Notfallseelsorger unterstützen Betroffene der Flutkatastrophe

Seit der Flutkatastrophe sind im Bistum Aachen zahlreiche Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger im Einsatz, um vom Hochwasser Betroffene zu betreuen und unterstützen. Während sich die Lage in Kreis Düren und Heinsberg entspannt hat, sind die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger in der Städteregion Aachen weiterhin im Einsatz.

Für Betroffene, besonders in der Städteregion Aachen und der Region Eifel, wurden Notfallnummern eingerichtet,

Städteregion Aachen: 0241/4015791

Region Eifel:  02445/89500

Informationen für Betroffene der Starkregenkatastrophe

Die Starkregenereignisse haben eine große Zahl von Menschen in ganz unterschiedlicher Weise getroffen. Viele von Ihnen haben Hilflosigkeit angesichts der Naturgewalt erlebt, anderen wurde ihr Zuhause zerstört und manche von Ihnen haben Angehörige oder Freunde durch die Katastrophe verloren oder sind in Sorge um deren Gesundheit. Auf solche einschneidenden Erfahrungen reagieren wir Menschen in sehr unterschiedlicher Weise. Einige typische Reaktionen sollen nachfolgend beschrieben werden. Zudem will diese Information Ihnen erste Hilfen zum Umgang mit der belastenden Situation geben.

Wie reagiert der Mensch auf extrem belastende Situationen?

So verschieden wie Menschen sind, so verschieden ist auch der Umgang mit einer existenziellen Notlage. Was eine Katastrophe mit einem Menschen macht, hängt von vielen Faktoren ab. Hierzu zählen unter anderem bisherige Erfahrungen oder die aktuelle körperliche Verfassung. Die nachfolgende Auflistung ist eine unvollständige Zusammenstellung von möglihen Reaktionen: Schlafstörungen, Rast-/ Ruhelosigkeit, erhöhter Puls/Blutdruck, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Albträume, Konzentrationsschwäche, Schuldgefühle, Reizbarkeit/Aggression, erhöhte Erregbarkeit, Zurückgezogenheit Überempfindlichkeit.

Alle diese Reaktionen sind normal. Sie sind ein Beleg dafür, dass sich der Kopf und der Körper mit einer extrem belastenden Situation auseinandersetzten. Wenn Sie sich in den Tagen nach der Starkregenkatastrophe anders erleben als sonst, so ist dies eine normale Reaktion eines gesunden Körpers auf ein unnormales Ereignis! Erst wenn die Reaktionen mehr als vier oder fünf Wochen anhalten, sollten Sie weiterführende Hilfe in Anspruch nehmen. Es kann auch sein, dass Sie keine Reaktion zeigen - auch das ist normal.

Was kann helfen?

Grundsätzlich gilt, dass all das gut tut, was auch sonst als wohltuend empfunden wird. Dies mag sportliche Betätigung, Entspannung oder auch das Lieblingsessen sein. Wesentlich trägt auch der Zusammenhalt in der Gemeinschaft zur Verarbeitung eines solchen Ereignisses bei. Nachfolgende Faktoren haben sich als besonders wirksam bei der Bewältigung von Belastungen erwiesen:

Sicherheit herstellen

Suchen Sie einen Ort auf, an dem Sie vor der Katastrophe und deren Folgen sicher sind. Orientieren Sie sich dabei an den Anweisungen der Einsatzkräfte. Erst an einem Ort, der räumliche Sicherheit verspricht, kann eine belastende Situation
erfolgreich bewältigt werden.

Entlastung suchen

Tun Sie Dinge, die Ihnen auch im Alltag Entlastung verschaffen. Musik hören oder auch Entspannungsübungen können solche Aktivitäten sein.

Wirkung entfalten

In der Katastrophenlage haben Sie erlebt, wie wenig der Mensch gegen die Naturgewalt ausrichten kann. In dieser Situation ist es hilfreich, zu erleben, dass Sie durch eigenes Handeln etwas verändern können. Dabei ist es egal, ob Sie Kaffee für Einsatzkräfte kochen, Kinder von Nachbarn betreuen oder warme Socken gegen kalte Füße häkeln. Was zählt ist, dass Sie mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit zufrieden sein können.

Kontakt suchen

Niemand steht eine Katastrophe alleine durch. Seien Sie füreinander da. Teilen Sie Geschichten und Erinnerungen und planen Sie gemeinsam für die Zukunft.

Hoffnung schöpfen

Es gibt viele Quellen der Hoffnung. Dies können eigene Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen sein oder auch das Vertrauen auf Gott. Schöpfen Sie Kraft aus diesen Quellen.

 

 

SEEBÄR: Was Sie tun können, um Kindern zu helfen!

Sicherheitsgefühl vermitteln:

Sorgen Sie, soweit es geht, für einen geordneten Tagesablauf für Ihre Kinder und versuchen Sie, wenn auch nur mit Kleinigkeiten, „Normalität“ herzustellen. Bleiben Sie möglichst viel in der Nähe Ihrer Kinder bzw. überlegen Sie, ob Sie Ihre Kinder mitnehmen können, wenn Sie etwas erledigen müssen.

Einbeziehen:

Lassen Sie Ihre Kinder Anteil nehmen; schicken Sie sie nach Möglichkeit nicht weg. Nur wenn Sie im Augenblick keine Möglichkeit sehen, angemessen für Ihre Kinder zu sorgen, bringen Sie Ihre Kinder Zeit bei nahestehenden Verwandten oder anderen engen Bezugspersonen unter. Besprechen Sie anstehende Entscheidungen gemeinsam mit Ihren Kindern. Teilen Sie Ihre Gefühle miteinander, und weinen Sie auch vor Ihren Kindern, wenn Ihnen danach zumute ist: Gemeinsam mit Ihren Kindern befinden Sie sich in einer außergewöhnlichen Situation!

Erklären eigener Gefühle und Gedanken:

Kinder spüren rasch, wenn Erwachsene bedrückt sind oder etwas „nicht stimmt“. Deshalb ist es nicht sinnvoll zu versuchen, etwas zu verheimlichen oder zu verschweigen. Sagen Sie stattdessen ganz offen und ehrlich, warum Sie traurig oder verzweifelt sind. Erklären Sie in einfachen Worten, was in den kommenden Tagen und Wochen alles getan werden muss. Auf diese Weise wird Ihr Kind leichter verstehen, wieso Sie sich möglicher-weise anders verhalten als üblich, und wieso Sie im Augenblick z. B. weniger Zeit für Ihr Kind haben als gewohnt.

Bagatellisieren Sie das Geschehene nicht, aber dramatisieren Sie es auch nicht zusätzlich:

Die Situation ist, wie Sie ist: Das hat Ihr Kind längst selbst erfahren. Versuchen Sie einerseits nicht, das Geschehene „herunterzuspielen“, um Ihr Kind vermeintlich zu schützen – äußern Sie andererseits aber auch nichts, was bei Ihrem Kind zusätzliche und unnötige Ängste auslösen könnte.

Beachten Sie mögliche Spätfolgen:

Wenn Kinder eine Katastrophe miterlebt haben, kann dies auch langfristig anhaltende seelische Auswirkungen haben. Dazu gehören unter anderem Alpträume und andere Schlafstörungen, Angstzustände, Konzentrations-schwierigkeiten (z. B. in der Schule) oder eine gesteigerte Aggressivität. Solche Reaktionen sind zunächst normal, zeigen Sie Verständnis dafür. Wenn Ihnen allerdings auch nach mehreren Wochen noch Veränderungen des Verhaltens auffallen, sollten Sie einen Kinderarzt oder einen Kinderpsychologen um Rat fragen. Manchmal ist dann weitere fachliche Hilfe notwendig.

Aktivität ermöglichen und fördern:

Die Verarbeitung von Notfällen ist meist leichter, wenn ein Kind sich nicht vollkommen hilflos erlebt hat, sondern selbst etwas tun konnte, um die Situation zu bewältigen. Überlegen Sie daher, ob Sie Ihrem Kind eventuell eine altersgemäße und sinnvolle Aufgabe geben können, die es mit ihnen gemeinsam (oder bei älteren Kindern: sogar selbständig) erfüllen kann. Ihr Kind kann sich, wenn es dies möchte, auch selbst an den Aufräumarbeiten beteiligen. Aber Vorsicht: Überfordern Sie Ihr Kind nicht, das heißt: Muten Sie ihm auch nicht zuviel zu. Und vor allem gilt natürlich: Achten Sie auf Sicherheit! 

Ermutigen Sie Kinder, zu tun, was ihnen gefällt und was Ihnen gut tut:

Lassen Sie Ihr Kind spielen und etwas mit Freunden unternehmen, wenn es dies möchte. Respektieren Sie individuelle und zunächst vielleicht eigenartig anmutende Ideen oder Vorschläge Ihrer Kinder. Lassen Sie Ihr Kind tun, wozu es Lust hat und was ihm im Augenblick Freude bereitet – achten Sie aber auf drohende Gefah-ren (z. B. durch verunreinigtes Wasser, einsturzgefährdete Gebäude, ungesicherte Gefahrenstellen, beschädigte Straßen, laufende Reinigungsarbeiten etc.!) Bedenken Sie auch, dass Kinder besonders anfällig für Infektionsgefahren sind.

Reden und Zuhören:

Sprechen Sie mit Ihren Kindern, antworten Sie offen und ehrlich auf ihre Fragen – und hören Sie Ihnen aufmerksam zu, wenn sie selbst etwas erzählen. Drängen Sie ein Gespräch aber nicht auf!

(Entwurf: Prof. Dr. Harald Karutz, Mülheim an der Ruhr, Version 3 (2021))

 

Die Notfallseelsorge - erste Hilfe für die Seele

Notfallseelsorge (c) www.pixabay.com

in Trägerschaft der Kirchenkreise Aachen / Gladbach-Neuss / Jülich / Krefeld-Viersen
und des Bistums Aachen

Wir sind da

  • für Menschen, die in ihrem häuslichen Bereich in Not geraten sind (z.B. plötzlicher Todesfall, Kindstod, Suizid, schwerer Brand, Todesmitteilung)
  • für Menschen, die im außerhäuslichen Bereich in Not geraten sind (z.B. Unfall, Großschadenslage)

Die Notfallseelsorge arbeitet überkonfessionell und nicht-kommerziell. Sie ist schnelle erste Begleitung in einer plötzlich ausgelösten menschlichen Krisensituation.

Dabei arbeitet sie rund um die Uhr mit Notärzten, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Polizei zusammen. In einigen Regionen des Bistums Aachen begleitet sie auf Wunsch auch die Einsatzkräfte im Sinne einer Nachsorge.

Begleitung in Notlagen

Die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger bieten ihre mitmenschliche Begleitung an, um Vertrauen, Sicherheit und Orientierung der in Not geratenen Menschen zu stärken.

Auch Gespräche über Schuld und Gerechtigkeit, Sinn und Zukunft oder ein Gebet können dazugehören.

Stets steht eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger in Rufbereitschaft und wird über die Einsatzleitstelle oder die Einsatzkräfte vor Ort angefordert.

Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht.

Tag der Notfallseelsorge am 02.10.2021 in Mönchengladbach

Am Samstag, dem 2. Oktober 2021 soll in Mönchengladbach der Tag der Notfallseelsorge zum Thema "Einsatz häusliche Gewalt" stattfinden.

Aktuelle Informationen finden Sie hier.