Bibel neu entdecken:„Zugewandt in Wort und Tat“: Bibeltage im Bistum Aachen

Aachen. Mehr als 100 Veranstaltungen im ganzen Bistum laden vom 3. bis zum 18. Oktober dazu ein, die Bibel neu zu entdecken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die ersten diözesanweiten Bibeltage des Bistums Aachen stehen unter dem Motto „Zugewandt in Wort und Tat“ und greifen eine Frage auf, die das persönliche Leben ebenso betrifft wie Kirche und Gesellschaft: Wie kann ein zugewandtes Miteinander gelingen?
Die Bibeltage richten sich an Menschen aller Altersklassen und Lebenssituationen – mit und ohne kirchliche Bindung. Von der Eifel bis Krefeld, von Aachen bis Mönchengladbach gestalten Pastorale Räume, Gruppen und einzelne Engagierte ein vielfältiges Programm. Hinzu kommen Angebote, an denen Interessierte online teilnehmen können. Das Programm eröffnet kreative, spirituelle und gesellschaftliche Zugänge zur Bibel und umfasst ebenso Angebote für Familien, Gesprächsformate und gemeinschaftliche Aktionen. Sie alle verbindet die Einladung, sich mit biblischen Texten auseinanderzusetzen, eigene Erfahrungen und Perspektiven einzubringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Interessante Perspektiven
„Ein gutes Miteinander ist nicht immer selbstverständlich. Gerade dort, wo Menschen unterschiedliche Erfahrungen, Überzeugungen und Lebensweisen mitbringen, kann es herausfordernd sein, einander zugewandt zu begegnen. Die Bibel eröffnet uns dazu interessante Perspektiven. Mit den Bibeltagen möchten wir Menschen einladen, diese gemeinsam zu entdecken und miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Anne Bettendorff, Referentin für Bibelpastoral im Bistum Aachen und Koordinatorin der Bibeltage.
Einen biblischen roten Faden bildet das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25–37). Es erzählt von einem Menschen, der hinsieht, wo andere weitergehen, der Grenzen überwindet und für einen anderen Verantwortung übernimmt. Damit stellt der Text Fragen, die bis heute aktuell sind: Wen nehmen wir wahr? Was hält uns davon ab, aufeinander zuzugehen? Und was braucht es, damit Zugewandtheit nicht nur ein Anspruch bleibt, sondern im eigenen Handeln sichtbar wird?
Wie unterschiedlich diese Fragen aufgegriffen werden können, zeigt das Programm: Eine Exkursion zur Ausstellung „2 Millionen Jahre Migration“ im Neanderthal Museum Mettmann verbindet Menschheitsgeschichte mit biblischen Impulsen. Vorträge und Gesprächsabende zu „Liebt eure Feinde!“ (Mt 5,44) fragen nach der Bedeutung von Feindesliebe angesichts von Konflikten und gesellschaftlichen Spaltungen. Im Aachener Dom geht es unter dem Titel „Zugewandt in Musik und Wort – Jeder Mensch hat eine Würde“ um Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Daneben reicht das Programm vom Bible Art Journaling und Bibliolog über gemeinsames Gärtnern im Schöpfungsgarten und Wanderungen mit biblischen Impulsen bis zu Angeboten für Kinder und Familien sowie inklusiven und interreligiösen Angeboten.
Auftakt im Aachener Elisenbrunnen
Die Bibeltage beginnen am Samstag, 3. Oktober, mit einem Auftaktfest von 14 bis 17 Uhr in der Rotunde des Elisenbrunnens in Aachen. Das Fest ist als offenes Angebot gestaltet: Interessierte können jederzeit dazukommen, mitmachen oder eine Zeit lang verweilen. Musik, kurze Impulse, Gespräche und Mitmachaktionen greifen das Motto „Zugewandt in Wort und Tat“ über den Nachmittag immer wieder auf.
Dr. Katrin Brockmöller, Direktorin des Katholischen Bibelwerks, begleitet den Nachmittag mit Impulsen und Gesprächen. In einem Bibliolog zur Leitbibelstelle lädt sie außerdem dazu ein, sich in den biblischen Text hineinzuversetzen und eigene Gedanken und Erfahrungen einzubringen.
Bei einer gemeinsamen Kunstaktion mit dem Landart-Künstler Martin Stockberg gestalten die Besucherinnen und Besucher eine zwei mal 16 Meter große Fläche mit Salz. Im Laufe des Nachmittags entsteht darauf immer wieder Neues: Flächen werden gestaltet, verändert, aufgelöst und neu geschaffen. Viele Menschen können sich beteiligen und auf das reagieren, was andere vor ihnen gestaltet haben. So wird das Leitwort „Zugewandt in Wort und Tat“ auch in der Kunstaktion erfahrbar.
Die Bibeltage enden am Sonntag, 18. Oktober, von 14 bis 16 Uhr in der Bischöflichen Marienschule in Mönchengladbach. Unter dem Titel „zugewandt – und weiter!“ kommen dort Erfahrungen und Eindrücke aus den vergangenen zwei Wochen zusammen. Teil des Abschlusses ist auch ein inklusiver Theaterbeitrag, der am Vortag gemeinsam erarbeitet wird.