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„Ohne Quote geht es nicht!“

Margherita Onorato-Simonis

Margherita Onorato-Simonis, Hauptabteilungsleiterin Personal im Bischöflichen Generalvikariat in Aachen, erzählt im Interview, wie wichtig es ist, dass Frauen in Führungspositionen gewollt sind, was sie jungen Frauen am Anfang ihres Berufslebens rät und warum sie ihre Meinung zur Frauenquote revidiert hat.

Datum:
Di. 8. März 2022
Von:
Stabsstelle Kommunikation

Margherita Onorato-Simonis, Hauptabteilungsleiterin Personal im Bischöflichen Generalvikariat in Aachen, erzählt im Interview, wie wichtig es ist, dass Frauen in Führungspositionen gewollt sind, was sie jungen Frauen am Anfang ihres Berufslebens rät und warum sie ihre Meinung zur Frauenquote revidiert hat.

Sie sind jetzt seit drei Jahren Hauptabteilungsleiterin - was hat in Sachen Haltung und Bewusstsein in den vergangenen Jahren in Gesellschaft und Kirche verändert? Ist es für Frauen leichter geworden in Führungspositionen zu kommen? Oder ganz provokant gefragt: Sind Frauen die besseren Chefinnen?

Ich finde der gesellschaftliche Wandel in Sachen Frauen in Führungspositionen geht schleppend voran. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Doppelbelastung durch Beruf und Familie ist immer noch ein wesentlicher Faktor, der den Weg nach "oben" für Frauen erschwert. Vor allem aber würde ich sagen, dass es immer noch eine konservative und altmodischen Grundhaltung in den Führungsebenen, Vorständen, Geschäftsführungen, Aufsichtsräten und ja auch in Kirche gibt und somit bei denjenigen, die für das Recruiting neuer Führungskräfte verantwortlich sind. Und das sind eben immer noch überwiegend Männer. Der differenzierte Blick, darf aber nicht ausbleiben: Denn der Fairness halber muss ich dazu sagen, dass ich persönlich bei meinem Arbeitgeber Kirche die größten Entwicklungschancen bekommen habe. Im Bistum Aachen wurde stets ein großes Augenmerk auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelegt. So muss das sein. Man muss Frauen in Führungspositionen wollen, man muss die Vorteile erkennen und dann die Rahmenbedingungen schaffen, damit das gelingen kann. So erlebe ich das im Bistum Aachen.

Ob Frauen die besseren Chefinnen sind? Ich glaube, wie ich als Vorgesetzte bin, hat viel mit meiner Persönlichkeit, mit der Lebens- und Berufserfahrung und mit der Lernbereitschaft zu tun. Das ist nicht geschlechtsspezifisch.

Was ärgert Sie - dem spürbaren Bewusstseinswandel zum Trotz - immer noch?

Ärgern vielleicht nicht, aber ich wundere mich immer wieder über noch gängige Klischees, wie das von der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit weiblicher Führungskräfte. Einmal bin ich vor einem beruflichen Entwicklungsschritt gefragt worden, ob ich meine Entscheidung noch mit meiner Familie beraten wolle. Da habe ich mich gefragt, ob ein Mann das auch gefragt worden wäre. Ein Priester hat mir gegenüber einmal geäußert, dass er Frauen bewundere, die sich ganz der Familie widmen würden... was er mir damit wohl sagen wollte?! 

Werden Sie eigentlich von anderen gefragt, wie Sie das überhaupt vereinbaren können, Beruf und Familie?

Nicht mehr so oft, wie früher. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich vereinzelt erlebt habe, dass die Frage nach der Vereinbarkeit eher mit der Sorge verbunden war, ob man als Mutter mit kleineren Kindern einsatz- und leistungsfähig sein würde. Ich glaube nicht, dass junge Väter nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefragt werden, z.B. bei Bewerbungsgesprächen. Leider ist das immer noch eine typische Frage an Frauen. Das ist schade, denn das ist ja für Väter ebenso ein Thema. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich in meinem Berufsleben gute Erfahrungen gemacht habe. Ich bin sogar einmal eingestellt worden, obwohl ich schwanger war - ganz bewusst. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aber trotzdem eine großes Thema. Da kann und muss der Arbeitgeber gute Rahmenbedingungen schaffen. Letztendlich bleibt es aber eine ganz persönliche Herausforderung für Frauen und Männer. 

Was raten Sie jungen Frauen, die am Anfang ihres Berufsleben stehen?

Ich finde eine gute Lebens- und Berufsplanung wichtig, beides muss miteinander einher gehen: Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? Möchte ich mich lieber ganz der Familie widmen oder mich auch beruflich verwirklichen? Ich würde immer dazu raten, berufstätig zu bleiben und nicht ganz aus der Berufstätigkeit auszusteigen. Das hat was mit finanzieller Absicherung und Selbstständigkeit  zu tun. Ich finde es aber auch wichtig, was ich meinen Kindern vorlebe. Wir müssen stärker dahin kommen, dass Frauen und Männer sich Familienaufgaben gleichberechtigt teilen. Diese Rollenbilder sollten wir unseren Kindern vorleben, damit sich gesellschaftlich endlich etwas verändert. 

Was denken Sie persönlich? Brauchen wir in der Kirche eine Frauenquote? 

Ich halte sehr viel von mixed teams in Führungsetagen. Studien belegen ja, dass wenn Frauen und Männer gleichermaßen an der  Leitung von Organisationen und Unternehmen beteiligt sind, bessere Ergebnisse erzielt werden, erfolgreicher gearbeitet wird. Es werden einfach vielfältigere Sichtweisen, Lebens- und Arbeitserfahrungen und Kompetenzen eingebracht. Für Kirche kann das nur positive Effekte haben, die wir dringend brauchen. Die Quote habe ich früher kritisch gesehen.  Heute denke ich: Ja, wir brauchen die Quote! Wie bereits beschrieben, es geht zu langsam und freiwillig passiert zu wenig. Das haben wir in den vergangenen Jahren gesehen. Ich glaube, dass es ohne Quote nicht geht.