Vielfalt als Stärke sehen

Zum achten Mal kamen Menschen verschiedener Religionen in Aachen zum Friedensmahl zusammen

Friedensmahl (c) Andrea Thomas
Mi 24. Jan 2018
Andrea Thomas
„Wer sich an einen Tisch setzt, um miteinander zu essen, kann einander kennen und schätzen lernen.“ Dieses Motto füllten rund 120 Menschen im Alten Kurhaus am 21. Januar, dem Gedenktag der Weltreligionen, mit Leben.

Es sei gut und wichtig, dass das in Aachen möglich sei, dass Menschen verschiedener Kulturen und Religionen das Gespräch miteinander suchten und sich mit Respekt und auf Augenhöhe begegneten, unterstrich unter anderem Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt in ihrer Begrüßung. Etwas, das im Deutschland dieser Tage nicht überall selbstverständlich ist, wo Misstrauen gegenüber den Menschen und den Dingen wächst, die fremd sind, Antisemitismus mancherorts sein hässliches Gesicht zeigt und es eine starke rechte Partei bis ins Parlament geschafft hat.

23 Gemeinden aus acht verschiedenen Religionen, der Initiative „Religions for Peace" sowie Vertreter der Stadt und der Städteregion bringen sich und ihre Erfahrungen im das Friedensmahl ausrichtenden Arbeitskreis „Dialog der Religionen" ein. Dabei komme es nicht darauf an, in allem einer Meinung zu sein, sondern sich offen zu begegnen, Unterschiede stehen lassen zu können und den Blick auf die Gemeinsamkeiten zu richten, betonte Gehrt Hartjen von „Religions for Peace": „Wir sehen Vielfalt als Stärke."

Die stand an diesem Nachmittag auch im Mittelpunkt: die Vielfalt der Religionen und ihrer Traditionen, der Speisen und der Musik. Gerade Essen und Musik haben oft eine Türöffnerfunktion, wenn es darum geht, sich auf fremde Kulturen einzulassen, sprechen eine Sprache, die universell ist. Unzählige italienische Restaurants und Eisdielen, Dönerläden und Asia-Imbisse sind das beste Beispiel, dass auch Völkerverständigung durch den Magen geht.

So war es denn auch beim multikulturellen Mitbring-Büffet und in den bunt gemischten Tischgruppen. Hier hatten die Organisatoren in diesem Jahr bewusst darauf verzichtet, die Gespräche mittels Impulsen und Vorgaben zu steuern. „An den großen Tischen ist von der Akustik her ein Gespräch mit allen am Tisch oft schwer. Daher sollen die Leute diesmal vor  allem in kleineren, gerne wechselnden Grüppchen ins Gespräch kommen können", erläuterte Gehrt Hartjen. Als Hilfestellung lagen dazu Kärtchen bereit, auf denen, wer wollte, angeben konnte, welches Thema ihm besonders wichtig war und über das er gerne mit anderen in den Austausch kommen würde.