Demokratie ist Garant für geistlichen und politischen Freiraum

Jahresempfang des Katholischen Büros NRW mit Aachener Bischof

Jahreseröffnungsgottesdienst Kath. Büro (c) Nicole Cronauge
Jahreseröffnungsgottesdienst Kath. Büro
Di 16. Jan 2018
iba
Düsseldorf, (iba) – Der Aachener Bischof Dr. Helmut Dieser hat am 16. Januar, gemeinsam mit den fünf Generalvikaren in Nordrhein-Westfalen, den Jahreseröffnungsgottesdienst mit der Politik in der Kirche St. Maximilian in Düsseldorf gefeiert.
Jahreseröffnungsgottesdienst Kath. Büro (c) Nicole Cronauge
Jahreseröffnungsgottesdienst Kath. Büro

Wie in jedem Jahr hatte das Katholische Büro NRW in der ersten Sitzungswoche des Jahres Vertreter des Landtags, der Ministerien, der gesellschaftlichen Gruppen und der fünf (Erz-)Bistümer zu einem Gottesdienst und anschließendem Empfang eingeladen.

Der Aachener Bischof erinnerte an die öffentlichen Diskussionen nach Weihnachten: Wie politisch dürfen Predigten sein? Die Kirche mische sich in Dinge ein, für die sie kein Mandat habe und vernachlässige dabei ihre eigentliche Aufgabe, lautete einer der Vorwürfe. Und umgekehrt: Die Politik beschränke die ihr unbequeme Freiheit der Meinungsäußerung. Dabei passen gerade Glaube und Demokratie zusammen: „Nur der Glaube kann und darf die existentiellen Wahrheiten des Menschseins deuten, der Staat hat dafür keine eigenen Deutungsquellen. Darum muss die Politik die religiösen Deutungen des Menschseins schützen", forderte der Aachener Bischof. „Ich bin überzeugt: die Demokratie und ihre unverhandelbaren Grundrechte für jeden Menschen gewähren diesen geistlichen und politischen Freiraum am allerbesten. Für Gläubige, Andersgläubige und Nichtgläubige", betonte Dieser. Die Heilige Schrift zeige schließlich einen Gott, der in die Geschichte eingreift und selber Geschichte macht: „Die Krise der Kirche und ihrer Verkündigung in unserem Land hat auch damit zu tun: Was bringt mir das denn, ob es Gott gibt oder nicht? Wenn Gott nicht existentiell relevant ist, hat er weniger Bedeutung als Wellness, Design oder Marketing, deren Gesetzen wir alle tagtäglich unterliegen und folgen", sagte der Aachener Bischof.

Auch für Christen, so Bischof Dieser, lohne es sich, das Verhältnis zwischen dem Politischen und dem Geistlichen immer wieder aus den Quellen des Glaubens heraus auszuloten. Vor 1918 herrschten die Kaiser sozusagen mit Gottes Gnade. Die Idee des Gottesgnadentums hat sich in Deutschland aber seit dem Sturz der Throne politisch erledigt. „Wer immer seitdem damit Politik machen will, steht in der verheerenden Gefahr, sich bewusst oder unbewusst selber an Gottes Stelle zu setzen und damit das Geistliche zu zerstören", mahnte Bischof Dieser. Zwei Jahrzehnte nach dem Kaiserreich und nach Weimar habe „ein gottloser Diktator das in Deutschland getan, wenn er im Blick auf sich selbst von der Vorsehung sprach."

Und heute? „Heute erleben wir, aus anderen religiösen Quellen missbräuchlich gespeist, eine andere verheerende Spielart dieser Perversion: wenn islamistische Terroristen im Namen Gottes quälen, morden und die Menschenwürde mit Füßen treten." Unverzichtbar, so Bischof Dieser weiter, sei ihm aber eine tiefe Hoffnung und Mahnung: „Ich hoffe, dass der Dialog von Christen und Muslimen in unserem Land und in den Demokratien Europas auch dazu führt, dass die europäischen Muslime mit uns dafür eintreten, dass auch in mehrheitlich muslimischen Ländern den Christen und anderen religiösen Minderheiten Religionsfreiheit geschenkt wird und die Diskriminierung und die schrecklichen Verfolgungen und Vertreibungen aufhören und Rückkehrrechte durchgesetzt werden."

Beim anschließenden Empfang im Düsseldorfer Maxhaus begrüßte Pfarrer Dr. Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros, die Gäste. Unter ihnen Landtagspräsident André Kuper, der ungarische Generalkonsul Balazs Szegner, Minister aus der Landesregierung sowie Vertreter aus dem Landtag. Hamers erinnerte an den internationalen Tag des Friedens, der vor 50 Jahren zum ersten Mal begangen wurde. Frieden, so Hamers weiter, sei auch das Motiv des Katholikentages, der im Mai dieses Jahres in Münster stattfindet. Er steht unter dem Leitwort „Suche Frieden" - ein Wort aus dem 34. Psalm „In dem Psalm ist die Suche nach Frieden ein wesentlicher Aspekt für ein gutes, erfülltes Leben mit Gott und mit den Menschen. Daher: Suche Frieden – und kommt nach Münster. An dieser Stelle eine herzliche Einladung zum Katholikentag nach Münster!", betonte Hamers. Frieden, so Hamers weiter, sei auch eine der große Errungenschaften Europas: „Lassen wir uns als Christen in die Pflicht, in die Verantwortung nehmen, aus dem Geist des Evangeliums heraus an einem einigen, friedlichen Europa zu bauen, an einem Europa, dessen archimedischer Punkt die transzendente und unveräußerliche Würde des Menschen ist." (iba/Na 003)

Jahreseröffnungsgottesdienst Kath. Büro (c) Nicole Cronauge
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