Fotoausstellung in der Citykirche Aachen:Gut. Katholisch. Queer.

Aachen. Es sind beeindruckende Bilder von beeindruckenden Persönlichkeiten: Im Januar 2022 haben sich mit der Kampagne "#outinchurch - für eine Kirche ohne Angst" 125 Christinnen und Christen öffentlich geoutet. Der Kölner Fotograf Martin Niekämper hat viele von ihnen für seine Ausstellung "Gut.Katholisch.Queer" porträtiert. Das Bistum Aachen präsentiert die Fotografien jetzt bis Freitag, 29. Mai, in der Citykirche Aachen.
"Hinter dem Thema 'Queere Menschen in der katholischen Kirche' stehen Einzelschicksale und Menschen", sagt Martin Niekämper. In der Ausstellung werden sie mit ihren ganz persönlichen Geschichten gezeigt. Die Bilder zeigen die porträtierten in Nähe und Distanz, in Licht und Schatten, erzählen Geschichten von Menschen, die ihre Liebe teilweise über Jahrzehnte verbergen mussten, weil sie für die katholische Kirche arbeiteten. Die Kampagne #outinchurch hat sie ins Licht gerückt, Martin Niekämper macht sie in seinen Fotografien weiter sichtbar.
Warum diese Menschen dennoch in der Kirche geblieben sind? "Vielleicht ist es gerade der Wille zur Veränderung zu sagen: Ich gehe hier nicht raus. Wie kann ich in der Kirche etwas verändern, wenn ich nicht in der Kirche bin? Das ist auch die Motivation von #outinchurch. Es sind alles sehr gläubige Menschen, die im kirchlichen Kontext arbeiten. Die wollen in der Kirche bleiben und durch ihr Wirken Veränderungen herbeiführen. Wenn sie rausgehen, was haben sie dann davon? Dann ändert sich nichts. Es ist eine innere Motivation trotz der Widerstände", betont Martin Niekämper.
Vielfalt als Bereicherung
Mit #outinchurch hat sich vieles verändert: Ein novelliertes kirchliches Arbeitsrecht (2023 im Bistum Aachen in Kraft getreten) erkennt Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen explizit als Bereicherung an. Mit der neuen Grundordnung können alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabhängig von ihren konkreten Aufgaben, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem Alter, ihrer Behinderung, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identität und ihrer Lebensform Repräsentantinnen und Repräsentanten der unbedingten Liebe Gottes und damit einer den Menschen dienenden Kirche sein. Die private Lebensgestaltung spielt dabei keine Rolle. Dennoch bleibt viel zu tun, sagt Ramona Kielblock, Vorstandsmitglied OutInChurch: „Das gemeinsame Coming-out 2022 markiert zweifelsfrei einen Wendepunkt - für die römisch-katholische Kirche und für viele ihrer queeren Mitglieder ganz persönlich. Seitdem kreuzen sich, wie auch schon lange Zeit davor, Hoffnung und Enttäuschung. Queere Menschen werden in unserer Kirche nach wie vor diskriminiert, und das verursachte Leid findet kaum Anerkennung und Aufarbeitung. Die Ausstellung verliert somit nicht an Aktualität, sondern erinnert immer wieder daran, wie viel noch zu tun ist.“
Segnungen für Paare, die sich lieben
Zudem können alle Paare, die sich lieben, im Bistum Aachen unabhängig von ihrem Familienstand oder ihrer sexuellen Orientierung eine Segensfeier erhalten. Bischof Dr. Helmut Dieser hat sich die Handreichung der Gemeinsamen Konferenz der Deutschen Bischofskonferenz „Segen gibt der Liebe Kraft. Segnungen für Paare, die sich lieben“ zu eigen gemacht und im Oktober 2025 zur pastoralen Leitlinie für das Bistum Aachen erklärt.
Darüber hinaus soll zeitnah eine Referentin oder ein Referent für Queerseelsorge im Bistum Aachen seinen Dienst antreten. Die Stelle - eine Weiterentwicklung des bisherigen Konzepts Seelsorge mit homosexuellen Menschen - sichert und entwickelt eine diskriminierungsfreie, respektvolle und würdige Seelsorge für und mit queeren Menschen.
„Unsere Kirche will kein abgeschlossener Raum sein, sondern eine offene Gemeinschaft, die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit willkommen heißen möchte. Diese Ausstellung lädt deshalb dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und Brücken zu bauen. Und sie fordert uns in der Auseinandersetzung heraus, bestehende Muster zu überdenken und gemeinsam Schritte in Richtung einer inklusiveren Seelsorge zu gehen", betont Generalvikar Jan Nienkerke, der alle Interessierten einlädt, die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Citykirche Aachen zu besuchen.
Bereits im Februar machte die Ausstellung Station im Bistum Aachen und war in der Citykirche in Mönchengladbach zu sehen. Zum Start der Ausstellung führte die Kirchenzeitung für das Bistum Aachen ein Interview mit Martin Niekämper: