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Ansprache zum Fest der Taufe Jesu

Ansprache zum Fest der Taufe Jesu 2026:

Balázs ist vor einiger Zeit Vater geworden. Ich habe Balázs in meiner Zeit als Hochschulpfarrer in Aachen kennenlernen dürfen. Seit dieser Zeit sind wir gut befreundet. Nun lebt er mit seiner Frau und dem kleinen Zuwachs wieder bei sich daheim in Ungarn. Nachdem ich ihm zu der Geburt seines Sohnes Ignac gratuliert habe, kam auch postwendend Antwort, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Aus jedem Wort dieser Mail sprang mir die Dankbarkeit und der Stolz des frisch gebackenen Vaters entgegen. Aber er schrieb auch von seinen Ängsten in seiner neuen Rolle als Vater und dass er sehr behutsam lernen müsse, zu verstehen, was der kleine Erdenmensch, der ja noch nicht sprechen kann, ihm in all den vielen nonverbalen Ausdrucksformen sagen wolle. Vater sein, will gelernt sein und Mutter sein natürlich auch.

Manchmal könnte er ungeduldig werden, weil Ignac eben immer genau dann seine Bedürfnisse anmelden würde, wenn es so gar nicht in seinen Zeitkram passen würde.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Maria und Josef ähnlich gefühlt haben wie Balász. Wir dürfen nicht vergessen, die beiden waren sehr jung und es waren ganz normale Eltern. Dass sie heute auf einen heiligen Sockel gestellt werden, kann diese nüchterne Realität nicht vergessen machen, dass diese beiden viel zu jungen Menschen in der Verantwortung standen, ein Kind zu erziehen.

Gestern durfte ich gemeinsam mit ihrem Bruder Carlo und der ganzen Familie Lilly taufen. Natürlich war Lilly der Mittelpunkt und das hat sie auch ausgiebig genossen; sie hat es sichtlich genossen, mit den kleinen Händchen im Taufwasser zu planschen und ich musste aufpassen, dass sie sich nicht selbst tauft, so begierig war sie, mit dem Wasser zu spielen. Gott tut das Seine in der Taufe; aber er kann es doch nur tun mit der Hilfe der Familie, mit den Eltern, Geschwistern, Paten, den Großeltern und Tanten und Onkeln. Sie sind es doch, die Lilly von diesem Gott erzählen sollen; ohne sie würde sie – Taufe hin oder her – nichts von diesem liebenden Gott erfahren. Sie sind es, die Lilly von der Würde erzählen sollen, die ihr in der Taufe zugesprochen wird, von der Verantwortung, die damit verbunden ist.

Mich hat diese Mail von Balázs zum Nachdenken darüber gebracht, dass wir alle ja irgendwie immer erziehen, gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst. Schon in diesem Augenblick, wo ich meine Gedanken mit Euch teile, bemühe ich mich ja, etwas zu vermitteln von dem, was mich bewegt, was mir wichtig ist und ich hoffe und wünsche, dass es dann auch etwas mit Euch macht.

Jede Form, Glauben und Leben zu teilen ist auch eine gewisse Form von Beeinflussung. Jeden Tag erziehen wir einander, ohne dass wir dies direkt so nennen würden. Erziehen und Einfluss nehmen, das geht immer Hand in Hand.

Da wundert es nicht, dass Balázs, der unerfahrene Vater, Angst hat und sich sorgt, dass seine Erziehung auch zum Schaden seines Kindes werden könnte. Eine Erziehung einseitig von oben nach unten verfestigt bestehende Abhängigkeiten. Balázs liebt Ignac von ganzem Herzen; Liebe aber führt in die Freiheit und verabscheut Fesseln und Ketten. Wie diesem Dilemma entkommen: Verantwortung für einen anderen übernehmen und in die Freiheit begleiten?

Maria und Josef müssen wohl trotz ihrer Jugendlichkeit etwas richtig gemacht haben, denn schon früh zeigt sich, dass ihr Kind einen eigenen Willen hat und auch in der Lage ist, davon Gebrauch zu machen. Und die Eltern tragen es mit, wenn es auch manchmal schwer fällt.

In der letzten Zeit werden wir nun zunehmend damit konfrontiert, dass Superreiche unser gesellschaftliches Miteinander zu bestimmen versuchen. Nicht Werte, sondern Geld regiert heute unsere Welt. Das vorrangige Ziel politischen Handelns ist es, Besitzstände zu wahren

und zu mehren, auf welche Kosten auch immer. Immer mehr zeigt sich, dass Leidtragende die Schutzbedürftigen und Schutzsuchenden Menschen sind. Der Erziehungsgehalt politischen Handelns bleibt nicht ohne Konsequenzen. Trump und Co machen es vor; wenn die das so machen, warum sollten wir es nicht auch versuchen: Das eigene Ich über alles zu stellen; die eigenen Bedürfnisse auf Teufel komm raus befriedigen auf Kosten anderer, aber was soll`s.

Wenn dann noch der christliche Glaube als Begründung dafür herhalten muss (und das geschieht in einem gefährlichen Ausmaß gerade nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika), dann müssen alle Alarmglocken angehen, da doch das Geheimnis Gottes in einer erbärmlichen Weise vereinfacht und in seinem Sinn verkehrt wird.

Maria und Josef könnten glaube ich gute Vorbilder sein für die Vielen, die heute die Geschicke der Welt lenken, denn sie haben ihren Sohn zu einem frei Denkenden Menschen erzogen und als Richtschnur des Handelns ein würdevolles Menschsein angelegt.

Gott wurde Mensch und unterwarf sich den Regeln des Lebens.
Gott wollte und will Einfluss nehmen, aber nicht, indem er seinen Einfluss geltend machte, sondern indem er den Einflusslosen Maß und Bedeutung zusprach. Gerade auf diese Weise ist Gott seiner Verantwortung als Gott nachgekommen. Er wurde Mensch, er unterstellte sich den Gebräuchen und Riten der Menschen, indem er sich taufen ließ, er entäußerte sich, gab sich selbst auf- und gerade so schenkte er allen den Himmel, schenkte er allen Zukunft.

Maria und Josef haben viel richtig gemacht; insofern könnten sie heute für Viele Vorbild sein, jenseits aller Heiligenlegenden, die zu wenig berücksichtigen, dass Maria und Josef einfache junge Eltern waren – so wie Balázs.

Datum:
So. 11. Jan. 2026
Von:
Christoph Simonsen

Ansprache zum Fest der Taufe Jesu 2026:

Balázs ist vor einiger Zeit Vater geworden. Ich habe Balázs in meiner Zeit als Hochschulpfarrer in Aachen kennenlernen dürfen. Seit dieser Zeit sind wir gut befreundet. Nun lebt er mit seiner Frau und dem kleinen Zuwachs wieder bei sich daheim in Ungarn. Nachdem ich ihm zu der Geburt seines Sohnes Ignac gratuliert habe, kam auch postwendend Antwort, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe. Aus jedem Wort dieser Mail sprang mir die Dankbarkeit und der Stolz des frisch gebackenen Vaters entgegen. Aber er schrieb auch von seinen Ängsten in seiner neuen Rolle als Vater und dass er sehr behutsam lernen müsse, zu verstehen, was der kleine Erdenmensch, der ja noch nicht sprechen kann, ihm in all den vielen nonverbalen Ausdrucksformen sagen wolle. Vater sein, will gelernt sein und Mutter sein natürlich auch.

Manchmal könnte er ungeduldig werden, weil Ignac eben immer genau dann seine Bedürfnisse anmelden würde, wenn es so gar nicht in seinen Zeitkram passen würde.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Maria und Josef ähnlich gefühlt haben wie Balász. Wir dürfen nicht vergessen, die beiden waren sehr jung und es waren ganz normale Eltern. Dass sie heute auf einen heiligen Sockel gestellt werden, kann diese nüchterne Realität nicht vergessen machen, dass diese beiden viel zu jungen Menschen in der Verantwortung standen, ein Kind zu erziehen.

Gestern durfte ich gemeinsam mit ihrem Bruder Carlo und der ganzen Familie Lilly taufen. Natürlich war Lilly der Mittelpunkt und das hat sie auch ausgiebig genossen; sie hat es sichtlich genossen, mit den kleinen Händchen im Taufwasser zu planschen und ich musste aufpassen, dass sie sich nicht selbst tauft, so begierig war sie, mit dem Wasser zu spielen. Gott tut das Seine in der Taufe; aber er kann es doch nur tun mit der Hilfe der Familie, mit den Eltern, Geschwistern, Paten, den Großeltern und Tanten und Onkeln. Sie sind es doch, die Lilly von diesem Gott erzählen sollen; ohne sie würde sie – Taufe hin oder her – nichts von diesem liebenden Gott erfahren. Sie sind es, die Lilly von der Würde erzählen sollen, die ihr in der Taufe zugesprochen wird, von der Verantwortung, die damit verbunden ist.

Mich hat diese Mail von Balázs zum Nachdenken darüber gebracht, dass wir alle ja irgendwie immer erziehen, gewollt oder ungewollt, bewusst oder unbewusst. Schon in diesem Augenblick, wo ich meine Gedanken mit Euch teile, bemühe ich mich ja, etwas zu vermitteln von dem, was mich bewegt, was mir wichtig ist und ich hoffe und wünsche, dass es dann auch etwas mit Euch macht.

Jede Form, Glauben und Leben zu teilen ist auch eine gewisse Form von Beeinflussung. Jeden Tag erziehen wir einander, ohne dass wir dies direkt so nennen würden. Erziehen und Einfluss nehmen, das geht immer Hand in Hand.

Da wundert es nicht, dass Balázs, der unerfahrene Vater, Angst hat und sich sorgt, dass seine Erziehung auch zum Schaden seines Kindes werden könnte. Eine Erziehung einseitig von oben nach unten verfestigt bestehende Abhängigkeiten. Balázs liebt Ignac von ganzem Herzen; Liebe aber führt in die Freiheit und verabscheut Fesseln und Ketten. Wie diesem Dilemma entkommen: Verantwortung für einen anderen übernehmen und in die Freiheit begleiten?

Maria und Josef müssen wohl trotz ihrer Jugendlichkeit etwas richtig gemacht haben, denn schon früh zeigt sich, dass ihr Kind einen eigenen Willen hat und auch in der Lage ist, davon Gebrauch zu machen. Und die Eltern tragen es mit, wenn es auch manchmal schwer fällt.

In der letzten Zeit werden wir nun zunehmend damit konfrontiert, dass Superreiche unser gesellschaftliches Miteinander zu bestimmen versuchen. Nicht Werte, sondern Geld regiert heute unsere Welt. Das vorrangige Ziel politischen Handelns ist es, Besitzstände zu wahren

und zu mehren, auf welche Kosten auch immer. Immer mehr zeigt sich, dass Leidtragende die Schutzbedürftigen und Schutzsuchenden Menschen sind. Der Erziehungsgehalt politischen Handelns bleibt nicht ohne Konsequenzen. Trump und Co machen es vor; wenn die das so machen, warum sollten wir es nicht auch versuchen: Das eigene Ich über alles zu stellen; die eigenen Bedürfnisse auf Teufel komm raus befriedigen auf Kosten anderer, aber was soll`s.

Wenn dann noch der christliche Glaube als Begründung dafür herhalten muss (und das geschieht in einem gefährlichen Ausmaß gerade nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika), dann müssen alle Alarmglocken angehen, da doch das Geheimnis Gottes in einer erbärmlichen Weise vereinfacht und in seinem Sinn verkehrt wird.

Maria und Josef könnten glaube ich gute Vorbilder sein für die Vielen, die heute die Geschicke der Welt lenken, denn sie haben ihren Sohn zu einem frei Denkenden Menschen erzogen und als Richtschnur des Handelns ein würdevolles Menschsein angelegt.

Gott wurde Mensch und unterwarf sich den Regeln des Lebens.
Gott wollte und will Einfluss nehmen, aber nicht, indem er seinen Einfluss geltend machte, sondern indem er den Einflusslosen Maß und Bedeutung zusprach. Gerade auf diese Weise ist Gott seiner Verantwortung als Gott nachgekommen. Er wurde Mensch, er unterstellte sich den Gebräuchen und Riten der Menschen, indem er sich taufen ließ, er entäußerte sich, gab sich selbst auf- und gerade so schenkte er allen den Himmel, schenkte er allen Zukunft.

Maria und Josef haben viel richtig gemacht; insofern könnten sie heute für Viele Vorbild sein, jenseits aller Heiligenlegenden, die zu wenig berücksichtigen, dass Maria und Josef einfache junge Eltern waren – so wie Balázs.