Rafał Londo ist seit Sommer 2019 Schulseelsorger in Mönchengladbach an der Bischöflichen Liebfrauenschule, einem Berufskolleg mit ca.400 Schülerinnen und Schülern, und der Bischöflichen Marienschule, einem Gymnasium mit ca.1000 Schülerinnen und Schülern. Er berichtet davon, wie diese Schulen mit dem Ukraine-Konflikt umgehen:
„So eine Nachricht: Das macht schon etwas mit einem!“

Rafał Londo ist seit Sommer 2019 Schulseelsorger in Mönchengladbach an der Bischöflichen Liebfrauenschule, einem Berufskolleg mit ca.400 Schülerinnen und Schülern, und der Bischöflichen Marienschule, einem Gymnasium mit ca.1000 Schülerinnen und Schülern. Er berichtet davon, wie diese Schulen mit dem Ukraine-Konflikt umgehen:

„Dass in der Ukraine Krieg herrscht, erreichte die Bischöflichen Marienschule zu einem Zeitpunkt, an dem die Schülerinnen und Schüler am Weiberdonnerstag verkleidet in die Schule kommen durften. So eine Nachricht, und dann auch noch an diesem Karnevalstag: Dass macht schon etwas mit einem! Diese Spannung, diese Ambivalenz, diese Gleichzeitigkeit war an dem Tag besonders zu spüren“, unterstreicht Schulseelsorger Rafał Londo. Auch die Lehrkräfte habe das Thema sehr beschäftigt.
Mit Ausbruch des Krieges haben sich die Schülerinnen und Schüler dem Thema mit Gebeten und Aktionen genähert; auch vor dem Hintergrund, dass manche von ihnen Kontakte und Familie in die Ukraine oder nach Russland haben. „Es thematisieren, ansprechen, Zeit geben dafür; das machen unsere Schulen zurzeit“, so Londo. Und so wurden in der Folge Stellwände aufgestellt, die dazu einladen, Gedanken und Gebete aufzuschreiben. Dort finden sich Botschaften wie „Putin verlass die Ukraine“, „Für die Menschen, die auf der Flucht sind“ bis hin zu „Wir brauchen keine Kriege, Frieden ist das, was zählt“. Auch direkte Ansprachen zu Gott sind darunter. Im Unterricht sei es dann vor allem auch die Ohnmacht, die zur Sprache komme. „Diese Ohnmacht zuzulassen, auszuhalten, Raum zu geben für Fragen und auch darauf zu achten, welche und wie viel soziale Medien die Schülerinnen und Schüler konsumieren, ist unsere Aufgabe. Und als Schulseelsorger kann ich mit anderen Ausdrucksmöglichkeiten dafür Raum schaffen.“ Natürlich würden auch Spenden eine Rolle spielen. In der Mensa stehe zum Beispiel eine kleine Wechselgeldbox, die die Schülerinnen und Schüler selbst initiiert hätten. Bei vielen Jugendlichen bestehe aber momentan noch ein großes diffuses Gefühlschaos. Hierfür gelte es ein Ventil zu finden. „Der Fokus liegt dabei – auch Corona bedingt – auf einem gemeinschaftlichen Tun. Im Klassenverband passiert sehr viel: Die Schülerinnen und Schüler schmücken ihre Klassen z.B. mit blau-gelben Peace-Zeichen.“
Das Zeichen der Asche
Rafał Londo beschreibt, dass ihn in diesen Tagen besonders das Zeichen der Asche bewegt habe. „Der erste Tag nach den Karnevalstagen war Aschermittwoch. Da wurde das Aschekreuz draußen aufs Haupt gestreut. Diese Asche war präpariert; sauber, gesiebt und gefiltert. Gleichzeitig gab es Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu uns Asche und Verwüstung erleben. Und dieser Satz: ‚Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehrst‘ ist auf einmal ganz nah, ganz anders, ganz menschlich und real. Dieses Symbol, dass ich den Schülerinnen und Schülern aufs Haupt gestreut habe, das ist hier ‚nur‘ eine Erinnerung, dass das irdische Leben einmal zu Ende sein wird. Und jetzt gerade leben Menschen in Asche und haben alles verloren. Diese Symbolik und die reale Welt in Verbindung zu bringen war berührend.“