„Hören Sie nicht auf, Brücken zueinander zu bauen“

Bischof Dr. Helmut Dieser ruft in seiner Predigt an Allerheiligen zu einer friedlichen Lösung im Konflikt um den Hambacher Forst auf

Bischof Dr. Helmut Dieser (c) Domkapitel Aachen / Andreas Steindl
Bischof Dr. Helmut Dieser
Fr., 2. Nov. 2018
iba

Aachen, (iba) – Erneut hat Bischof Dr. Helmut Dieser gefordert, den Konflikt im Hambacher Forst friedlich zu lösen.

In seiner Predigt an Allerheiligen im Aachener Dom appellierte er: „Ich stelle mich im Konflikt um den Hambacher Forst nicht nur auf eine Seite. Ökologie und Ökonomie und Sozialer Ausgleich müssen zusammen weiter voran gebracht werden! Dazu helfen uns aber keine symbolischen Schlachten und Gegendemonstrationen, sondern nur gute Gespräche und wechselseitige Zugeständnisse. Zu allen möchte ich sagen. Versteigen Sie sich nicht zu Beleidigungen, Ehrabschneidungen und Gewalt!“

Der „Kampf um den Hambacher Forst“ spiegele als dramatisches Beispiel quasi vor unserer Haustüre die starke Polarisierung der Gesellschaft wieder. „Dieses letzte Stück Wald ist übrig geblieben von einem einst sehr großen Waldgebiet, dem Bürge-Wald. Es ist aber zum Symbol geworden, in dem alle aktuellen Fragen aufeinander prallen: Wie kommen wir zu einer Energiewirtschaft, die die Natur nicht zerstört und die zugleich verlässlich und bezahlbar bleibt und den Menschen nicht ihr Brot und ihre Heimat, aber auch nicht ihre Ehre und ihr Wertgefühl nimmt“, fragte der Aachener Bischof. Im Hambacher Wald habe sich alles zugespitzt. Mit klaren energiepolitischen und wirtschaftlichen Argumenten versuche die eine Seite, die Rodungen des Waldes fortzusetzen. Dagegen gebe es wiederum juristische Eilentscheidungen. „Die eine Seite beschimpft die andere. Unter sehr starken Druck geraten besonders die Polizeibeamten, die im Hambacher Forst eingesetzt sind, und die Angestellten in der Braunkohleindustrie mit ihren Familien: Sie stehen scheinbar auf der falschen Seite. Die Gefahr ist groß, dass Beleidigungen und Schmähungen, tätliche Angriffe und Erniedrigungen, ja Gewalt daraus hervorgehen“, warnte Bischof Dieser. Die Seite der Umweltaktivisten sei auf dieser Eskalationsspirale schon weit voran. Anwohner vor Ort haben die Nachteile zu tragen. Vom Leid der Umsiedler werde kaum gesprochen.

Doch um was wird da eigentlich gekämpft? In vielen polarisieren Positionen gehe es längst nicht mehr nur um Ökologie und Ökonomie, um Profit und Schöpfungsverantwortung oder um Nation und Globalisierung. Denn darüber könnte man ja sachlich sehr differenziert und wissenschaftlich abgesichert reden. „Obwohl es eigentlich um Biologie, um Wirtschaft und Politik geht, wirken die Kämpfe unserer Tage so, als drehten sie sich um viel mehr, um letzte Wahrheiten und um letztverbindliche Haltungen“, so der Aachener Bischof weiter. Doch wie gehen Wahrheit und Kompromiss zusammen? „Das Eine, was wir heute unbedingt brauchen, ist Weisheit, das Andere die Tugend. Weise sein meint den richtigen Blick gewinnen für das Ganze: also auch für die Anderen und deren Situation. Und tugendhaft sein meint: den richtigen Umgang damit üben in allen Dingen. Zur Weisheit gehört es aber, dass es überall Wahrheit gibt und geben kann. Und zur Tugend gehört es, nicht nur die eigene Wahrheit, sondern auch die der anderen gelten zu lassen, und das heißt: nicht aufhören, die Brücken zueinander zu suchen!“ Nur einen Bereich gebe es, in dem die Wahrheit unendlich größer sei als jeder von uns und wir alle zusammen: Das allein ist Gott. „Wir leben in einer Lebensgemeinschaft untereinander als soziale Wesen, aber auch mit Land, Meer und Bäumen als ökologische Mitgeschöpfe. Wer der Schöpfung Schaden zufügt, zerstört auch das Menschenleben, wer Menschen erniedrigt, ausbeutet und um ihr Leben bringt, zerstört die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens“, betonte Bischof Dr. Helmut Dieser. (iba/Na 085)