Gedenken an Malte

ck im Regenbogen_C_S (c) Chr. Simonsen
Datum:
Fr. 2. Sep. 2022
Von:
Christoph Simonsen

Heute wurde in Münster unter großer Anteilnahme des getöteten Transmannes Malte gedacht, der in der vergangenen Woche im Rahmen des CSD in Münster überfallen wurde, als er zwei Frauen beschützen wollte, die angepöbelt wurden. Im Krankenhaus ist Malte später gestorben. Die Ansprache von Jan an diesem Freitag dankt dem Münsteraner Bischof Genn für seine Anteilnahme, mahnt aber auch ein gesamtkirchliches Umdenken an. Mich hat diese solidarische Rede sehr bewegt. Am nächsten Gottesdienst unterm Regenbogen am 11. September um 20h in der Citykirche Mönchengladbach wollen wir Malte und seiner Angehörigen in besonderer Weise gedenken.

Der 23. Juli ist für mich ein besonderes Datum; an diesem Tag vor einem Jahr starb  Vince, mein Hund, der mich 8 Jahre treu begleitet hat. Auch nach einem Jahr vermisse ich ihn noch.

Damals, vor einem Jahr, habe ich seinen toten Körper aus der Tierklinik abgeholt; die große OP hat er leider nicht überstanden. Morgens schon vor 7.00 Uhr rief mich die Tierärztin an und teilte mir mit trauriger Stimme mit, dass er die Nacht nicht überstanden hätte. Ich war verwirrt und ratlos und stöhnte laut auf. Was mir in besonderer Weise auffiel, dass auch die Ärztin am anderen Ende der Leitung schluchzte.

Ich hab lange genug selbst in Krankenhäusern als Seelsorger gearbeitet und die oberste Devise der Pflegekräfte und erst recht der Ärzte war, ihre Arbeit aus einer inneren Distanz heraus zu tätigen. Sicher mit einem ehrlichen Mitgefühl, aber auch mit einer gewissen Nüchternheit, um nicht selbst aufgefressen zu werden von den immer wiederkehrenden Emotionen, die Krankheit, Leid und Tod hervorrufen.

Und nun weinten wir beide, die Tierärztin und ich, gemeinsam durchs Telefon und trauerten um einen Hund, der gestorben ist. Die Frau, die meinen Vince überhaupt nicht kannte, weinte ebenso wie ich, dem der Hund Freund und Wegbegleiter gewesen ist. Mich haben ihre Tränen gerührt und getröstet. Und gestärkt hat mich das Mitgefühl dieser für mich auch fremden Person; gestärkt in der Gewissheit, dass die Freundschaft zu einem Tier etwas ganz besonderes ist, das Menschen bewegt.

Loriot wird die Weisheit zugesprochen: „Ein Leben ohne Hund (Mops) ist möglich, aber sinnlos“. So humorvoll übertrieben dieser Gedanke auch sein mag, ein Funke Wahrheit steckt ganz sicher darin. Ich habe so viel von Vince gelernt: Dass ein treuer Blick einen herzerweichen kann; dass zu spielen ein Lebenselixier ist; dass sich Traurigkeit in einem Gesichtszug zeigen kann, auch wenn kein Wort gesprochen ist; dass Freundschaft abhängig macht, ich aber diese Abhängigkeit nicht einen Tag bereue; dass jedes Tier ein Gottesgeschöpf ist und mich die Achtung vor Gott und dem Leben jeden Tag neu lehrt; dass jeder Tag einen Rhythmus braucht und doch immer wieder anders ist; dass Dankbarkeit das höchste Gut ist, was man einander schenken kann.

Vince ist in meinem Garten begraben und ja: ich werde heute einen Blumenstrauß an seinem Grab niederlegen. Das mag sentimental erscheinen; mir ist es ein Herzensanliegen.

Euer

Christoph