Offene Jugendarbeit in Düren:Die Jugend von heute? Lässt sich nach wie vor begeistern!

Düren. Nach 36 Jahren in der Offenen Jugendarbeit geht Elmar Decker, Leiter des Dürener Roncalli-Hauses, in den Ruhestand. Ein Rückblick auf Höhen, Tiefen und Konstanten.
Frisch aus dem Studium rein in die Arbeitslosigkeit? Für seine Generation war das leider kein Einzelfall. Richtig rosig sah es für Studentinnen und Studenten der Sozialen Arbeit jedenfalls nicht aus. Als Elmar Decker 1990 eine Stelle in Düren fand, war das durchaus Glück. Auch wenn der Aachener damals nach zwei Tagen schon die Schnauze voll hatte: „Hier bleibst du keine zweite Woche“, dachte er sich auf dem Weg vom Roncalli-Haus der Pfarre St. Josef zurück nach Hause. Heile Welt – das gab es nie, auch 1990 nicht in Düren. „Das Roncalli-Haus hatte einen gewissen Ruf“, sagt Decker. Nicht zuletzt dem Einsatz und der Fürsprache einzelner Menschen sei es zu verdanken, dass Elmar Decker dem Ganzen eine Chance gab. Ein Glücksfall für die Jugendlichen. 36 Jahre blieb der Sozialarbeiter in der Offenen Jugendarbeit. Im August verabschiedete er sich in den Ruhestand.
Schon mit Blick auf die Rahmenbedingungen wurde es in 36 Jahren nicht langweilig: St. Josef wurde Teil der Großpfarre St. Lukas, St. Lukas wurde Teil des noch größeren neuen Pastoralen Raumes, das Roncalli-Haus selbst verschwand, um „nebenan“ neu errichtet zu werden, kleiner, den neuen Umständen angepasst. Dann gab es noch (welt-)politische und gesellschaftliche Entwicklungen, die stets auf die Jugendarbeit im Stadtteil durchschlugen: Mitte der 1990er Jahre suchten sich die sogenannten „Russlanddeutschen“ das Roncalli-Haus als ihre Zuflucht aus. Die Adresse war auch der Polizei bekannt. „Das war ein Hammer, eine echt anstrengende Zeit. Aber durch den hohen Bedarf gab es eine zweite Stelle im Haus“, blickt Elmar Decker zurück. Doch er hielt die Tür offen, sah Generationen kommen und wieder gehen. Viele Besucher wurden ehrenamtliche Helfer, arbeiteten mit, halfen anderen dabei, ihre Rolle in der Gesellschaft zu finden. Manchmal klappt das, manchmal nicht. „Das ist Teil der Realität meines Berufs“, sagt Decker.
Es mache die Seele von Jugendeinrichtungen aus, dass sie „Optionen für Benachteiligte“ bieten, findet Elmar Decker. Zerrüttete Familien, schwierige finanzielle Verhältnisse, Migrationsgeschichten: „Für diese Kinder und Jugendlichen bin ich eigentlich da. Das war schon immer so“, sagt er. Das wichtigste „Produkt“ der offenen Jugendarbeit: das personelle Angebot, der einzelne Mensch, der mit der Zeit im Idealfall zum Ansprechpartner wird, zu dem Vertrauen aufgebaut wird. Ein mitunter mühevoller und zeitaufwendiger Prozess, oft steinig, nicht immer erfolgreich. „Ich bin da, ohne dass ich ständig Druck ausübe, Forderungen stelle, Erwartungen habe. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, hier hinzukommen. Sie können das tun, wozu sie Lust haben, sich an Projekten beteiligen oder es lassen.“ Diese Offenheit mache die Jugendarbeit aus.

