.

 

Erinnern wir uns: Als Menschen Jesus zum König krönen wollten, da ist er abgehauen? Er wollte nicht König sein. Und wir machen stattdessen Maria jetzt als Ersatz gleichsam zur Himmelskönigin?

 

Maria war keine Königin. Sie war ein junges Mädchen, das sich auf ein Wagnis mit Gott eingelassen hat; „Ja“ gesagt hat sie zu etwas sie, was sie nicht begreifen, schon gar nicht überschauen konnte.

 

Menschen haben ihr diese Macht angedichtet. Als Mutter Jesu hat man sie zur Fürsprecherin gemacht. Wenn jemand Einfluss auf Gott nehmen könnte, dann sei sie es; so haben Menschen wohl gedacht. Wir vielleicht auch? Haben wir Maria zur ersten Lobbyistin gemacht, die die Ansprüche der Menschen Gott nahe bringen sollte? Haben wir Menschen Maria dieses Machtpotential aufgedrückt?

 

„Dein Sohn dir alles gern gewährt, was deine Lieb für uns begehrt; so bitt, dass er uns hier verschon und droben voller Huld belohn! Patronin voller Güte, uns allezeit behüte“. (5. Strophe des Liedes „Maria breit den Mantel aus“)

 

Wenn dem so wäre, dass wir Maria diese Funktion auferlegt haben, dann müssen wir glaub ich zwei Missverständnisse aus dem Weg räumen: Maria ist keine Bittstellerin und Gott ist kein Vertragshändler, mit dem man Lebensverträge abschließen könnte.

 

Was feiern wir an diesem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel? Wohin ist sie aufgestiegen? Wo ist sie jetzt? Hat der Himmel eine postalische Adresse? Ich frag das so scherzhaft, weil wir zu Weihnachten die Kinder einladen, einen Brief zu schreiben mit ihren Wünschen; und im bergischen Land, da soll es ein Postamt geben, die diese Briefe entgegennimmt. Wenn es doch nur so einfach wäre. Und weil es eben nicht einfach ist, versuchen wir, es zu vereinfachen. Das ist menschlich verständlich, aber eben doch zu kurz gefasst.

 

Was und wo ist der Himmel?  Vorsichtige Antworten auf diese Fragen finden wir, wenn wir nach dem Fragen, wer Gott und wer Maria ist. Und die Antwort ist vielleicht schlichter und naheliegender als wir meinen: Gott ist Gott und Maria ist eine Frau. Gott ist Anfang und Ende und Maria ist ein Mensch. Gott ist ewig und Maria ist sterblich. Gott ist Geheimnis und Maria ist neugierig. Gott ruft und Maria hört. Diese wechselhaften Wesensarten in ihrer Unterschiedlichkeit können uns einiges lehren.

 

Jede Beantwortung der Frage, was Himmel ist, greift zu kurz. Die Überzeugung, Himmel wäre das, was nach der Erde käme; Himmel wäre das, was nach dem Tod käme; Himmel wäre das Ziel und das Leben wäre der schwere Weg dorthin: All das greift zu kurz.

 

Das Lebensziel des Geschaffenen ist nicht der Himmel; das Ziel alles Lebendigen ist Gott. Diese Lebensperspektive hat uns die Beziehung zwischen Gott und Maria geschenkt. Indem sie „Ja“ gesagt hat, hat sie Gott die Möglichkeit gegeben, Himmel und Erde miteinander zu verbinden.

 

Eben das kommt mit dem Wortspiel in einzigartiger Weise zum Vorschein: Sie hat sich verduftet. Ihr Tod ist nicht nur ein Weggehen von der irdischen Welt in die Himmlische. Ihr Tod ist nicht in erster Linie Tor zur Ewigkeit, sondern eine Brücke, Zeit und Ewigkeit in Verbindung zu halten. Sie hat sich verduftet: Sie ist weg und zugleich ist sie da, die Welt weiter  prägend: als Frau, als Mensch, als Neugierige, als Hörende.

 

 

Und dieses Wunder, diese Verschmelzung von Himmel und Erde geschieht immer, tagtäglich, wenn Menschen „Ja“ sagen zu dem, was ihnen als Aufgabe auferlegt ist. Wenn wir „Ja“ zum Leben sagen, dann berühren sich Himmel und Erde (So heißt es auch in einem Gedicht von Willi Willms). Wenn dieses „Ja“ fußt, eben nicht auf dem menschlichen Drang herrschen und siegen zu wollen, sondern auf einer inneren Meditation, auf einem Dialog mit Gott und mir, dann berühren sich Himmel und Erde. Dann verströmt sich über jeden Tod ein Duft, der keine und keinen vergessen lässt.

 

Sie hat sich verduftet und ihr Wohlgeruch liegt auf dieser Welt, auch auf unserem Leben. Wir können es – oder besser: sie – riechen, immer dort, wo Menschen – wo wir – unsere Herrschaftskronen ablegen, uns mitteilen als Neugierige und Hörende. Denn wenn wir uns so im Leben mitteilen, dann liegt darin Göttliches, das Himmel und Erde verbindet.

 

 

 

 

Datum:
So. 9. Aug. 2026
Von:
Christoph Simonsen

Ansprache zum Matrozinium Mariä Himmelfahrt 2026:

Sie ist weg. Willi Willms umschreibt es so: „Sie hat sich verduftet“. Und er meint das durchaus im doppeldeutigen Sinn: Sie ist weg und: sie bleibt - mit einem die Welt verändernden Duft.

 

Dieses Wortspiel fußt auf einer Legende, die besagt, dass die Jünger Jesu drei Tage nach dem Tod Marias ihr Grab fanden, angefüllt mit schön duftenden Rosen. Und eine andere Legende besagt, dass Maria mittels einer mit Rosen beschmückten Leiter gen Himmel gefahren ist.

 

Beides haben wir in der Citykirche dank einer kreativen Idee von John Barrawasser versucht, ins Bild zu setzen. Vielleicht schauen Sie die nächsten Tage, wenn Sie Zeit und Lust haben, mal rein. Manchmal ist es eine bereichernde Erfahrung, nicht nur von etwas zu hören, sondern es auch zu sehen.

 

Sie ist weg; was Menschen ihr allerdings angedichtet haben – später, als sie schon längst weg war, das liegt jetzt nur so da rum, wie überflüssig. Sie braucht es nicht; sie hat es nie gebraucht. Dieses sichtbare Zeichen der Macht: Die Königskrone, die liegt jetzt da nämlich auf dem Sockel bei uns in der Ciykirche. Maria ist weg, die Krone liegt noch da. Maria hat sich der menschlichen Machtsymbole entledigt.

 

Erinnern wir uns: Als Menschen Jesus zum König krönen wollten, da ist er abgehauen? Er wollte nicht König sein. Und wir machen stattdessen Maria jetzt als Ersatz gleichsam zur Himmelskönigin?

 

Maria war keine Königin. Sie war ein junges Mädchen, das sich auf ein Wagnis mit Gott eingelassen hat; „Ja“ gesagt hat sie zu etwas sie, was sie nicht begreifen, schon gar nicht überschauen konnte.

 

Menschen haben ihr diese Macht angedichtet. Als Mutter Jesu hat man sie zur Fürsprecherin gemacht. Wenn jemand Einfluss auf Gott nehmen könnte, dann sei sie es; so haben Menschen wohl gedacht. Wir vielleicht auch? Haben wir Maria zur ersten Lobbyistin gemacht, die die Ansprüche der Menschen Gott nahe bringen sollte? Haben wir Menschen Maria dieses Machtpotential aufgedrückt?

 

„Dein Sohn dir alles gern gewährt, was deine Lieb für uns begehrt; so bitt, dass er uns hier verschon und droben voller Huld belohn! Patronin voller Güte, uns allezeit behüte“. (5. Strophe des Liedes „Maria breit den Mantel aus“)

 

Wenn dem so wäre, dass wir Maria diese Funktion auferlegt haben, dann müssen wir glaub ich zwei Missverständnisse aus dem Weg räumen: Maria ist keine Bittstellerin und Gott ist kein Vertragshändler, mit dem man Lebensverträge abschließen könnte.

 

Was feiern wir an diesem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel? Wohin ist sie aufgestiegen? Wo ist sie jetzt? Hat der Himmel eine postalische Adresse? Ich frag das so scherzhaft, weil wir zu Weihnachten die Kinder einladen, einen Brief zu schreiben mit ihren Wünschen; und im bergischen Land, da soll es ein Postamt geben, die diese Briefe entgegennimmt. Wenn es doch nur so einfach wäre. Und weil es eben nicht einfach ist, versuchen wir, es zu vereinfachen. Das ist menschlich verständlich, aber eben doch zu kurz gefasst.

 

Was und wo ist der Himmel?  Vorsichtige Antworten auf diese Fragen finden wir, wenn wir nach dem Fragen, wer Gott und wer Maria ist. Und die Antwort ist vielleicht schlichter und naheliegender als wir meinen: Gott ist Gott und Maria ist eine Frau. Gott ist Anfang und Ende und Maria ist ein Mensch. Gott ist ewig und Maria ist sterblich. Gott ist Geheimnis und Maria ist neugierig. Gott ruft und Maria hört. Diese wechselhaften Wesensarten in ihrer Unterschiedlichkeit können uns einiges lehren.

 

Jede Beantwortung der Frage, was Himmel ist, greift zu kurz. Die Überzeugung, Himmel wäre das, was nach der Erde käme; Himmel wäre das, was nach dem Tod käme; Himmel wäre das Ziel und das Leben wäre der schwere Weg dorthin: All das greift zu kurz.

 

Das Lebensziel des Geschaffenen ist nicht der Himmel; das Ziel alles Lebendigen ist Gott. Diese Lebensperspektive hat uns die Beziehung zwischen Gott und Maria geschenkt. Indem sie „Ja“ gesagt hat, hat sie Gott die Möglichkeit gegeben, Himmel und Erde miteinander zu verbinden.

 

Eben das kommt mit dem Wortspiel in einzigartiger Weise zum Vorschein: Sie hat sich verduftet. Ihr Tod ist nicht nur ein Weggehen von der irdischen Welt in die Himmlische. Ihr Tod ist nicht in erster Linie Tor zur Ewigkeit, sondern eine Brücke, Zeit und Ewigkeit in Verbindung zu halten. Sie hat sich verduftet: Sie ist weg und zugleich ist sie da, die Welt weiter  prägend: als Frau, als Mensch, als Neugierige, als Hörende.

 

 

Und dieses Wunder, diese Verschmelzung von Himmel und Erde geschieht immer, tagtäglich, wenn Menschen „Ja“ sagen zu dem, was ihnen als Aufgabe auferlegt ist. Wenn wir „Ja“ zum Leben sagen, dann berühren sich Himmel und Erde (So heißt es auch in einem Gedicht von Willi Willms). Wenn dieses „Ja“ fußt, eben nicht auf dem menschlichen Drang herrschen und siegen zu wollen, sondern auf einer inneren Meditation, auf einem Dialog mit Gott und mir, dann berühren sich Himmel und Erde. Dann verströmt sich über jeden Tod ein Duft, der keine und keinen vergessen lässt.

 

Sie hat sich verduftet und ihr Wohlgeruch liegt auf dieser Welt, auch auf unserem Leben. Wir können es – oder besser: sie – riechen, immer dort, wo Menschen – wo wir – unsere Herrschaftskronen ablegen, uns mitteilen als Neugierige und Hörende. Denn wenn wir uns so im Leben mitteilen, dann liegt darin Göttliches, das Himmel und Erde verbindet.