Barbara eint Bergleute und Soldaten
Traditioneller Gottesdienst am Freitag, 4. Dezember, um 10 Uhr im Bergbaumuseum Mechernich ist für alle Gläubigen zugänglich – Militärpfarrer Lars Spohr ist Hauptzelebrant, sein evangelischer Amtskollege Heiko Schulz zu Gast – Männergesangverein Vussem unter Heinz Sistig, in dem einige Stimmen aus dem aufgelösten MGV Mechernich mitsingen, übernimmt die musikalische Gestaltung

Traditioneller Gottesdienst am Freitag, 4. Dezember, um 10 Uhr im Bergbaumuseum Mechernich ist für alle Gläubigen zugänglich – Militärpfarrer Lars Spohr ist Hauptzelebrant, sein evangelischer Amtskollege Heiko Schulz zu Gast – Männergesangverein Vussem unter Heinz Sistig, in dem einige Stimmen aus dem aufgelösten MGV Mechernich mitsingen, übernimmt die musikalische Gestaltung

Mechernich – Sie passt zu Mechernich wie Schlägel und Eisen, Bleiberg und Bergmannsgruß: Die Heilige Barbara ist seit Jahrhunderten Schutzpatronin der Bergleute. Aber auch Artilleristen, Sprengmeister und andere Berufsgruppen, die mit Pulver, Munition und Explosivstoffen umgehen, stellen sich traditionell unter ihren Schutz, also auch die Bundeswehr in ihrer Garnisonsstadt Mechernich, in der sie eine große militärischen Untertageanlage unterhält.
Deshalb wird der Namenstag der Patronin am Freitag, 4. Dezember, in Mechernich dort begangen, wo sich Bergbaugeschichte und Bundeswehrtradition auf besondere Weise begegnen: im Bergbaumuseum der Stadt Mechernich.
Hauptzelebrant des ökumenischen Gottesdienstes ist Militärpfarrer Lars Spohr vom Katholischen Militärpfarramt Nörvenich. Als evangelischer Gast wirkt Militärpfarrer Heiko Schulz mit, ebenfalls vom Fliegerhorst Nörvenich. Beide Militärpfarrämter betreuen unter anderem den Bundeswehrstandort Mechernich, so Militärseelsorgeassistent Johannes Bresa beim Katholischen Militärpfarramt Nörvenich.
Für die musikalische Gestaltung konnte in diesem Jahr der traditionsreiche Männergesangverein 1892 Vussem gewonnen werden. Der Chor, der seit weit mehr als 130 Jahren zum kulturellen Leben im Stadtgebiet gehört, ist auch mit kirchlichen Auftritten bestens vertraut und zählt gegenwärtig rund 25 aktive Sänger, darunter acht „Überlebende“ des aufgelösten MGV Mechernich.
Früher tief unter der Erde
Die Barbaramesse hat am Bundeswehrstandort Mechernich eine lange Tradition. Ursprünglich wurde sie tatsächlich dort gefeiert, wo Barbara als Schutzpatronin besonders unmittelbar gegenwärtig schien: tief im Bleiberginneren in der Untertageanlage des Bundeswehrdepots West. Später verlegte man den Gottesdienst in die große Ausstellungshalle des Bergbaumuseums „Grube Günnersdorf“.
Dort kamen in den vergangenen Jahren immer wieder Soldaten und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr, Bergbaumuseumsmitarbeiter, Kommunalvertreter und weitere Gäste zusammen. Der frühere Mechernicher Standortälteste Dirk Hagenbach brachte den besonderen Bezug einmal auf die Formel, Barbara möge den Menschen in der Untertageanlage ebenso Schutz gewähren wie Soldaten in Artillerie, Kampfmittelbeseitigung, Munitionsfachwesen oder Flugabwehr.
Auch Lars Spohr ist mit der Mechernicher Barbaratradition bereits vertraut. 2024 zelebrierte er den Gottesdienst im Bergbaumuseum und erinnerte dabei an Barbara als Patronin sowohl der Berg- und Hüttenleute als auch der Artillerie. Seit September 2024 versieht der Geistliche seinen Dienst im Katholischen Militärpfarramt Nörvenich; Anfang 2025 wurde er offiziell in sein Amt eingeführt.
Heilige der Standhaftigkeit
Der Barbaratag lebt jedoch nicht allein von bergmännischer und militärischer Tradition. Hinter dem Brauchtum steht die Erinnerung an eine Frau, die der Überlieferung nach trotz massiven Drucks an ihrem christlichen Glauben festhielt und dafür den Tod erlitt.
Eine der Legenden erzählt, dass sich auf ihrer Flucht vor dem eigenen Vater ein Felsen öffnete und Barbara Schutz gewährte. Daraus entwickelte sich ihre besondere Verehrung unter Bergleuten. Eine andere Überlieferung verbindet sie mit jenem Zweig, der sich auf dem Weg ins Gefängnis in ihrem Gewand verfing.
Barbara stellte ihn ins Wasser – und am Tag ihres Todes soll er geblüht haben. Noch heute schneiden Menschen am 4. Dezember sogenannte Barbarazweige, die möglichst zu Weihnachten Blüten tragen sollen: ein altes Zeichen dafür, dass selbst aus scheinbar Leblosem neues Leben hervorbrechen kann.
Auch unter Tage im Besucherbergwerk besitzt Barbara ihren festen Platz. Bereits kurz nach der Einfahrt treffen Besucher auf einen kleinen St.-Barbara-Altar, den die Mitarbeiter nach den aufwendigen Freilegungsarbeiten zum Dank dafür errichteten, dass es dabei keinen schwereren Arbeitsunfall gegeben hatte.
Neuerdings wurde auch eine von Alt-Vizelandrat Bruno Grobelny gestiftete aus polnischer Steinkohle geschlagene Barbarafigur in der Untertage befindlichen Standesamtszweigstelle der Stadt Mechernich aufgestellt.
Männerstimmen im Museum
Zum traditionsreichen Charakter des diesjährigen Gottesdienstes tragen die Sänger des MGV Vussem bei. Der 1892 gegründete Chor hat seine Wurzeln sogar ausdrücklich auch im kirchlichen Leben: Schon in den frühen Statuten wurde neben der Pflege gemeinschaftlicher Lieder die Mitwirkung am Kirchengesang als Aufgabe genannt.
Die Verbindung von Bergbautradition, Militärseelsorge, Männergesang und adventlicher Hoffnung dürfte dem Gottesdienst im Museum auch diesmal seinen besonderen Charakter geben. Dort, wo an die harte Arbeit der Mechernicher Bergleute erinnert wird, feiert eine Gemeinde aus Uniformierten und Zivilisten eine Heilige, deren Botschaft über Berufsgruppen und Jahrhunderte hinausweist: standzuhalten, aufeinander zu achten und auch dort auf Hoffnung zu setzen, wo es dunkel ist.
pp/Agentur ProfiPress