Gott in sich zündeln lassen

Mit der Weihe zum Ständigen Diakon setzt sich für Sascha Wullen fort, was mit seiner Firmung 2010 begann

Diakon Sascha Wullen (c) Andrea Thomas
Mi 6. Dez 2017
Andrea Thomas

Sascha Wullen (36) ist einer von zwei neuen Ständigen Diakonen im Bistum Aachen. Seinen Dienst wird der junge Familienvater zukünftig in der Pfarrei „Franziska von Aachen“ versehen.

Anlässlich seiner Einführung in St. Andreas hat KiZ-Redakteurin Andrea Thomas mit ihm über Gottes Liebe als Zündstoff für sein Leben gesprochen und darüber, inwieweit der Lehrer  für Deutsch und Religion an einem Kölner Berufskolleg ein Beispiel und Ansporn für junge Menschen sein kann, sich auf Gott einzulassen.

Vor sieben Jahren haben Sie sich im Erwachsenenalter firmen lassen. Wer oder was war der Grund für diese Entscheidung?

Es war eine Entscheidung nach einem Reifungsprozess; für mich war an diesem Tag, am Tag meiner Firmung alles vorbereitet, um „Ja“ zu sagen: Ja zum Glauben – Ja zur katholischen Kirche – Ja, mit Wort und Tat für ein christliches Leben Zeugnis abzugeben. Für mich war 2010 klar: Wenn du Verantwortung als Lehrer, insbesondere als Religionslehrer, übernehmen möchtest, musst du dich durch den Heiligen Geist stärken lassen, damit die Sendung zu den Menschen gelingt.

Sie sagen, mit und seit Ihrer Firmung habe sich Gottes Liebe zum „Zündstoff“ in Ihrem Leben entwickelt. Inwiefern?

Die Firmung hat in mir eine Kraft entfaltet, die ich insbesondere auf dieses Sakrament und den damit geschenkten Beistand Gottes zurückführe. Ich bin in diesem Augenblick mit Gottes Liebe in Berührung gekommen, die mich immer weiter angetrieben hat. Dabei spielte auch der Gedanke eine Rolle, durch diesen Beistand im Leben getragen und behütet zu sein. Das, was in den zurückliegenden Jahren ermöglicht wurde, verdanke ich Gottes liebenden Händen. Und in diese Hände habe ich mich nun mit der Diakonweihe gelegt.

War das auch der Antrieb, den Glauben nicht nur für sich oder als aktives Mitglied Ihrer Gemeinde zu leben, sondern einen Schritt weiter zu gehen und die Weihe zum Ständigen Diakon anzustreben?

Den Entschluss, das Amt des Diakons anzustreben, führe ich genau darauf zurück. Oft habe ich mich gefragt, wie ich das Gute, das mir geschenkt wurde, mit meinen Mitmenschen teilen kann. Durch den Schuldienst an einem Berufskolleg habe ich bereits einen anspruchsvollen „Hörerkreis“, den ich mit der Botschaft Jesu Christi in Berührung bringen kann. Allerdings ist Unterricht bei aller Berufs- und Lebensnähe immer ein geordnetes System mit einer klar umgrenzten Zielgruppe und an den jeweiligen Bildungsplänen orientierten Inhalten. Den Wirkungskreis auf weitere Menschen zu vergrößern, also das Evangelium durch Wort und Tat in neue Lebensbereiche hineinzubringen, war mein Ansporn, mich beim Bistum Aachen beziehungsweise dem Bischöflichen Beauftragten für den Ständigen Diakonat zu melden.

Sie unterrichten an einem Berufskolleg und sind inzwischen selbst Vater. Was sagen Sie jungen Menschen, warum es sich lohnt, Gott in sich Funken schlagen zu lassen?

Wer sich von Gott bewegen lässt, der wird in die Lage versetzt, über sich hinauszuwachsen. Denn die Liebe Gottes kann helfen, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen latent vorhandene Lebenssorge zu überwinden, wie sie ihr Leben gestalten sollen. Permanent sind sie gefordert, Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.

Viele junge Leute fühlen sich heute trotz der vernetzten Welt alleine und sehnen sich nach Stabilität und erfahrbarer menschlicher Nähe. Sie erleben, dass sie sich auf nichts mehr verlassen können, weil alles brüchig und unsicher geworden ist. Auch ihre Bezugspersonen sind oftmals in diesem Strudel gefangen und finden keinen rechten Ausweg. Gott spricht
den jungen Leuten, aber auch den Erwachsenen Mut zu: Ich bin da – ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. Mit diesem Gott können sie Mauern überspringen, das habe ich selbst erfahren!