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Weltfriedenstag 2026:„Wer den Frieden liebt, darf sein Herz niemals der Logik des Krieges überlassen.“

Bischof Dr. Helmut Dieser ruft beim Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag zu verantwortlicher Führung, Gewissensbildung und Friedensbereitschaft auf.
Lange Tradition: Bischof Helmut Dieser feierte mit Soldatinnen und Soldaten einen Friedensgottesdienst zum Weltfriedenstag.
Datum:
Do. 11. Juni 2026
Von:
Abteilung Kommunikation

Aachen. Angesichts wachsender internationaler Spannungen, neuer Aufrüstung und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung hat Bischof Dr. Helmut Dieser beim Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag 2026 im Aachener Dom zu einer Kultur der Verantwortung, des Dialogs und der Friedenserhaltung aufgerufen. Friedenssicherung brauche Menschen mit Haltung, Gewissen und Führungsverantwortung, die sich nicht von Resignation oder Feindbildern leiten lassen. Soldatinnen und Soldaten seien in besonderer Weise gefordert, Verteidigungsbereitschaft und Friedensverantwortung miteinander zu verbinden.
„Wer den Frieden liebt, darf sein Herz niemals der Logik des Krieges überlassen“, betonte der Bischof in seiner Predigt. Auch dort, wo Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit notwendig seien, müsse das Ziel immer der Frieden bleiben. „Wir brauchen Menschen, die Brücken bauen, Verantwortung übernehmen und dem Glauben an Verständigung mehr zutrauen als dem Fatalismus eines angeblich unvermeidlichen Krieges.“

Gegenseitige Hilfe und Unterstützung
Ausgangspunkt der Predigt war die Botschaft von Papst Leo XIV. zum Weltfriedenstag 2026. Der Papst erinnert darin an seinen Namensvorgänger Leo XIII., der bereits in seiner Sozialenzyklika Rerum novarum die menschliche Gemeinschaft als Antwort auf die Begrenztheit individueller Kräfte beschrieben hatte. Der Mensch sei darauf angewiesen, sich mit anderen zu gegenseitiger Hilfe und Unterstützung zu verbinden.

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kriege im Nahen Osten sowie neue Blockbildungen und gesellschaftliche Polarisierungen stellte der Bischof fest, viele Menschen fühlten sich heute enttäuscht und entfremdet. Die Hoffnungen nach dem Ende des Kalten Krieges seien vielerorts einer neuen Unsicherheit gewichen.
Bischof Dieser warnte vor einer „Logik der Gegensätzlichkeit“, die Papst Leo XIV. als wesentliche Ursache der gegenwärtigen globalen Destabilisierung beschreibt. Besonders kritisch sei die Entwicklung moderner Kriegsführung, wenn Verantwortung über Leben und Tod zunehmend an technische Systeme delegiert werde. Deshalb brauche es mehr denn je Gewissensbildung, kritisches Denken und eine Kultur persönlicher Verantwortung.

Orientierung, Verlässlichkeit und Werte
Ausdrücklich würdigte der Bischof die Vorbereitung des Gottesdienstes durch die Soldatinnen und Soldaten, die sich in einem Bibelgespräch mit Fragen nach Orientierung, Verlässlichkeit und Werten in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche auseinandergesetzt hatten. Ihr Wunsch nach festen Maßstäben und verantwortlicher Führung sei ein wichtiges Zeichen. Als Vorbild stellte der Bischof den Apostel Barnabas vor, der Menschen ermutigte, dem Guten treu zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen. Solche Persönlichkeiten brauche es auch heute: Frauen und Männer, die berechenbar, glaubwürdig und werteorientiert handelten und andere auf diesem Weg mitnähmen.
Zugleich unterstrich der Bischof, dass Frieden nicht allein durch politische Entscheidungen entstehe. Frieden beginne im persönlichen Handeln und in der Bereitschaft, sich mit anderen für gemeinsame Ziele einzusetzen. Christlicher Glaube eröffne dabei eine Alternative zur Spirale von Misstrauen und Verhärtung.

Stärkung von Verteidigungsfähigkeit nur zum Schutz des Friedens
Auch die notwendige Stärkung von Verteidigungsfähigkeit könne nur dann ethisch verantwortet werden, wenn sie dem Schutz des Friedens diene. Unter Bezug auf den heiligen Augustinus erinnerte der Bischof daran, dass wahre Friedensliebe auch den Gegner nicht aus dem Blick verliere: Abschreckung und Dialogbereitschaft seien keine Gegensätze, sondern gehörten zusammen.
Der Bischof gab den Soldatinnen und Soldaten mit auf den Weg, selbst zu Menschen des Friedens zu werden: „Wir brauchen Führungspersönlichkeiten, die sich selbst führen und andere führen – getragen von Glauben, Verantwortung und der Überzeugung, dass Frieden möglich ist.“

Lange Tradition
Die Feier des Weltfriedenstages mit den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr geht zurück auf die Bitte von Papst Paul VI., der diesen Tag zum 1. Januar 1968 zum ersten Mal ausrief und damit die Bitte verband, den Weltfriedenstag in jedem Jahr zu begehen. Die Militärseelsorge als ‚Kirche unter den Soldaten‘ greift dieses Anliegen seit 1977 auf und lädt in vielen deutschen Diözesen zusammen mit den Ortsbischöfen zu einem Soldatengottesdienst anlässlich des Weltfriedenstages ein. So hat die Feier des Weltfriedenstages auch im Bistum Aachen schon eine sehr lange Tradition. Den Gottesdienst federführend vorbereitet hatte Militärseelsorgerin Maike Seelhorst.