25 Jahre Mobbing-Kontaktstelle im Bistum Aachen:Kunstaktion macht Ausgrenzung sichtbar

Es entsteht meist dort, wo Strukturen oder das Betriebsklima es begünstigen. Deshalb betrifft das Thema immer die ganze Organisation. Betroffene leiden oft sehr lange, bis sie den Mut finden, sich jemandem anzuvertrauen. Dafür steht seit nunmehr 25 Jahren die Mobbing-Kontakt-Stelle (MKS) des Bistums Aachen zur Verfügung.
Über 100 ehrenamtliche Berater und Beraterinnen haben im vergangenen Vierteljahrhundert über 4000 Mobbingbetroffene am Telefon und in der persönlichen Beratung zur Seite gestanden. Allein in der telefonischen Beratung sind dabei mehr als 5000 Stunden ehrenamtliche Beratungsarbeit zusammengekommen.
"Darauf sind wir wirklich stolz", sagt Kathrin Choudhury Henneberger, Geschäftsführerin des MKS im Bistum Aachen. Im Laufe der Jahre hätten sich weit über 100 Menschen ehrenamtlich in der Mobbingberatung engagiert." Ohne diesen Einsatz wäre unsere Arbeit überhaupt nicht möglich. Sie bringen Zeit, Lebenserfahrung und die Bereitschaft mit, Menschen in einer schwierigen Situation aufmerksam zuzuhören und sie auf ihrem Weg zu begleiten, erläutert die Geschäftsführerin und betont: "Als Christinnen und Christen sagen wir ganz klar: Jeder Mensch hat eine unveräußerliche Würde. Und genau diese Würde wird durch Mobbing verletzt. Deshalb können wir da nicht einfach wegschauen. Es ist wichtig, Betroffene zu unterstützen, ihnen zur Seite zu stehen und auch die Bedingungen anzusprechen, die Mobbing überhaupt erst begünstigen."
Im Anfang stand tatsächlich nur die telefonische Beratung im Mittelpunkt. Das war viele Jahre das zentrale Angebot. "Inzwischen haben wir das weiterentwickelt", sagt Kathrin Choudhury Henneberger. Ehrenamtliche könnten sich zusätzlich qualifizieren, um auch persönliche Beratungsgespräche anzubieten. Beratungsmöglichkeiten gibt es derzeit in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg.
Kunstaktion am 10. Juli in der Aachener Innenstadt
Am Freitag, 10. Juli, begeht die MKS dieses Jubiläum mit der auffälligen Kunst-Aktion „WanderWall“. Die Mauer "wandert" durch die Aachener Innenstadt und will Menschen zum Innehalten bringen und Gespräche über Ausgrenzung, Solidarität und Unterstützung anstoßen. Das Jubiläum ist zugleich Anlass, auf die Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen und neue ehrenamtliche Beraterinnen und Berater für das Mobbing-Telefon zu gewinnen.
Mitten im öffentlichen Raum entsteht eine bewegliche Wand aus Kartons. Sie wächst, schrumpft und verändert ihren Standort: Vorne wird gebaut, hinten wieder abgetragen. So setzt sich die „WanderWall“ Schritt für Schritt in Bewegung und verändert Wege, Perspektiven und Begegnungen.
Die Installation steht sinnbildlich für Grenzen und Barrieren, denen Menschen im Alltag begegnen – insbesondere für Ausgrenzung, Isolation und Ohnmacht, wie sie Betroffene von Mobbing am Arbeitsplatz erleben. Gleichzeitig lädt die Aktion dazu ein, über Schutzräume, gegenseitige Unterstützung und die Möglichkeit nachzudenken, Grenzen zu überwinden oder einzureißen.
Entwickelt wurde die Kunstaktion vom Künstler Garvin Dickhof, der Interventionen im öffentlichen Raum nutzt, um gewohnte Wahrnehmungen zu verändern und neue Perspektiven zu eröffnen
Die „WanderWall“ ist am Freitag, 10. Juli, von 16 bis 19 Uhr in der Aachener Innenstadt unterwegs. Startpunkt ist der Hof - zwischen Puppenbrunnen und Körbergasse. Die Aktion ist eine Kooperation der Bleiberger Fabrik mit der Mobbing-Kontakt-Stelle im Bistum Aachen, dem DGB Region NRW Süd-West, dem KAB-Diözesanverband Aachen und dem Nell-Breuning-Haus. Sie findet im Rahmen der Aktionswoche von "Wir alle Aachen" statt.
Ehrenamtliche für Mobbing-Telefon gesucht
Zum Jubiläumsjahr startet die Mobbing-Kontakt-Stelle außerdem eine neue Ausbildungsrunde für ehrenamtliche Telefonberaterinnen und -berater. Die Ausbildung beginnt im September und richtet sich an Menschen, die sich engagieren und Betroffene auf ihrem Weg aus belastenden Konfliktsituationen begleiten möchten.
In drei Wochenendseminaren erwerben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Grundlagen der Gesprächsführung sowie Wissen über Konflikte und Mobbing am Arbeitsplatz. Die Ausbildung umfasst Vorträge, praktische Übungen, Rollenspiele sowie die Arbeit in Klein- und Großgruppen. Im Anschluss begleiten Hospitationen bei erfahrenen Beraterinnen und Beratern den Einstieg in die ehrenamtliche Tätigkeit. Während ihres Engagements erhalten alle Ehrenamtlichen regelmäßig Supervision und kollegiale Beratung.
Gesucht werden empathische, offene Menschen, die sich mit belastenden Themen auseinandersetzen möchten und derzeit selbst nicht von Konflikten am Arbeitsplatz betroffen sind. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Infoabend im Nell-Breuning-Haus
Interessierte können sich bei einem Informationsabend am Donnerstag, 16. Juli, von 18 bis 19 Uhr im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath über Inhalte, Ablauf und Voraussetzungen der Ausbildung informieren.
Die Ausbildungswochenenden finden Mitte September, Oktober und November statt.
Anmeldung zum Informationsabend und weitere Informationen:
Kathrin Choudhury-Henneberger
Mobbing-Kontakt-Stelle im Bistum Aachen
E-Mail: kathrin.henneberger@bistum-aachen.de
Telefon: 0241 / 452-475
Die Mobbing-Kontakt-Stelle
Mit ihrer Gründung im Jahr 2001 war die Mobbing-Kontakt-Stelle im Bistum Aachen eine der Vorreiterinnen im Bereich der Mobbingberatung. Von Anfang an war sie getragen durch eine intensive Zusammenarbeit mehrerer Träger. Der DGB - Deutscher Gewerkschaftsbund der Region NRW Süd-West mit Sitz in Aachen, die KAB - Katholische Arbeitnehmer-Bewegung der Diözese Aachen, das Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath und das Bistum Aachen. Nach fünf Jahren wurde die Zusammenarbeit im März 2006 in einer Arbeitsgemeinschaft schriftlich festgehalten. Gemeinsam sichern die Träger die Ausbildung von ehrenamtlichen Mobbingberatern und Mobbingberaterinnen, die für Betroffene am Telefon und in der persönlichen Beratung zur Verfügung stehen. Heute ist die MKS in das landesweite Angebot "MobbingLine NRW" unter Federführung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales eingebunden. Mit weiteren Akteuren wurde 2024 das Bundesnetzwerk „KuMBA“, die „Konflikt- und Mobbingberatung in der Arbeitswelt, ins Leben gerufen.