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Wortgottesdienst zu Weihnachten

Weihnachten 2025.

A Winter’s Tale (Queen mit Freddie Mercury).

 Seid alle von Herzen willkommen zur Feier in dieser Heiligen Nacht. Freddie Mercury hat uns mit dem Lied „A winter’s Tale“ – ein Wintermärchen - eingestimmt in diese Nacht. Wir sind eingeladen, die Träume der Welt in unser Herz aufzunehmen, sie zu bewahren und an ihrer Verwirklichung mitzuwirken.

 (Die Heilige Nacht und die Weihnachtstage sind erfüllt von dem großen Traum nach Frieden überall auf der Welt)

 Vielleicht nehmen wir uns zu Beginn einen kleinen Augenblick Zeit, um uns an einige der unzähligen Träume der Weltgemeinschaft zu erinnern und sie mit unseren Träumen zu verbinden. Wir feiern heute Abend nicht alleine; mit uns feiern auf der ganzen Welt Menschen, die sich wie wir sehnen nach Ruhe, nach Frieden, nach Eintracht, nach heilem Leben.

Hören wir zu Beginn, mit welchen Worten Freddie Mercury diese Weltträume zusammengefasst hat:

 Es ist Winter

Rote Sonnenuntergänge

Seemöwen fliegen hoch

Schwäne ziehen durchs Wasser

Kaminrauch steigt in den Himmel

 

Wir tragen die Träume der Welt im Herzen

Träumen an einem gemütlichen Kamin

Träumen ein wenig diesen faszinierenden Augenblick

träumen ein fröhliches Lachen

träumen, wie sanft Regen über das Gesicht perlt

träumen einen außergewöhnlichen Friedensort!

 

träumen so ruhig und friedlich

träumen still und selig

träumen eine Art von Magie in der Luft

träumen einen wunderbaren Augenblick

 

„Es ist unglaublich“ heißt es in dem Lied dann weiter. Ja, es ist unglaublich, was in dieser Heiligen Nacht damals geschehen ist.

 Die Welt damals ist nicht heiler gewesen, nicht gottesfürchtiger, nicht friedlicher. Aber einige Wesen waren ergriffen von dem, was da geschehen ist. Maria und Josef, die Hirten, sogar die Tiere.

 Doch, diese Nacht hat einen neuen, wunderbaren Anfang gesetzt. Wir dürfen uns heute Abend hineinversenken in diesen Anfang und uns ergreifen lassen. Wir dürfen träumen, wenn wir es denn noch können angesichts einer Wirklichkeit, in der zu träumen ein großes Wagnis ist.

 

Zur Begrüßung:

Öffne dich, Himmel,

und regne herab

Frieden und Gerechtigkeit

Freude und Kraft

Freundschaft und Liebe.

 

Öffne dich, Himmel,

und verschlinge

Leid und Tränen

Not und menschenverschuldeten Tod.

 

Besinnung:

Gott,  wir sind in deiner Gnade und du gibst dich in unsere Hände.

Wir dürfen leben in deiner neuen Welt und du willst leben in unserer Erbärmlichkeit.

Herr, erbarme dich…

 Lied: GL 242 Adeste fidelis mit

 Tagesgebet:

Gott, mit der Geburt Jesu kam eine Bewegung in die Welt, die Heil in einer unheilen Welt wirkt. Strecke deine Hand nach uns aus in allen Brüchen, Rissen und Scherben des Lebens dieser Tage. Gib, dass das Wort deiner Engel „Fürchte dich nicht!“ nicht ohne Resonanz bleibt bei uns allen. In dem Kind von Bethlehem erkennen wir, wer du bist und wer wir sind. Du bist die Liebe und wir sind für die Liebe erschaffen. Gott. Du weißt: Es braucht viel Mut in diesen Tagen. Wirke deine Wunder in der Nacht dieser Zeit. Gib uns den stillen Mut, dem Wort der Engel zu vertrauen: „Fürchte dich nicht!“

 

Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 9,1-6)

Das Volk, das in der Finsternis ging, / sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, / strahlte ein Licht auf. 2 Du mehrtest die Nation, / schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, / wie man sich freut bei der Ernte, / wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. 3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, / den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian. 4 Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, / jeder Mantel, im Blut gewälzt, / wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. 5 Denn ein Kind wurde uns geboren, / ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. / Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, / Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. 6 Die große Herrschaft / und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, / es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, / von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen / wird das vollbringen. 

 Lied: 250,1-3 Engel auf den Feldern

 

Hören wir nun, wie der Evangelist Lukas uns in das Geheimnis der Weihnacht hineinführt (Lk 2,1-14)

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens. 

 Ansprache:

Love is a skin

That protects you

A warmth that spreads

From your fingertips

To your heart

                                   Brian Bilston

 

Dieses Gedicht von Brian Bilston kam mir letztens zufällig in die Finger:

 

Liebe ist eine Haut,

sie schützt dich.

Eine Wärme, die sich ausbreitet

Von deinen Fingerspitzen

Bis zu deinem Herzen.

 

Ich glaube, das wissen nicht alle: Unsere Haut ist unser größtes Organ. Sie fungiert als Schutzbarriere, als Sinnesorgan und als Temperaturregulator.

 Unsere Haut umgrenzt uns, ohne sie würden wir zerfließen, im wahrsten Sinn des Wortes auseinanderfallen. Unsere Haut umgibt uns wie ein Schutzmantel. Unsere Haut nimmt die zarte Berührung eines anderen wahr, aber auch die Schläge, die uns zugefügt werden.

 An unserer Haut lässt sich als erstes die Wärme der Sonne nieder aber auch der Frost des Winters. Ob es kalt ist um uns herum: Unsere Haut sagt es uns und unser Herz schlägt langsamer. Ob es warm ist um uns herum: Unsere Haut spürt es als erstes und das Herz blüht auf.

 Liebe ist wie eine Haut; sie schützt uns auch; sie wärmt uns; sie eint Körper und Seele. Wenn wir uns geliebt wissen, dann fühlen wir uns geborgen und sicher; wir fühlen uns gehalten und gestärkt. Wenn wir von einem liebenden Menschen berührt, umarmt werden, dann wird es warm in uns; dann schlägt unser Herz Purzelbäume.

 Gott ist die Liebe, so sagt es uns der Schreiber im 1. Johannesbrief. Es ist meines Wissens die einzige Umschreibung Gottes in der Heiligen Schrift, die so klar und unmissverständlich sein Wesen beschreibt. Gott ist die Liebe. Deshalb konnte er gar nicht anders; er musste seine Liebe in letzter Konsequenz zeigen. Und so ist er Mensch geworden mit Haut und Haar.

 Die Krippe in der Citykirche hat eine ungewöhnliche Besonderheit: Sie zeigt nur die Umrisse von Maria, Josef und dem Kind, sozusagen, die zarte, verletzliche Haut. Die Mönchengladbacher Künstlerin Maria Lehnen hat sie gestaltet.

 Gott liebt, wie kein Wesen sonst lieben könnte, wir können uns in seine Liebe hineinschmiegen; seine Liebe wie eine Haut um uns legen.

 

Die wenigsten wissen, dass unsere Haut drei Schichten hat: Die Epidermis (Oberhaut), die Dermis (Lederhaut) und die Subcuti (Unterhaut). Wir sind gleichsam dreifach geschützt: durch den Schöpfer, der uns ins Leben gerufen hat, den Sohn, der sich mit Haut und Haar mit uns solidarisiert hat und den Geist, der uns sensibilisiert für das Leben.

 Gott ist unsere Liebeshaut: in ihr – in ihm - können wir uns geborgen fühlen. Sie umhüllt uns – er umhüllt uns. Wie eine Liebeshaut legt er sich um uns.

Er ist unsere Schutzhaut, denn wir dürfen wissen, dass er auf unserer Seite steht.

Er ist unsere Himmelhaut, denn er hält uns bis hinein in die Ewigkeit.

 In seiner Menschwerdung offenbart er uns, dass wir für die Liebe geschaffen sind. Wir sind da, um geliebt zu werden - von ihm. Gott ist die Liebe. Er liebt, damit wir selbst zu Liebenden werden.

 Warum gelingt uns das so selten? Warum trauen wir der Liebe Gottes nicht? Wir bräuchten uns nur in sie hineinlegen. Aber wir tun es nicht.

 Ist das vermessen, wenn ich das so verallgemeinernd sage? Wir wären doch nicht hier, wenn uns daran nicht gelegen wäre.

 

Aber warum sieht dann die Welt so aus, wie sie ist: Zerstritten, zerrissen, im buchstäblichen Sinn zerfetzt? Liegt das auch mit an mir, an uns? Oder liegt es nur an den anderen: Den Andersglaubenden, den Anderslebenden, den Andersdenkenden?

 Ich denke, dieser Frage müssen wir uns stellen: Die Antwort wird uns herausfordern, im ersten Augenblick vielleicht sogar überfordern. Aber schon allein, wenn wir diese Frage in uns zulassen, werden wir der Beantwortung einen Schritt näher sein. Wir werden uns erinnern, dass es in der Weihnachtsbotschaft heißt: „Er kam in die Welt und die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Gott ist an der Welt gelegen. Wenn wir seiner Liebe trauen, dann können wir zu Weltliebenden werden, so wie er es geworden ist in seiner Menschwerdung; Gott ist an dieser Welt gelegen. Wenn wir ihm nacheifern, dann gibt es nicht mehr Andersdenkende, Andersglaubende, Anderslebende; dann gibt es nur Geschöpfe – Geschöpfe des einen Gottes.

 Vielleicht haben Sie es auch verfolgt: Das WDR-Weihnachtswunder. So viele Menschen, die in kaum vorstellbarer Weise kreativ wurden, um jenen zu helfen, deren Haut – buchstäblich – spröde, zerrissen, zerfetzt ist. Der mächtige Mann in Amerika, er streicht die Hilfe für die Welthungerhilfe, aber Jana, die Schülerin aus dem Kohlenpott schenkt 10€. Mich haben diese vielen kleinen Erzählungen tief berührt. Die Kleinen sind es, die die Welt retten; die vielen Kleinen.

 

 

Datum:
Mi. 24. Dez. 2025
Von:
Christoph Simonsen

Weihnachten 2025.

A Winter’s Tale (Queen mit Freddie Mercury).

 Seid alle von Herzen willkommen zur Feier in dieser Heiligen Nacht. Freddie Mercury hat uns mit dem Lied „A winter’s Tale“ – ein Wintermärchen - eingestimmt in diese Nacht. Wir sind eingeladen, die Träume der Welt in unser Herz aufzunehmen, sie zu bewahren und an ihrer Verwirklichung mitzuwirken.

 (Die Heilige Nacht und die Weihnachtstage sind erfüllt von dem großen Traum nach Frieden überall auf der Welt)

 Vielleicht nehmen wir uns zu Beginn einen kleinen Augenblick Zeit, um uns an einige der unzähligen Träume der Weltgemeinschaft zu erinnern und sie mit unseren Träumen zu verbinden. Wir feiern heute Abend nicht alleine; mit uns feiern auf der ganzen Welt Menschen, die sich wie wir sehnen nach Ruhe, nach Frieden, nach Eintracht, nach heilem Leben.

Hören wir zu Beginn, mit welchen Worten Freddie Mercury diese Weltträume zusammengefasst hat:

 Es ist Winter

Rote Sonnenuntergänge

Seemöwen fliegen hoch

Schwäne ziehen durchs Wasser

Kaminrauch steigt in den Himmel

 

Wir tragen die Träume der Welt im Herzen

Träumen an einem gemütlichen Kamin

Träumen ein wenig diesen faszinierenden Augenblick

träumen ein fröhliches Lachen

träumen, wie sanft Regen über das Gesicht perlt

träumen einen außergewöhnlichen Friedensort!

 

träumen so ruhig und friedlich

träumen still und selig

träumen eine Art von Magie in der Luft

träumen einen wunderbaren Augenblick

 

„Es ist unglaublich“ heißt es in dem Lied dann weiter. Ja, es ist unglaublich, was in dieser Heiligen Nacht damals geschehen ist.

 Die Welt damals ist nicht heiler gewesen, nicht gottesfürchtiger, nicht friedlicher. Aber einige Wesen waren ergriffen von dem, was da geschehen ist. Maria und Josef, die Hirten, sogar die Tiere.

 Doch, diese Nacht hat einen neuen, wunderbaren Anfang gesetzt. Wir dürfen uns heute Abend hineinversenken in diesen Anfang und uns ergreifen lassen. Wir dürfen träumen, wenn wir es denn noch können angesichts einer Wirklichkeit, in der zu träumen ein großes Wagnis ist.

 

Zur Begrüßung:

Öffne dich, Himmel,

und regne herab

Frieden und Gerechtigkeit

Freude und Kraft

Freundschaft und Liebe.

 

Öffne dich, Himmel,

und verschlinge

Leid und Tränen

Not und menschenverschuldeten Tod.

 

Besinnung:

Gott,  wir sind in deiner Gnade und du gibst dich in unsere Hände.

Wir dürfen leben in deiner neuen Welt und du willst leben in unserer Erbärmlichkeit.

Herr, erbarme dich…

 Lied: GL 242 Adeste fidelis mit

 Tagesgebet:

Gott, mit der Geburt Jesu kam eine Bewegung in die Welt, die Heil in einer unheilen Welt wirkt. Strecke deine Hand nach uns aus in allen Brüchen, Rissen und Scherben des Lebens dieser Tage. Gib, dass das Wort deiner Engel „Fürchte dich nicht!“ nicht ohne Resonanz bleibt bei uns allen. In dem Kind von Bethlehem erkennen wir, wer du bist und wer wir sind. Du bist die Liebe und wir sind für die Liebe erschaffen. Gott. Du weißt: Es braucht viel Mut in diesen Tagen. Wirke deine Wunder in der Nacht dieser Zeit. Gib uns den stillen Mut, dem Wort der Engel zu vertrauen: „Fürchte dich nicht!“

 

Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 9,1-6)

Das Volk, das in der Finsternis ging, / sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, / strahlte ein Licht auf. 2 Du mehrtest die Nation, / schenktest ihr große Freude. Man freute sich vor deinem Angesicht, / wie man sich freut bei der Ernte, / wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. 3 Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter, / den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian. 4 Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, / jeder Mantel, im Blut gewälzt, / wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. 5 Denn ein Kind wurde uns geboren, / ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. / Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, / Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. 6 Die große Herrschaft / und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, / es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, / von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen / wird das vollbringen. 

 Lied: 250,1-3 Engel auf den Feldern

 

Hören wir nun, wie der Evangelist Lukas uns in das Geheimnis der Weihnacht hineinführt (Lk 2,1-14)

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens. 

 Ansprache:

Love is a skin

That protects you

A warmth that spreads

From your fingertips

To your heart

                                   Brian Bilston

 

Dieses Gedicht von Brian Bilston kam mir letztens zufällig in die Finger:

 

Liebe ist eine Haut,

sie schützt dich.

Eine Wärme, die sich ausbreitet

Von deinen Fingerspitzen

Bis zu deinem Herzen.

 

Ich glaube, das wissen nicht alle: Unsere Haut ist unser größtes Organ. Sie fungiert als Schutzbarriere, als Sinnesorgan und als Temperaturregulator.

 Unsere Haut umgrenzt uns, ohne sie würden wir zerfließen, im wahrsten Sinn des Wortes auseinanderfallen. Unsere Haut umgibt uns wie ein Schutzmantel. Unsere Haut nimmt die zarte Berührung eines anderen wahr, aber auch die Schläge, die uns zugefügt werden.

 An unserer Haut lässt sich als erstes die Wärme der Sonne nieder aber auch der Frost des Winters. Ob es kalt ist um uns herum: Unsere Haut sagt es uns und unser Herz schlägt langsamer. Ob es warm ist um uns herum: Unsere Haut spürt es als erstes und das Herz blüht auf.

 Liebe ist wie eine Haut; sie schützt uns auch; sie wärmt uns; sie eint Körper und Seele. Wenn wir uns geliebt wissen, dann fühlen wir uns geborgen und sicher; wir fühlen uns gehalten und gestärkt. Wenn wir von einem liebenden Menschen berührt, umarmt werden, dann wird es warm in uns; dann schlägt unser Herz Purzelbäume.

 Gott ist die Liebe, so sagt es uns der Schreiber im 1. Johannesbrief. Es ist meines Wissens die einzige Umschreibung Gottes in der Heiligen Schrift, die so klar und unmissverständlich sein Wesen beschreibt. Gott ist die Liebe. Deshalb konnte er gar nicht anders; er musste seine Liebe in letzter Konsequenz zeigen. Und so ist er Mensch geworden mit Haut und Haar.

 Die Krippe in der Citykirche hat eine ungewöhnliche Besonderheit: Sie zeigt nur die Umrisse von Maria, Josef und dem Kind, sozusagen, die zarte, verletzliche Haut. Die Mönchengladbacher Künstlerin Maria Lehnen hat sie gestaltet.

 Gott liebt, wie kein Wesen sonst lieben könnte, wir können uns in seine Liebe hineinschmiegen; seine Liebe wie eine Haut um uns legen.

 

Die wenigsten wissen, dass unsere Haut drei Schichten hat: Die Epidermis (Oberhaut), die Dermis (Lederhaut) und die Subcuti (Unterhaut). Wir sind gleichsam dreifach geschützt: durch den Schöpfer, der uns ins Leben gerufen hat, den Sohn, der sich mit Haut und Haar mit uns solidarisiert hat und den Geist, der uns sensibilisiert für das Leben.

 Gott ist unsere Liebeshaut: in ihr – in ihm - können wir uns geborgen fühlen. Sie umhüllt uns – er umhüllt uns. Wie eine Liebeshaut legt er sich um uns.

Er ist unsere Schutzhaut, denn wir dürfen wissen, dass er auf unserer Seite steht.

Er ist unsere Himmelhaut, denn er hält uns bis hinein in die Ewigkeit.

 In seiner Menschwerdung offenbart er uns, dass wir für die Liebe geschaffen sind. Wir sind da, um geliebt zu werden - von ihm. Gott ist die Liebe. Er liebt, damit wir selbst zu Liebenden werden.

 Warum gelingt uns das so selten? Warum trauen wir der Liebe Gottes nicht? Wir bräuchten uns nur in sie hineinlegen. Aber wir tun es nicht.

 Ist das vermessen, wenn ich das so verallgemeinernd sage? Wir wären doch nicht hier, wenn uns daran nicht gelegen wäre.

 

Aber warum sieht dann die Welt so aus, wie sie ist: Zerstritten, zerrissen, im buchstäblichen Sinn zerfetzt? Liegt das auch mit an mir, an uns? Oder liegt es nur an den anderen: Den Andersglaubenden, den Anderslebenden, den Andersdenkenden?

 Ich denke, dieser Frage müssen wir uns stellen: Die Antwort wird uns herausfordern, im ersten Augenblick vielleicht sogar überfordern. Aber schon allein, wenn wir diese Frage in uns zulassen, werden wir der Beantwortung einen Schritt näher sein. Wir werden uns erinnern, dass es in der Weihnachtsbotschaft heißt: „Er kam in die Welt und die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Gott ist an der Welt gelegen. Wenn wir seiner Liebe trauen, dann können wir zu Weltliebenden werden, so wie er es geworden ist in seiner Menschwerdung; Gott ist an dieser Welt gelegen. Wenn wir ihm nacheifern, dann gibt es nicht mehr Andersdenkende, Andersglaubende, Anderslebende; dann gibt es nur Geschöpfe – Geschöpfe des einen Gottes.

 Vielleicht haben Sie es auch verfolgt: Das WDR-Weihnachtswunder. So viele Menschen, die in kaum vorstellbarer Weise kreativ wurden, um jenen zu helfen, deren Haut – buchstäblich – spröde, zerrissen, zerfetzt ist. Der mächtige Mann in Amerika, er streicht die Hilfe für die Welthungerhilfe, aber Jana, die Schülerin aus dem Kohlenpott schenkt 10€. Mich haben diese vielen kleinen Erzählungen tief berührt. Die Kleinen sind es, die die Welt retten; die vielen Kleinen.