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Ansprache zum 5. Sonntag im Jahreskreis (A)

Ansprache zum 5. Sonntag im Jahreskreis A-2026:

Versuch‘ s mal mit Gemütlichkeit! Balu aus dem Dschungelbuch kennen sicher noch viele von uns. Wenn ich mir den Slogan des Liedes von Balu als Grundgedanken für meine heutigen Gedanken zu den Bibeltexten zu eigen mache, dann halten mich sicher einige von Ihnen für verrückt. Aber es liegt mir völlig fern, die Worte der heiligen Schrift zu bagatellisieren.

 

Ich möchte Sie aber sehr wohl auf einen Dreiklang des Wortes aufmerksam machen, der sich mir aufgetan hat, als ich letztens mal wieder dieses Lied aus dem Dschungelbuch vor mich hin gesummt habe: Gemütlichkeit-Gemüt-Mut.

 

Wenn wir das Wort ‚gemütlich‘ hören, dann denken nicht wenige fälschlicherweise an faulenzen, Füße hochlegen, Bierchen trinken, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, die Welt hinter sich lassen, oder was auch immer. Aber das Stammwort, das sich in dem Begriff ‚Gemütlichkeit‘ verbirgt, ist ‚Gemüt‘. Und ‚Gemüt‘ wiederum hat was mit Mut zu tun und zwar mit einem Mut, der nicht einer Willenskraft entspringt, sondern einer ganz persönlichen Überzeugung.

 

Gottlieb Fichte, ein Literat und Philosoph der an der Wende vom 18. Zum 19. Jahrhundert gelebt hat, hält das Gemüt für die ungeteilte, reine Mitte unserer Persönlichkeit. Wer ein reines Gemüt hat, wie man umgangssprachlich ja manchmal so sagt, der lebt aus einer Mitte, oder klarer, aus seiner Mitte. Wer aus solch einer Mitte lebt, den haut so schnell nichts um:

 

Gerade unsere verrückten Zeiten, die Weltszenarien der Angst und Verrohung zeichnen, machen es doch unendlich schwer, gemütlich zu bleiben, unserem Gemüt Vertrauen zu schenken und Mut zu zeigen, weil wir uns so hilflos fühlen angesichts der Übermacht der Mächtigen. Die Macht der einen scheint uns in die Ohnmacht zu drängen.

 

 

Wie also kann ich diese Mitte finden, wie kann ich mich finden und all das Kraftvolle, das in mir lebt?

 

Wie kann ich meine Mitte finden, die mir ein Zuhause schenkt, Ruhe und Gelassenheit, so dass ich mich frei fühlen darf und wirklich aus mir heraus rede, handele, lebe? Denn wenn ich aus mir heraus lebe, dann bin ich wirklich ich. Und wenn ich ‚ich selbst‘ bin, dann kann ich ruhig, gelassen auf alles schauen, was um mich herum geschieht.

 

Wenn ich ‚ich selbst‘ bin,  wenn mein Gemüt mir eine Gemütsruhe schenkt, dann kann ich reden und handeln, und dann erkenne ich meine Stärken.

 

Wie kann ich diese Mitte finden, dieses Gemüt? Indem ich mich dessen erinnere, was Jesus seinen Freundinnen und Freunden damals gesagt hat und es auf mich übertrage: ‚Ich bin Salz und Licht‘. Ich muss es nicht erst werden, ich bin es. Ich bin Geschmack für andere; ich habe eine Leuchtkraft, die die Welt hell macht. Das muss ich mir nicht aneignen, verdienen, erarbeiten, das bin ich. Und ich bin es, weil es mir der beste Mensch zuspricht, den es gibt, der Sohn Gottes. Gott spricht es mir zu.

 

Ich bin Geschmack, ich bin Leuchtkraft, nicht weil ich glänzende Reden halten kann, nicht weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, sondern weil mir die Gabe von Gott geschenkt wurde, ‚ich‘ sein zu dürfen und seine Kraft in mir ist. Nicht die Klugheit, die ich mir angeeignet habe, macht mich zu dem, der ich bin, sondern der gute Geist Gottes, der wirklich in mir lebt, schenkt mir den Grund meines ‚ich‘.

 

Da bewundere ich die Menschen, die sich solidarisieren mit den Geknechteten im Iran; die Menschen, die hier bei uns Kleidung Spenden und Kerzen sammeln für die frierenden Menschen in der Ukraine, die ihre Geldbörse öffnen für die Obdachlosen in unserer Stadt. Dies alles unaufgeregt, aber in einer überzeugenden Klarheit.

 

Dieser Gott, dieser gute Geist schenkt uns alles Selbstbewusstsein , das wir zum Leben brauchen. Dieses geschenkte Selbstbewusstsein trägt alle notwendige Kraft in sich, dem Leben zu trauen, auch in unseren Tagen und gelassen zu summen: „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“.

 

 

Datum:
So. 8. Feb. 2026
Von:
Christoph Simonsen

Ansprache zum 5. Sonntag im Jahreskreis A-2026:

Versuch‘ s mal mit Gemütlichkeit! Balu aus dem Dschungelbuch kennen sicher noch viele von uns. Wenn ich mir den Slogan des Liedes von Balu als Grundgedanken für meine heutigen Gedanken zu den Bibeltexten zu eigen mache, dann halten mich sicher einige von Ihnen für verrückt. Aber es liegt mir völlig fern, die Worte der heiligen Schrift zu bagatellisieren.

 

Ich möchte Sie aber sehr wohl auf einen Dreiklang des Wortes aufmerksam machen, der sich mir aufgetan hat, als ich letztens mal wieder dieses Lied aus dem Dschungelbuch vor mich hin gesummt habe: Gemütlichkeit-Gemüt-Mut.

 

Wenn wir das Wort ‚gemütlich‘ hören, dann denken nicht wenige fälschlicherweise an faulenzen, Füße hochlegen, Bierchen trinken, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, die Welt hinter sich lassen, oder was auch immer. Aber das Stammwort, das sich in dem Begriff ‚Gemütlichkeit‘ verbirgt, ist ‚Gemüt‘. Und ‚Gemüt‘ wiederum hat was mit Mut zu tun und zwar mit einem Mut, der nicht einer Willenskraft entspringt, sondern einer ganz persönlichen Überzeugung.

 

Gottlieb Fichte, ein Literat und Philosoph der an der Wende vom 18. Zum 19. Jahrhundert gelebt hat, hält das Gemüt für die ungeteilte, reine Mitte unserer Persönlichkeit. Wer ein reines Gemüt hat, wie man umgangssprachlich ja manchmal so sagt, der lebt aus einer Mitte, oder klarer, aus seiner Mitte. Wer aus solch einer Mitte lebt, den haut so schnell nichts um:

 

Gerade unsere verrückten Zeiten, die Weltszenarien der Angst und Verrohung zeichnen, machen es doch unendlich schwer, gemütlich zu bleiben, unserem Gemüt Vertrauen zu schenken und Mut zu zeigen, weil wir uns so hilflos fühlen angesichts der Übermacht der Mächtigen. Die Macht der einen scheint uns in die Ohnmacht zu drängen.

 

 

Wie also kann ich diese Mitte finden, wie kann ich mich finden und all das Kraftvolle, das in mir lebt?

 

Wie kann ich meine Mitte finden, die mir ein Zuhause schenkt, Ruhe und Gelassenheit, so dass ich mich frei fühlen darf und wirklich aus mir heraus rede, handele, lebe? Denn wenn ich aus mir heraus lebe, dann bin ich wirklich ich. Und wenn ich ‚ich selbst‘ bin, dann kann ich ruhig, gelassen auf alles schauen, was um mich herum geschieht.

 

Wenn ich ‚ich selbst‘ bin,  wenn mein Gemüt mir eine Gemütsruhe schenkt, dann kann ich reden und handeln, und dann erkenne ich meine Stärken.

 

Wie kann ich diese Mitte finden, dieses Gemüt? Indem ich mich dessen erinnere, was Jesus seinen Freundinnen und Freunden damals gesagt hat und es auf mich übertrage: ‚Ich bin Salz und Licht‘. Ich muss es nicht erst werden, ich bin es. Ich bin Geschmack für andere; ich habe eine Leuchtkraft, die die Welt hell macht. Das muss ich mir nicht aneignen, verdienen, erarbeiten, das bin ich. Und ich bin es, weil es mir der beste Mensch zuspricht, den es gibt, der Sohn Gottes. Gott spricht es mir zu.

 

Ich bin Geschmack, ich bin Leuchtkraft, nicht weil ich glänzende Reden halten kann, nicht weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, sondern weil mir die Gabe von Gott geschenkt wurde, ‚ich‘ sein zu dürfen und seine Kraft in mir ist. Nicht die Klugheit, die ich mir angeeignet habe, macht mich zu dem, der ich bin, sondern der gute Geist Gottes, der wirklich in mir lebt, schenkt mir den Grund meines ‚ich‘.

 

Da bewundere ich die Menschen, die sich solidarisieren mit den Geknechteten im Iran; die Menschen, die hier bei uns Kleidung Spenden und Kerzen sammeln für die frierenden Menschen in der Ukraine, die ihre Geldbörse öffnen für die Obdachlosen in unserer Stadt. Dies alles unaufgeregt, aber in einer überzeugenden Klarheit.

 

Dieser Gott, dieser gute Geist schenkt uns alles Selbstbewusstsein , das wir zum Leben brauchen. Dieses geschenkte Selbstbewusstsein trägt alle notwendige Kraft in sich, dem Leben zu trauen, auch in unseren Tagen und gelassen zu summen: „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“.