GALERIA KARSTADT KAUFHOF GmbH

Geschäftsmodell aus reiner Profitgier - zum Nachteil der Beschäftigten und der Kommunen

Galeria Kaufhof 194232_web_R_K_B_by_Uta Herbert_pixelio.de (c) Pixelio / Uta Herbert
Datum:
Fr. 31. März 2023
Von:
Büro der Regionen Mönchengladbach

 

 

 

 

 

 

Stellungnahme der katholischen Kirche in der Region Mönchengladbach, der Stiftung Volksverein Mönchengladbach und der Betriebsseelsorge im Bistum Aachen zur Solidarisierung mit den Beschäftigten der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH angesichts von Filialschließungen und Massenentlassungen

 

 

 

Im Jahr 2013 erwarb der jetzige Eigentümer von Galeria Kaufhof und Karstadt, Rene Benko, die Warenhäuser für den symbolischen Betrag von einem Euro. Kurz danach trennte er den Betrieb der Warenhäuser von den Immobilien, die in bester Lage in vielen Klein- und Großstädten unseres Landes angesiedelt sind. Die Warenhäuser Galeria Kaufhof mussten dann diese Immobilien zu äußerst hohen Preisen von der neu gegründeten Immobilienfirma des gleichen Eigentümers wieder anmieten. Im aktuell laufenden Schutzschirmverfahren wurden angeblich diese hohen Mietkosten mit eingepreist (aus: #REVOLTEonline:https://revolte.online/lobby-skandale/rene-benko/ - Vgl. der Freitag: Karstadt-Investor René Benko: Der Reiz der Rackets, Ausgabe 47/2022).

Auch wenn die hohen Mietzahlungen jetzt aus dem Schutzschirmverfahren herausgenommen wurden, werden 52 lukrative Immobilien, in zentraler Lage, und zu einem Euro erworben, nun teuer weitervermietet. So in Mönchengladbach und in anderen Städten unseres Landes. Daher geht es bei den Schließungen und Massenentlassungen nicht nur um die Frage, ob der stationäre Handel noch zukunftsfähig ist, sondern auch um das Thema Profitmaximierung. Es darf nicht sein, dass hunderte Millionen Euro Rettungsgelder nicht nur in die angebliche Arbeitsplatzsicherung, sondern in den Vermögensaufbau eines Superreichen gesteckt wurde und werden.

Zu leiden haben die zumeist prekär Beschäftigten, die ebenfalls schon ihren finanziellen Beitrag zur Rettung der Warenhäuser geleistet haben und die dem Unternehmen jahre- bis jahrzehntelang die Treue als Arbeitnehmer*innen gehalten haben.

 

Als Katholische Kirche in der Region Mönchengladbach, als Stiftung Volksverein und als Betriebsseelsorge im Bistum Aachen verfolgen wir intensiv diese Entwicklungen. Seit dem Kahlschlag am Montag den 13.März 2023 sehen wir nicht nur Schlagzeilen, sondern überall Tränen, Erschöpfung, entwertete Arbeit, Wut und existenzielle Sorgen. Es sind vorrangig Frauen, die nicht nur ihre Existenzgrundlage verlieren, sondern sich um die Abwicklung kümmern und die bestehenden Häuser am Laufen halten müssen.

Sie alle geraten unverschuldet in diese existenzbedrohende Situation und zahlen erneut die Zeche für das Missmanagement und die Gier von Immobilienhaien.

Der „Dank“ an die Kolleginnen und Kollegen wird leider auch noch begleitet davon, dass ihr Arbeitsplatz als überholt angesehen wird und große Warenhäuser, angesichts des Onlinehandels, ein Auslaufmodell seien.

Gleichzeitig haben Kommunen wie die Stadt Mönchengladbach das Problem, dass die Innenstädte immer mehr zu einem Raum werden, in dem lange Leerstände in den zentral gelegenen Immobilien zu verzeichnen sind oder gar Verwahrlosung an der Tagesordnung ist. Denn falls das Geschäftsmodell eines Rene Benko Schule macht, dann sind weitere Leerstände vorprogrammiert.

Gegen ein solches Geschäftsmodell aus reiner Profitgier auf Kosten der Beschäftigten und der Kommunen protestieren die Unterzeichner*innen auf das Schärfste und fordern zur Kontrolle solcher Investitionen auf.

Es kann nicht sein, dass Rettungsanker und Schutzschirme das Vermögen einzelner Superreichen, auf Kosten der Beschäftigten, ins unermessliche steigern.

Wir sprechen den Beschäftigten von Galeria-Kaufhof und Karstadt unsere Solidarität aus und tun das indem wir aufklären, warum es zu diesem Desaster gekommen ist. Wir wollen dies öffentlich machen durch eine Aktion vor dem Galeria Kaufhof Warenhaus in Mönchengladbach. Als Betriebsseelsorge unterstützen wir die Belegschaft und ihre Betriebsräte bei ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze und sind ihnen auch persönlich gerne Ansprechpartner*innen in dieser schwierigen und belastenden Zeit!

In Unterstützung der Anliegen der Stadt Mönchengladbach wollen wir dazu aufrufen, dass die Stadt und die Innenstadt Mönchengladbachs und auch Rheydts ein lebenswerter Wohn – und Handelsraum bleiben, die sich in diesem Sinne fortentwickeln können.

 

Für die Kath. Region MG - Regionalvikar Ulrich Clancett

Für die Stiftung Volksverein - Johannes Eschweiler

Für die Betriebsseelsorge Bistum Aachen - Kathrin Henneberger