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Migrantenkinder ohne Zugang zu Bildung:Eine „verlorene Generation“

Kreatives Lernen im Kinderzentrum der Caritas.
Datum:
15. Apr. 2026
Von:
Carina Delheit

Seit April 2025 sind tausende Migrantenkinder aus den ehemaligien zentralasiatischen Teilrepubliken der Sowjetunion vom russischen Schulsystem ausgeschlossen. Grund ist ein neuer verpflichtender Russisch-Sprachtest: Kinder müssen mindestens 90 % der Fragen richtig beantworten, um eine Schule besuchen zu dürfen. Die Folgen dieser Regelung sind gravierend: In fünf Monaten wurden Unterlagen für mehr als 23.500 Kinder eingereicht, nur knapp 3.000 bestanden ihn erfolgreich. Viele Familien scheiterten bereits an formalen Hürden wie falsch ausgefüllten Dokumenten.

Die Testbedingungen sind extrem: Ein Kind im Alter von 6 oder 7 Jahren, das erstmals in eine Schule eingeschult werden soll, wird in einen Raum mit fremden Erwachsenen geführt, vor eine Kamera gesetzt, erhält Kopfhörer und muss Fragen in einer fremden Sprache beantworten – ohne Wiederholungsmöglichkeit und ohne Zeit zum Nachdenken.

Ohne gezielte Unterstützung droht vielen Kindern, dass sie dauerhaft vom Bildungssystem ausgeschlossen werden – eine „verlorene Generation“ von Jugendlichen, die weder die Sprache beherrschen noch die Chance auf Ausbildung oder berufliche Perspektiven haben.

Bereits heute sind viele Kinder auf sich allein gestellt: Einige übernehmen die Verantwortung für den Haushalt oder die Betreuung jüngerer Geschwister. Ältere Jugendliche werden häufig in illegale Arbeit gedrängt und helfen ihren Familien auf Baustellen oder im Handel.

In den Kinderzentren der Caritas bemühen sich die Mitarbeiter, den betroffenen Kindern wenigstens teilweise zu helfen: Sie unterstützen sie dabei, sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtzufinden, begleiten sie beim Schulprogramm, helfen beim Ausfüllen von Dokumenten und Bescheinigungen und unterstützen bei der Registrierung in elektronischen Systemen. Doch diese Hilfe kann nur einen kleinen Teil des Bedarfs abdecken. Die Pädagoginnen haben weder ausreichende Zeit noch die spezielle Ausbildung, um die Kinder umfassend auf die verpflichtenden Russisch-Tests vorzubereiten.

Die Situation ist erschütternd – Kinder, die ihre Kindheit und Bildung verdienen, werden gezwungen, früh Verantwortung zu übernehmen - statt spielen, lernen und wachsen zu können.

Schon mit 5,50 Euro pro Tag kann ein Kind im Kinderclub der Caritas gefördert werden und eine warme Mahlzeit erhalten.

Die Armen-Schwestern vom hl. Franziskus engagieren sich mit ihrer Sibirienhilfe für die seelische und körperliche Not der Menschen in Sibirien. Ordensschwestern der Gemeinschaft haben über viele Jahre die Caritasarbeit im postkommunistischen Russland aufgebaut. Inzwischen leben und arbeiten die Schwestern wieder in Deutschland, aber die Verbundenheit und der Kontakt bleibt, und auch die Nöte und Sorgen der Menschen wurden nicht vergessen. Weitere Infos zur Sibirienhilfe finden sich auf der Webseite des Ordens: www.schervier-orden.de