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Studie zur Generation Z:Forscher warnt vor wachsender Radikalisierung junger Menschen

Generation Z im Wandel: Neue Studien zeigen wachsende Unsicherheit und konservativere Haltungen – besonders bei jungen Männern.
Datum:
Di. 19. Mai 2026
Von:
Kirchenzeitung Aachen

Aachen. Der Soziologe und Meinungsforscher Robert Grimm warnt vor einer deutlichen politischen und gesellschaftlichen Verschiebung innerhalb der Generation Z. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten, eines bröckelnden Wohlstandsnarrativs und veränderter Arbeitsmarktbedingungen könne sich die zwischen 1996 und 2010 geborene Generation „viel stärker radikalisieren, als wir heute erahnen“. Im Gespräch mit der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen beschreibt Grimm eine besonders auffällige Abkehr von liberalen Werten sowie eine zunehmende Hinwendung zu konservativen Positionen – insbesondere bei jungen Männern.
Ausgangspunkt der Analyse ist eine internationale Ipsos-Umfrage in 29 Ländern zu Gleichstellung, Rollenbildern und gesellschaftlichen Einstellungen. In Deutschland zeigt sich dabei eine deutliche Geschlechterlücke: Männer der Generation Z vertreten laut Grimm häufiger traditionelle Auffassungen zur Rollenverteilung als ältere Generationen.

Veränderte Rahmenbedingungen

Grimm führt diese Entwicklung unter anderem auf veränderte Rahmenbedingungen zurück. Während die Gen Z in vielen westlichen Ländern in einer Phase wirtschaftlicher Stabilität und gesellschaftlicher Offenheit aufgewachsen sei, hätten sich die Perspektiven inzwischen deutlich verschlechtert. Der Arbeitsmarkt sei durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Umbruch, klassische Einstiegsjobs für Akademiker verschwänden zunehmend. Gleichzeitig wachse die Sorge vor sozialem Abstieg, einem schwächeren Wohlfahrtsstaat und längeren Lebensarbeitszeiten.
Diese Unsicherheiten spiegelten sich auch in politischen Einstellungen wider. Themen wie Inflation, Migration, Kriminalität und geopolitische Konflikte rückten zunehmend in den Fokus, während etwa der Klimaschutz an Bedeutung verliere. „Die wirtschaftlichen Sorgen treten stärker in den Vordergrund – auch bei jungen Menschen“, so Grimm.
Besonders junge Männer fühlten sich dabei zunehmend unter Druck. Grimm spricht von einem Spannungsfeld zwischen Gleichstellungspolitik und Identitätssuche: Maskulinität werde häufig negativ dargestellt, während gleichzeitig Erwartungen an Männer bestehen blieben. Dies könne dazu führen, dass sich junge Männer benachteiligt fühlten und nach neuen Orientierungsmustern suchten.

Breite gesellschaftliche Verschiebung

Insgesamt beobachtet Grimm eine breitere gesellschaftliche Verschiebung. Die bislang dominierenden linksliberalen Positionen würden zunehmend hinterfragt, Debatten über Migration, Sozialstaat und Gleichstellung offener geführt. Diese Entwicklung sei Teil einer generellen Gegenbewegung: „Jede Generation grenzt sich von der vorherigen ab. Wenn das Establishment sehr liberal ist, wird die Gegenbewegung eher konservativ.“
Die Ergebnisse zeigen laut Grimm, dass sich politische und gesellschaftliche Dynamiken zunehmend international angleichen. Entwicklungen wie Rechtspopulismus oder Kulturkonflikte seien längst keine nationalen Phänomene mehr, sondern würden sich global gegenseitig verstärken.