Aus Kolumbien in die Eifel:Kaffeerösterei in Monschau: In der Eifel interessiert die Bohne

Erstmals sind 20 Tonnen Kaffeebohnen aus Kolumbien auf dem Weg. Es ist der Auftakt eines Projekts im Partnerland des Bistums Aachens
Kolumbien/Imgenbroich. Was muss man können, um einen guten Kaffee zu rösten? „Eigentlich nichts“, sagt Max Jülich. Er lacht. Ganz so einfach ist es doch nicht. Es fällt nicht leicht, die Magie zu beschreiben, wenn Kaffeebohnen auf Hitze treffen und sich die Aromen entwickeln. „Du musst alles abwiegen – und den Zeitpunkt finden, wenn die Bohnen rausmüssen“, erklärt Leon Henseler, der mit Max Jülich in der Kaffeerösterei der Caritas Betriebs- und Werkstätten (CBW) arbeitet. Es mag ein Knistern sein, die Veränderungen in der Farbe oder ein aufsteigender Duft: „Du siehst, riechst und hörst es, wenn die Bohnen kurz vor fertig sind“, sagt Leon, „ansonsten wird es Espresso.“ Es folgt ein Augenzwinkern.
Seit 2025 wird in Monschau-Imgenbroich im Werk 5 der CBW fair gehandelter Kaffee in größerem Maßstab geröstet und vermarktet, erste Versuche gehen noch einige Jahre weiter zurück. Die Idee hatte Betriebsleiter Dirk Leifeld, der immer auf der Suche nach neuen Betätigungsmöglichkeiten für die bei der CBW beschäftigten Menschen mit Handicap ist, als er in die Bücher schaute. Rund 1600 Menschen tranken pro Jahr in allen Werken Kaffee, der für 20.000 Euro eingekauft wurde. „Können wir das nicht für den Preis auch selbst machen?“, fragte er erst sich, dann seinen Geschäftsführer Michael Doersch, der den Budgetplan für das Kaffeeprojekt genehmigte. Leifeld holte einen Kaffee-Sommelier an Bord, der bei der Auswahl der Bohnensorten, der Zusammenstellung der Mischungen und der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter half, und kaufte einen kleinen Röster.
Der Grundstein für ein neues Produkt, das frisch aufgebrüht längst nicht nur in den eigenen CBW-Tassen landete, war gelegt. Im vergangenen Jahr wurden – mittlerweile in einem deutlich größeren Röster – sieben Tonnen Kaffee geröstet. Die Arabica- und Robusta-Bohnen kommen aus Peru, Brasilien und Uganda. Die Herkunftsgeschichte ist klar, das Produkt fair gehandelt. Die Mischungen heißen „Adalar“, „Abundis“, „Spökes“ oder „Leckerschen“. Kunden sind vor allem andere Caritas-Einrichtungen und Verbände, aber auch Unternehmen, die neben dem Geschmack auch Wert auf soziale Aspekte legen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat die CBW ein Pfandsystem für Bohnen-Behälter eingeführt. „Wir wollen keine exorbitanten Gewinne erzielen, sondern die Kaffeebauern unterstützten“, sagt Dirk Leifeld.
Exakt aus diesem Grund passt der neue Spitzen-Kaffee, der bald unter dem Namen „Matituy“ zur Verfügung steht, perfekt ins Portfolio. Die handverlesenen Bohnen stammen aus Kolumbien, dem Partnerland des Bistums Aachen, wo sie von Kleinbauern in den Höhen der Anden im Einklang mit der Natur angebaut werden. CBW-Geschäftsführer Michael Doersch, Dirk Leifeld und Diözesan-Caritasdirektor Stephan Jentgens nahmen im vergangenen Jahr an einer Reise in das Bistum Pasto teil und knüpften Kontakte. Die Partner-Organisation des Diözesan-Caritasverbandes begleitet in Kolumbien Genossenschaften von Kaffeebauern, um für sie faire Preise unter Weltmarktbedingungen herauszuhandeln. „Wir haben den Kaffee ausprobiert und wussten sofort: Der ist super, den bekommen wir geröstet“, blickt Dirk Leifeld zurück. Es folgten Verhandlungen unter Einbeziehung der Sozialpastoral in Pasto, eine Probe-Lieferung inklusive Test-Röstung und Verkostung, und letztlich: ein Handschlag unter neuen Geschäftspartnern. Der erste Übersee-Container mit 20 Tonnen Kaffeebohnen ist eingeschifft und soll in sechs bis acht Wochen eintreffen. Das Interesse an „Matituy“ als Espresso und Premium Arabica ist bereits groß.
„Die Partnerschaft steht für fairen Austausch, gegenseitiges Lernen und gemeinsame Verantwortung“, freut sich Dirk Leifeld auf die „heiße Phase“. Apropos heiß: Bis zu 25 Tonnen pro Jahr können locker mit dem aktuellen Röster und zwei Teams bewältigt werden. Platz für eine zweite Röst-Linie gibt es auch. Und mit jeder Tasse „Matituy“ profitieren die Familien der fair bezahlten Kaffeebauern in Kolumbien.

