Rahmenkonzept erfordert einen gemeinsamen Haltungswandel:Diakonisches Handeln „geht uns alle an“

Diakonisches Handeln ist kein Zusatzauftrag, der abseits von Liturgie und Verkündigung geschieht, sondern ein Grundvollzug der Kirche selbst. Das Rahmenkonzept Diakonische Verantwortung, das im April im Kirchlichen Anzeiger für das Bistum Aachen veröffentlicht wurde, macht deutlich, dass Diakonie nur dann glaubwürdig und zukunftsfähig wird, wenn sie als gemeinschaftliche Aufgabe aller verstanden wird. So heißt es in dem Papier: Diakonisches Handeln „geht uns alle an“ und kann „nachhaltig nur gemeinsam und auf allen ihren Ebenen gelingen“. Damit ist ein Haltungswandel verbunden, der Diakonie nicht länger als ein Feld von Fachleuten begreift. Stattdessen ist sie als Auftrag zu verstehen, der Haupt- und Ehrenamtliche gleichermaßen betrifft.
Dieser Perspektivwechsel zeigt sich besonders in einer engeren Verzahnung von pastoraler Arbeit und Caritas. Die bisherige Trennung der Fachbereiche soll überwunden werden zugunsten eines Blicks auf den ganzen Menschen in seinen vielfältigen Lebenslagen – von Arbeitslosigkeit über Krankheit bis hin zu Trauer oder Einsamkeit. Eine sogenannte Tandem-Lösung soll sicherstellen, dass pastorale und caritative Akteure gemeinsam handeln, sich gegenseitig stärken und ihre Kompetenzen bündeln. Ganzheitlichkeit wird damit zum Leitmotiv: Die Pastoralstrategie des Bistums fordert, Bedürfnislagen komplex wahrzunehmen und den Dienst für und mit den Menschen als existentiellen Vollzug der Kirche zu begreifen.
Eine besondere Rolle kommt bei der Umsetzung des Rahmenkonzepts dem Ehrenamt zu. Freiwilliges Engagement ist nicht nur eine Ressource, sondern eine tragende Säule diakonischer Praxis. Viele Menschen suchen Sinn, Wirksamkeit und Räume, in denen sie ihren Glauben leben können. Damit sie Verantwortung übernehmen können, braucht es klare Zuständigkeiten, Begleitung, Qualifizierung und eine Kultur der Wertschätzung. Das Rahmenkonzept betont, dass Freiwillige einen „unersetzlichen Beitrag“ leisten und Anspruch auf einen unterstützenden Rahmen haben. Gleichzeitig wird das Pastoralpersonal in den kommenden fünf bis zehn Jahren deutlich zurückgehen, sodass neue Wege gefunden werden müssen, um die diakonische Arbeit in den 44 Pastoralen Räumen zu sichern. Erste Pilotprojekte – etwa in Krefeld – zeigen, wie Ehrenamtskoordination vor Ort funktionieren kann.
Zugleich enthält das Konzept einen klaren Prüfauftrag: In ein bis zwei Jahren soll die Umsetzung evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden.