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Ansprache zum 4. Adventssonntag 2025

Ansprache 4. Advent 2025:

Wir spüren es in unserer Zeit vielleicht mehr als in früheren Zeiten: Das Leben ist kompliziert. Einfache, plakative Antworten helfen wenig.

Das Miteinander von Mensch zu Mensch, auch das Miteinander zwischen Mensch und Natur ist komplizierter und vielschichtiger als noch vor 20 Jahren noch. Das liegt an vielen Faktoren: Der Wissensstand ist umfangreicher als noch vor 20 Jahren z.B. und die Menschen sind informierter als früher. Aber je komplizierter das Leben wird, ums so größer ist die Versuchung, auf die Fragen des Lebens einfache Antworten zu geben. Das erleben wir im Augenblick tagtäglich. Und das schlägt sich auch in unserer Sprache wieder, die immer hektischer, roher und verletzender wird.

 

Ich kenne allerdings einen Menschen, dessen Sprache war so ermutigend und zärtlich, ja nahezu zeitlos, dass ich gerne heute an ihn erinnere. Klaus Hemmerle, unser verstorbener Bischof hat mit seiner Sprache Menschen in gleicher Weise verzaubert, wie auch aufgerüttelt.

 

Mit seiner Hilfe möchte ich mich zusammen mit Ihnen auf das wunderschöne und zugleich auch aufschreckende Fest der Weihnacht vorbereiten Der vierte Advent deutet an, dass die Heilige Nacht nahe ist. Es deutet sich an, dass sich bald etwas ganz Wesentliches ändern wird auf unserer Erde. Wenn das Fest der Weihnacht nichts verändern würde in unserem Leben, dann wäre es überflüssig.

 

Was das bedeutet, das möchte ich mit Ihnen mit der Hilfe eines kleinen Gedichtes von Klaus Hemmerle bedenken:

 

„Die Kirche verschlossen,

der Muezzin weggegangen.

Ein kleiner Junge führt ihn zu uns.

 

Wie wir den himmlisch irdischen Raum

der Moschee gewordenen Kirche verlassen,

wartet vor der Tür der Junge.

Er hat für jeden von uns

eine Blume gepflückt.

Wo ist der Himmel?

Drinnen oder draußen?

 

Ich wünsche uns das Kind,

das uns den Schlüssel für drinnen

und die Blume für draußen schenkt.

 

Ich wünsche uns das Kind,

dass wir den Himmel finden

und den Himmel geben.“

 

Jetzt frage ich Sie: Welches Kind meint Klaus Hemmerle wohl? Und wo können wir es finden? Der erste Gedanke: er meint natürlich das Jesuskind; und wir finden es in der Krippe in unseren Kirchen, in unseren Wohnungen.

Klaus Hemmerle genügt das nicht. Er fragt: Warum suchen wir es nicht auch bei den anderen, bei den Fremden, bei denen, die manche sogar "die Gottlosen" nennen, weil sie Gott in ihrer Tradition suchen und nicht in der unseren? Dieses schreckliche Attentat in Sydney in der vergangenen Woche, bei dem 15 Menschen getötet und weitaus mehr verletzt wurden von zwei rassistischen Muslimen: ist sie nicht Indiz dafür, wie furchterregend und zerstörerisch Menschen sein können, die von ihrem Glauben in einer Weise gefangen sind, dass sie blind werden für die Schönheit anderer Glaubensüberzeugungen?

Trotz, oder gerade wegen solcher zerstörerischer Selbstüberschätzung einzelner Menschen, die ihren Glauben verabsolutieren lädt Klaus Hemmerle uns in diesem Gedicht ein, uns eine innere Offenheit zu bewahren, Gott dort zu begegnen, wo wir ihn nicht vermuten, ja vielleicht sogar bisher ausgeschlossen haben. Gott lässt sich nicht einschließen in unsere Kirchen, in unsere Konfessionen, in unseren Glauben.

Gott ist weiter und menschlicher als all unser Kirchturmdenken. Nicht in der Krippe werden wir ihn finden, sondern in der Welt. Aber auch wir aufgeklärten Christ*innen sollten uns vor Augen halten: auch ein liberaler Glaube kann einrosten und zum Selbstzweck verkommen, wenn keine neuen Denk- und Lebensanstöße mehr von außen nach innen durchdringen. Das Fest, auf das wir zugehen, ist kein Fest der Beschaulichkeit; Menschwerdung Gottes ist nicht ein Idyll, sondern ein Skandal. So beginnt ein weiteres Gedicht von Klaus Hemmerle:

 

„Menschwerdung Gottes

ist nicht ein Idyll,

sondern ein Skandal:

Gott begegnet uns

in der Niedrigkeit eines Kindes.“

 

 

 

Datum:
So. 21. Dez. 2025
Von:
Christoph Simonsen

Ansprache 4. Advent 2025:

Wir spüren es in unserer Zeit vielleicht mehr als in früheren Zeiten: Das Leben ist kompliziert. Einfache, plakative Antworten helfen wenig.

Das Miteinander von Mensch zu Mensch, auch das Miteinander zwischen Mensch und Natur ist komplizierter und vielschichtiger als noch vor 20 Jahren noch. Das liegt an vielen Faktoren: Der Wissensstand ist umfangreicher als noch vor 20 Jahren z.B. und die Menschen sind informierter als früher. Aber je komplizierter das Leben wird, ums so größer ist die Versuchung, auf die Fragen des Lebens einfache Antworten zu geben. Das erleben wir im Augenblick tagtäglich. Und das schlägt sich auch in unserer Sprache wieder, die immer hektischer, roher und verletzender wird.

 

Ich kenne allerdings einen Menschen, dessen Sprache war so ermutigend und zärtlich, ja nahezu zeitlos, dass ich gerne heute an ihn erinnere. Klaus Hemmerle, unser verstorbener Bischof hat mit seiner Sprache Menschen in gleicher Weise verzaubert, wie auch aufgerüttelt.

 

Mit seiner Hilfe möchte ich mich zusammen mit Ihnen auf das wunderschöne und zugleich auch aufschreckende Fest der Weihnacht vorbereiten Der vierte Advent deutet an, dass die Heilige Nacht nahe ist. Es deutet sich an, dass sich bald etwas ganz Wesentliches ändern wird auf unserer Erde. Wenn das Fest der Weihnacht nichts verändern würde in unserem Leben, dann wäre es überflüssig.

 

Was das bedeutet, das möchte ich mit Ihnen mit der Hilfe eines kleinen Gedichtes von Klaus Hemmerle bedenken:

 

„Die Kirche verschlossen,

der Muezzin weggegangen.

Ein kleiner Junge führt ihn zu uns.

 

Wie wir den himmlisch irdischen Raum

der Moschee gewordenen Kirche verlassen,

wartet vor der Tür der Junge.

Er hat für jeden von uns

eine Blume gepflückt.

Wo ist der Himmel?

Drinnen oder draußen?

 

Ich wünsche uns das Kind,

das uns den Schlüssel für drinnen

und die Blume für draußen schenkt.

 

Ich wünsche uns das Kind,

dass wir den Himmel finden

und den Himmel geben.“

 

Jetzt frage ich Sie: Welches Kind meint Klaus Hemmerle wohl? Und wo können wir es finden? Der erste Gedanke: er meint natürlich das Jesuskind; und wir finden es in der Krippe in unseren Kirchen, in unseren Wohnungen.

Klaus Hemmerle genügt das nicht. Er fragt: Warum suchen wir es nicht auch bei den anderen, bei den Fremden, bei denen, die manche sogar "die Gottlosen" nennen, weil sie Gott in ihrer Tradition suchen und nicht in der unseren? Dieses schreckliche Attentat in Sydney in der vergangenen Woche, bei dem 15 Menschen getötet und weitaus mehr verletzt wurden von zwei rassistischen Muslimen: ist sie nicht Indiz dafür, wie furchterregend und zerstörerisch Menschen sein können, die von ihrem Glauben in einer Weise gefangen sind, dass sie blind werden für die Schönheit anderer Glaubensüberzeugungen?

Trotz, oder gerade wegen solcher zerstörerischer Selbstüberschätzung einzelner Menschen, die ihren Glauben verabsolutieren lädt Klaus Hemmerle uns in diesem Gedicht ein, uns eine innere Offenheit zu bewahren, Gott dort zu begegnen, wo wir ihn nicht vermuten, ja vielleicht sogar bisher ausgeschlossen haben. Gott lässt sich nicht einschließen in unsere Kirchen, in unsere Konfessionen, in unseren Glauben.

Gott ist weiter und menschlicher als all unser Kirchturmdenken. Nicht in der Krippe werden wir ihn finden, sondern in der Welt. Aber auch wir aufgeklärten Christ*innen sollten uns vor Augen halten: auch ein liberaler Glaube kann einrosten und zum Selbstzweck verkommen, wenn keine neuen Denk- und Lebensanstöße mehr von außen nach innen durchdringen. Das Fest, auf das wir zugehen, ist kein Fest der Beschaulichkeit; Menschwerdung Gottes ist nicht ein Idyll, sondern ein Skandal. So beginnt ein weiteres Gedicht von Klaus Hemmerle:

 

„Menschwerdung Gottes

ist nicht ein Idyll,

sondern ein Skandal:

Gott begegnet uns

in der Niedrigkeit eines Kindes.“