Zum Inhalt springen

Pastoraler Raum Krefeld berät sich zu Immobilien:Immobilienkonzept: Welche Gebäude brauchen wir?

Der Pastorale Raum Krefeld-Meerbusch prüft seinen Gebäudebestand: 39 Kirchen und Pfarrheime mit 570.000 Kubikmetern für rund 90.000 Gläubige.
250 Besucherinnen und Besucher informierten sich über die Pläne zum Immobilienkonzept des Pastoralen Raumes Krefeld-Meerbusch in der Kirche St. Thomas Morus. Bis zum Frühjahr 2027 soll das Konzept stehen.
Datum:
Fr. 21. Aug. 2026
Von:
Chrismie Fehrmann

Krefeld und der Teil Meerbuschs, der zum Bistum Aachen gehört, haben sich vor Kurzem mit ihren zehn Kirchengemeinden zum Pastoralen Raum zusammengeschlossen, ein Leitungskreis hat sich gefunden. Ziel ist die sichere seelsorgerische Betreuung und kirchliche Zusammenarbeit mit thematischen Schwerpunkten. Jetzt steht das erste Arbeitsfeld auf der Tagesordnung: Nichts Geringeres als der gesamte Kirchenraum steht auf dem Prüfstand.

Anders ausgedrückt: Im Pastoralen Raum Krefeld-Meerbusch gibt es 39 Kirchen plus Pfarrheime in zehn Kirchengemeinden und damit 570.000 Kubikmeter umbauten Kirchenraum für etwa 90.000 Gläubige.

In der heutigen Zeit ist die Unterhaltung hierfür ein immenser Aufwand und nicht mehr zu stemmen. Deshalb werden die Verantwortlichen im Pastoralen Raum Krefeld-Meerbusch und der zugehörige Kirchengemeindeverband in Kooperation mit den Kirchengemeinden ein neues Immobilienkonzept aufstellen.

Im Kern geht es um die Frage, welche pastoral und liturgisch genutzten Gebäude zukunftsfähig sind. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2027 stehen und vorgestellt werden. Ein ziemlich sportlich anmutendes Ziel. „Aber wir fangen ja nicht bei null an“, betont David Grüntjens, Stadtpfarrer an St. Dionysius und Leitender Pfarrer des Pastoralen Raums, dem größten im Bistum.

Die Fragen lauten: Wie viele Kirchen werden künftig wie genutzt? Wie sieht es mit den Pfarrheimen aus? Wie sehr das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte die große Zahl der Besucherinnen und Besucher, die zur ersten Zusammenkunft, einer so genannten Kick-off-Veranstaltung, in der Kirche St. Thomas Morus zusammenkam. Grüntjens: „Wir möchten mit Kirchen und Pfarrheimen in die Zukunft gehen, die tragbar, handlungsfähig und finanzierbar sind. Es hängt viel Herz der Gläubigen an den Gebäuden, es wird für alle herausfordernd sein.“ Er betont: „Es ist noch nichts entschieden. Wir sitzen hier nicht, damit der Letzte das Licht ausmacht. Wir werden in den nächsten Wochen viel sprechen. Dieser Umbruch ist eine Chance und kann einen begeisternden Anfang bilden. Dies ist keine Floskel.“ Dennoch: Die Umsetzung des Immobilienkonzeptes wird das kirchliche Leben im Pastoralen Raum drastisch verändern und prägen. Nicht nur die Kirche, sondern auch das Aussehen der Städte wird sich stark verändern. Wie der Weg zur Realisierung bis zum Frühjahr 2027 aussehen soll, erfuhren die rund 250 Anwesenden – zumeist Haupt- und Ehrenamtliche oder Mitarbeiter aus kirchlichen Gremien – bei der jüngsten Veranstaltung. Alle Interessierten, die sich über diesen Prozess informieren wollen oder sogar zur Mitarbeit am Konzept bereit sind, waren eingeladen. Sie können den notwendigen Prozess durchaus nachvollziehen und wollen ihn mitgehen, so lautet die allgemeine Tendenz. Mit Max Niehoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Cambium Beratungsgesellschaft, wurde ein externer Experte beauftragt. Er erläuterte die Kriterien für erhaltungswürdige Gebäude. „Sie müssen pastoral sinnvoll sein, finanzierbar und tragfähig, subsidiär und standardisiert, nachhaltig, realistisch und verbindlich.“

Merkmale beim Blick auf die Kirchen und Pfarren sollten Fragen stellen nach Architektur, Alleinstellung, Strahlkraft, Flexibilität, dem Bedarf von Kindern und Jugendlichen, Netzwerk-Charakter und Gerechtigkeit. Bereits jetzt hat sich eine Kerngruppe von etwa 20 Leuten konstituiert, die eng an der Lösungsfindung mitarbeitet. Weitere acht Arbeitsgemeinschaften werden nun gebildet, die vor Ort Perspektiven für Gebäude und Beschlussvorlagen erarbeiten. Sie kommen beispielsweise aus St. Christophorus, St. Augustinus, Maria Frieden, Papst Johannes XXIII. und der Pfarrei Hildegundis von Meer, Meerbusch. Es gebe auch die Möglichkeit, Kirchen neue Bestimmungen zu geben, erklärt Niehoff weiter. Aber: „Sonderlösungen benötigen viel Arbeit.“ Einige katholische Kirchen in Krefeld haben sich bereits verändert. So gravierend wie jetzt waren die Veränderungen jedoch noch nie. Beispiele für vollzogene Veränderungen sind die Kirchen St. Mariä Himmelfahrt in Linn, die zur Grabeskirche umgebaut wird. St. Norbertus am Blumenplatz ist heute ein Wohnhaus. St. Antonius wurde abgerissen. Die Kirche St. Franziskus lebt als St. Barbara als russisch-orthodoxe Kirche, weiter. Die katholische und evangelische Gemeinde in Gartenstadt nutzen das ökumenische Gotteshaus Pius-Lukas gemeinsam. In St. Martin wird Wohnraum entstehen.

Die 250 Besucherinnen und Besucher trafen sich nach den Ausführungen dann zum ersten konstruktiven Meinungsaustausch. Cornelia Binder, Ehrenamtliche in Papst Johannes XXIII., sagt: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Musik- oder die Hochschule in die Kirchen ziehen.“ Der Vorschlag brachte Kopfnicken.

Simon Gietz ist Vorstand beim Sozialdienst katholischer Männer. „Wir sind ein Teil von Kirche. Ich bin über die Vorgänge erschüttert, weiß aber auch, sie gehören zur Realität. Es muss zielgerichtete Angebote geben. Wir haben jetzt die Chance, uns weiterzuentwickeln und weiterzubestehen.“ Was bleiben muss: „Kirche müssen wir weiter wahrnehmen als Ort von Sicherheit und Wertevermittlung.“

„Orte von Kirche sind Orte, an denen sich Menschen zusammenfinden, um ihren Glauben zu leben. Sie sind nicht an eine räumliche Zuordnung wie einen Kirchturm gebunden, sondern bieten einen kreativen Kraftort für eine sinnstiftende Begegnung von Menschen mit dem Evangelium. Neben tradierten und traditionellen Orten entstehen immer wieder neue und innovative Orte, an denen Menschen Glauben erfahren und leben können.“ So lautet ein Beschluss des Synodalkreises im Bistum Aachen.

 

Immobilien in Krefeld

3 Bilder

Beispiele für bereits umgenutzte Kirchen: St. Norbertus am Blumenplatz.

In St. Martin in der Ispelsstraße sollen Wohnungen entstehen.

Aus der katholischen Kirche St. Franziskus in der Wielandstraße wurde St. Barbara, die von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt wird. (von links nach rechts)