Impuls für Juni von Sr. Jordana Schmidt OP. Krefeld:Vom Geheimnis der Rose ...


Nicht in der großen Zahl liegt das Geheimnis Freude zu entdecken.
Was ein Mensch sucht, kann er in einer einzigen Rose finden.
Antoine de Saint-Exupéry
Es ist Sommer! Und was für ein herrlicher! Der Wald ist satt grün, am Wegesrand blühen Margeriten, Mohn, Klee, wilde Rosen und Holunder. Und in meinem Garten die besten Pfingstrosen und Teerosen, mit einem betörenden Duft. Der Frühsommer ist für mich eine Zeit fürs Schwärmen und für direkte Dankeshymnen an meinen Gott. Mich an der Natur sattsehen – nicht als Völlegefühl, sondern als wirkliche Sättigung der Seele, das gelingt mir in dieser Zeit immer am allerbesten.
Die Natur einer einzigen Rose ist so vollkommen, dass ich Gott als Schöpfer nur bewundern kann. Solche „Rosenbetrachtung“ tut gut, wenn ich selber an meinem eigenen Wert zweifle. Wenn ich mich nicht „gut genug“ fühle. Jesus gibt uns selber den Vergleich mit den Lilien auf dem Felde – die nichts erbringen, nichts leisten, aber so unendlich prachtvoll sind. Wie kann ich da an meinem eigenen Wert zweifeln? Manchmal nur, weil eine alte Erinnerung aufploppt, etwas nicht sofort so gelingt wie ich es mir vorgestellt habe oder ein einzelner Mensch mich kritisiert. Dieses Gefühl kennen sicher viele. Plötzlich wiegt dieses Einzelne und Dunkle mehr, als das viele Gute und Schöne. Mich dann in der Betrachtung einer Rose zu verlieren, kann mich da manchmal wieder herausholen, im Bewusstsein der unendlichen Liebe Gottes zu mir. Ich lade sie ein, eine kleine Rosenmeditation zu machen – den Duft einatmen, die vielen Blätter betrachten, die sich ineinanderlegen und ein Ganzes bilden, die besondere Farbe, die bei jeder Rose unterschiedlich ist. Nur diese eine Rose im Blick haben, mehr nicht. Und dann sich selbst wahrnehmen in den vielen Schichten des Seins, den unterschiedlichen Farben der Emotionen. Es ist gut so. Ich bin Fülle, ich bin wunderbar.
Ok, ein paar Tage später welkt diese Rose. Das Leben der Rosenblüten ist kurz. Aber jetzt, jetzt blüht und duftet sie. Das zählt. und der Sommer ist jetzt und lädt uns ein, ein wenig verträumter und schwärmerischer zu sein, als wir es sonst vielleicht sind. Ein Gebet kommt dann sicher ganz leicht über die Lippen …. ich danke dir Herr, dass du mich so wunderbar geschaffen hast.
Viele Sommerfreude wünscht ihnen
Sr. Jordana