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Interview:„Der Glaube trägt, auch wenn plötzlich alles kippt“

Nach einer persönlichen Krise entdeckt Jürgen Beckers neu, was ihn trägt: Gebet, Optimismus und Gelassenheit – und natürlich eine gute Portion Humor.
Jürgen Becker Hausmann
Datum:
Di. 6. Okt. 2026
Von:
Abteilung Kommunikation

Aachen. Ein schwerer persönlicher Einschnitt hat den Kabarettisten Jürgen Beckers dazu gebracht, sein Leben und seinen Glauben neu in den Blick zu nehmen. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch und einem Klinikaufenthalt fand er zum Gebet zurück und entdeckte neu, was ihn trägt: „Gebet, Optimismus und Gelassenheit“, sagt Beckers im Interview zur Jubiläumsausgabe "Was uns trägt - 80 Jahre Kirchenzeitung für das Bistum Aachen". Zugleich plädiert er für mehr Leichtigkeit in der Kirche, für Menschlichkeit und Demut in der Gesellschaft und für eine Kirche, die im Alltag der Menschen präsent ist und Position bezieht.
„Ich habe in der Klinik noch mal neu gelernt zu beten“, berichtet der Kabarettist. Das Gebet sei für ihn zu einem persönlichen Gespräch mit Gott geworden. Die Krise habe ihm zudem geholfen, sich erstmals seit Jahrzehnten bewusst mit sich selbst auseinanderzusetzen – unabhängig von seinen Rollen als Vater, Ehemann, Lehrer oder Kabarettist. Seine Prioritäten hätten sich dadurch verändert: Heute sage er auch einmal einen Termin ab und verbringe stattdessen Zeit mit seinen Kindern.


Einfach und unmittelbar
Seinen Glauben beschreibt Beckers als einfach und unmittelbar. Gott sei für ihn jemand, bei dem er sich geborgen fühle, dem er seine Anliegen vortragen und dem er auch Danke sagen könne. Zugleich gehöre für ihn zum christlichen Glauben unbedingt die Nächstenliebe und Toleranz. „Das fängt aber schon auf der Erde an mit Nächstenliebe und Toleranz“, sagt er.
Auch für seinen Humor spielt der Glaube eine wichtige Rolle. „Der Glaube braucht auch Humor, um die Menschlichkeit zu behalten“, betont Beckers. Humor dürfe allerdings niemals verletzend sein. Besonders wertvoll sei für ihn, wenn Menschen, die Krankheit, Trauer oder andere schwere Erfahrungen erlebt hätten, nach einem Auftritt sagten, sie hätten zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gelacht.
Mit Blick auf die Kirche wünscht sich Beckers mehr Fröhlichkeit und Leichtigkeit in den Gottesdiensten. Das gemeinsame Feiern, Beten und Singen müsse auch als etwas Schönes und Verbindendes erfahrbar sein. Zugleich sieht er die Kirche angesichts gesellschaftlicher Spannungen in der Pflicht: Sie müsse zeigen, dass sie für die Menschen da sei, helfe und auch Position beziehe.


Gerade angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sieht Beckers im christlichen Menschenbild eine wichtige Orientierung. Demut, Menschlichkeit und Bescheidenheit seien Werte, die der Gesellschaft heute fehlten. Humor könne zudem helfen, autoritäre und rechtsextreme Tendenzen zu entlarven: „Diktatoren haben immer Angst vor Humor, weil er sie entlarvt.“
Was ihn heute trägt, fasst Beckers so zusammen: „Gebet, Optimismus und Gelassenheit“. Und auf die Frage, was mit dem Humor sei, antwortet er knapp: „Humor ist selbstverständlich!“