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Aus Kolumbien in die Eifel:Kaffeerösterei in Monschau: In der Eifel interessiert die Bohne

Die Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH betreibt in Monschau eine Kaffeerösterei und unterstützt Menschen mit Behinderung bei Arbeit und Integration.
Leon Henseler gehört zu den Mitarbeitern, die in Monschau-Imgenbroich die Kaffeebohnen rösten.
Datum:
Fr. 14. Aug. 2026
Von:
Stephan Johnen

Erstmals sind 20 Tonnen Kaffeebohnen aus Kolumbien auf dem Weg. Es ist der Auftakt eines Projekts im Partnerland des Bistums Aachens

Kolumbien/Imgenbroich. Was muss man können, um einen guten Kaffee zu rösten? „Eigentlich nichts“, sagt Max Jülich. Er lacht. Ganz so einfach ist es doch nicht. Es fällt nicht leicht, die Magie zu beschreiben, wenn Kaffeebohnen auf Hitze treffen und sich die Aromen entwickeln. „Du musst alles abwiegen – und den Zeitpunkt finden, wenn die Bohnen rausmüssen“, erklärt Leon Henseler, der mit Max Jülich in der Kaffeerösterei der Caritas Betriebs- und Werkstätten (CBW) arbeitet. Es mag ein Knistern sein, die Veränderungen in der Farbe oder ein aufsteigender Duft: „Du siehst, riechst und hörst es, wenn die Bohnen kurz vor fertig sind“, sagt Leon, „ansonsten wird es Espresso.“ Es folgt ein Augenzwinkern.

Seit 2025 wird in Monschau-Imgenbroich im Werk 5 der CBW fair gehandelter Kaffee in größerem Maßstab geröstet und vermarktet, erste Versuche gehen noch einige Jahre weiter zurück. Die Idee hatte Betriebsleiter Dirk Leifeld, der immer auf der Suche nach neuen Betätigungsmöglichkeiten für die bei der CBW beschäftigten Menschen mit Handicap ist, als er in die Bücher schaute. Rund 1600 Menschen tranken pro Jahr in allen Werken Kaffee, der für 20.000 Euro eingekauft wurde. „Können wir das nicht für den Preis auch selbst machen?“, fragte er erst sich, dann seinen Geschäftsführer Michael Doersch, der den Budgetplan für das Kaffeeprojekt genehmigte. Leifeld holte einen Kaffee-Sommelier an Bord, der bei der Auswahl der Bohnensorten, der Zusammenstellung der Mischungen und der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter half, und kaufte einen kleinen Röster.

Der Grundstein für ein neues Produkt, das frisch aufgebrüht längst nicht nur in den eigenen CBW-Tassen landete, war gelegt. Im vergangenen Jahr wurden – mittlerweile in einem deutlich größeren Röster – sieben Tonnen Kaffee geröstet. Die Arabica- und Robusta-Bohnen kommen aus Peru, Brasilien und Uganda. Die Herkunftsgeschichte ist klar, das Produkt fair gehandelt. Die Mischungen heißen „Adalar“, „Abundis“, „Spökes“ oder „Leckerschen“. Kunden sind vor allem andere Caritas-Einrichtungen und Verbände, aber auch Unternehmen, die neben dem Geschmack auch Wert auf soziale Aspekte legen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat die CBW ein Pfandsystem für Bohnen-Behälter eingeführt. „Wir wollen keine exorbitanten Gewinne erzielen, sondern die Kaffeebauern unterstützten“, sagt Dirk Leifeld.

Exakt aus diesem Grund passt der neue Spitzen-Kaffee, der bald unter dem Namen „Matituy“ zur Verfügung steht, perfekt ins Portfolio. Die handverlesenen Bohnen stammen aus Kolumbien, dem Partnerland des Bistums Aachen, wo sie von Kleinbauern in den Höhen der Anden im Einklang mit der Natur angebaut werden. CBW-Geschäftsführer Michael Doersch, Dirk Leifeld und Diözesan-Caritasdirektor Stephan Jentgens nahmen im vergangenen Jahr an einer Reise in das Bistum Pasto teil und knüpften Kontakte. Die Partner-Organisation des Diözesan-Caritasverbandes begleitet in Kolumbien Genossenschaften von Kaffeebauern, um für sie faire Preise unter Weltmarktbedingungen herauszuhandeln. „Wir haben den Kaffee ausprobiert und wussten sofort: Der ist super, den bekommen wir geröstet“, blickt Dirk Leifeld zurück. Es folgten Verhandlungen unter Einbeziehung der Sozialpastoral in Pasto, eine Probe-Lieferung inklusive Test-Röstung und Verkostung, und letztlich: ein Handschlag unter neuen Geschäftspartnern. Der erste Übersee-Container mit 20 Tonnen Kaffeebohnen ist eingeschifft und soll in sechs bis acht Wochen eintreffen. Das Interesse an „Matituy“ als Espresso und Premium Arabica ist bereits groß.

„Die Partnerschaft steht für fairen Austausch, gegenseitiges Lernen und gemeinsame Verantwortung“, freut sich Dirk Leifeld auf die „heiße Phase“. Apropos heiß: Bis zu 25 Tonnen pro Jahr können locker mit dem aktuellen Röster und zwei Teams bewältigt werden. Platz für eine zweite Röst-Linie gibt es auch. Und mit jeder Tasse „Matituy“ profitieren die Familien der fair bezahlten Kaffeebauern in Kolumbien.

Tobias Fink ist Gruppenleiter in der Außenarbeitsgruppe und unter anderem für die Kaffeerösterei und den Werksverkauf zuständig.
Max Jülich trinkt nicht nur gerne selbst Kaffee: Er gehört zu einem der beiden Teams, die die Bohnen frisch rösten und arbeitet auch als Barista im CBW-Werksverkauf im Handwerker-Innovationszentrum Monschau. Dort können Besucherinnen und Besucher die verschiedenen Sorten wie „Spökes“ und „Leckerschen“ ausprobieren.

Im Werksverkauf gibt es weit mehr aus eigener Produktion als nur Kaffee

Seit mehr als einem Jahr betreiben die Caritas Betriebs- und Werkstätten im Handwerker-Innovationszentrum Monschau (HIMO) einen kleinen aber feinen Werksverkauf. Dort wird der Kaffee aus dem benachbarten Werk 5 verkauft, der dort auch abgefüllt wird, aber auch viele andere Produkte, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hergestellt werden. Zum Sortiment gehören selbst gezogene Kerzen und Wachsfresser sowie Deko- und Nähartikel. In den insgesamt sechs verschiedenen Betriebs- und Werkstätten der CBW haben rund 1300 Menschen mit Handicap eine Aufgabe gefunden. Ein echter Verkaufsschlager der CBW, den es allerdings nicht im Werksverkauf gibt, ist eine selbst entwickelte Radservicestation, die Fahrradfahrern neben einer Luftpumpe auch Werkzeuge zur Verfügung stellt. Der ADAC hat davon 300 Stück in Deutschland installiert. Relativ neu im Sortiment ist der selbst geröstete Kaffee, der auch von Unternehmen und Privatpersonen bezogen werden kann. Der Werksverkauf (Am Handwerkerzentrum 1) ist montags bis freitags von 8:30 bis 15:15 Uhr (Mittagspause von 12 bis 13 Uhr) geöffnet.  Mehr Infos zum Thema „CariCoffee“ erteilt Vertriebsmitarbeiterin Gisela Bungart unter 02403/790739 und per E-Mail: gisela.bungart@cbw-gmbh.de.