Das Geistliche im Zentrum

Inhalte, nicht der Zeitruck bestimmen das Handeln beim dreiköpfigen Leitungsteam in Düren

Das Geistliche im Zentrum Nachricht (c) Dorothée Schenk
Das Geistliche im Zentrum Nachricht
Di 29. Jan 2019
KirchenZeitung Aachen, Ausgabe 5/2019 | Dorothée Schenk
Fünf Monate, das klingt viel. Tatsächlich beschreibt es für die frisch installierten Regionalteams die Findungsphase. Msgr. Norbert Glasmacher, Pastoralreferentin Maria Buttermann und Laienvertreterin Gudrun Zentis versuchen, ihre Arbeit gemeinschaftlich zu gestalten.

KiZ-Redakteurin Dorothée Schenk hat das Trio getroffen.

Maria Buttermann: Wir sind ein Team, das von vornherein gesagt hat: Wir versuchen, alles soweit wie möglich gemeinsam zu tun – im Prozess „Heute bei dir“ wie auch bei den weiteren Aufgaben, wenn es um pastorale Verantwortung geht. Bei der Verteilung gibt es aber auch Vorgaben, Aufgaben, die nur an den Regionalvikar gebunden sind.
Gudrun Zentis: Anfangs haben wir oft gehört: Das geht nicht! Wir haben dann einen Geschäftsverteilungsplan ganz eng an den Vorgaben des Bistums entwickelt. Gerade heute ist die Genehmigung vom Bistum gekommen. Die Fülle der Aufgaben kann nicht mehr nur von einem Priester wahrgenommen werden, wenn ich dort nicht mehr aus der Fülle schöpfen kann. Kirche besteht ja nicht nur aus Priestern und ein paar Hauptamtlichen, sondern auch aus uns.

… die Laien als Mehrheit des Gottesvolkes?

Gudrun Zentis: Wir können uns einbringen, wir müssen nur akzeptiert, anerkannt und wertgeschätzt werden, sonst sind ganz viele Laien sofort wieder weg.
Norbert Glasmacher: Diese Abgrenzungen sind in Deutschland sehr stark. Zwischen Priestern und Laien. Das finde ich befremdend, ist aber so, auch das ist gewachsen. Hier muss immer der Pastor alles machen. Wenn der Pastor nicht da ist, ist es nicht gut. Das ist nicht hilfreich. Ich finde gut, dass es ein Team ist, in dem sich alle sehr eloquent präsentieren können. Und auch, was vielleicht hier in sehr kurzer Zeit gewachsen ist, dass wir füreinander sprechen. Es sind keine „Anhängsel“. Ich glaube, es ist wichtig, dass man lernt, dass wir verschiedene Rollen haben.
Maria Buttermann: Ich glaube, unsere Kirche in Deutschland krankt daran, dass wir ein hierarchisches Denken von oben nach unten haben, und das birgt die Gefahr der Verletzungen. Das wird im Prozess jetzt auch deutlich. Was du skizzierst hast im Weg miteinander – ich glaube, das ist der Weg.

Wie sind die ersten Erfahrungen in der Region?

Maria Buttermann: Mein Eindruck ist: Es gibt kein regionales Verständnis.
Gudrun Zentis: Die Verzahnung fehlt, das „Wir“, das Miteinander ist sehr unterschiedlich. Wenn ich von Titz bis Heimbach gucke, sind überall andere Gegebenheiten und Möglichkeiten. Das sind gesellschaftspolitisch ganz andere Bewegungen und Nöte. Aber dennoch haben wir uns als Kirche auf alles einzustellen, so wie es die Botschaft ist. Als wir im November die erste Veranstaltung im „Heute bei dir“-Prozess hatten, hat man schon gemerkt, dass die Ehrenamtlichen in den GdG spürten, dass mehr auf sie zukommt, und sie möchten auch mehr Verantwortung übernehmen. Wer das Statement von Bischof Dieser gestern gehört hat, versteht, glaube ich, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln. Es muss nur noch bei denen ankommen, die ein bisschen unbeweglich sind.
Maria Buttermann: Wir sind in einer Situation des Werbens …
Gudrun Zentis: Was am ersten Abend spannend war, war die Feststellung der Teilnehmer: Wir kennen ja gar nicht die Vertreter aus der GdG nebenan. Es gibt auch keine regionale Vernetzung, die es möglich macht – außer im Pastoralrat –, sich auszutauschen, in dem ein Delegierter aus jeder GdG sitzt …
Maria Buttermann: … wenn er kommt.
Gudrun Zentis: Die Strecke ist ja nicht zu jeder Jahreszeit angenehm. Wir hoffen, dass wir den Pastoralrat so interessant machen können, dass wir darin ein Gremium haben, das sich in den „Heute-bei-dir“-Prozess noch mehr einbringen kann und auch Neues mit entwickeln kann.
Norbert Glasmacher: Es hat viel auch mit den Erwartungen zu tun. Das gilt für die Leute in der Kirche, den Bischof, und auch wir haben Erwartungen. Ich bin vorsichtig, zu hohe Erwartungen zu haben. Weil eben sehr vieles über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen ist, und so kann man auch das Denken verstehen. Es war vorher einfach nicht notwendig, dass man als Gemeinden miteinander zu tun hatte. Jetzt wird es aber notwendiger. Man kann aber ein Miteinander nicht erzwingen.

Was ist gelungen und wie geht es weiter?

Maria Buttermann: Am 13. November letztes Jahr hatten wir alle GdG-Räte eingeladen – und glücklicherweise waren auch alle unterschiedlich stark besetzt vertreten. An diesem Abend haben wir eine Gewichtung der 13 Themen vorgenommen und arbeiten daran jetzt weiter. Am 30. Januar haben wir wieder eingeladen. Da geht es um das Thema „Gebet und Gottesdienst“, was neben der Begleitung von Menschen auf ihrem Glaubensweg, also Sakramentenvorbereitung, am stärksten von den GdG gewichtet wurde. Eingeladen sind auch Mitglieder aus der Teilprozessgruppe, die dieses Thema bearbeiten. Ich finde, diese Region ist eben interessant mit den zwei Städten und den vielen ländlichen Orten dazwischen. Zuerst … Nein! Zuerst feiern wir Gottesdienst. Dann gibt eine kurze Übersicht für alle, wie sich die Lage bei den Gottesdiensten in der Region darstellt. Ich glaube, es ist interessant zu sehen, wie es eigentlich den anderen rechts und links geht. Anschließend geht es darum, Fragen, Probleme und auch neue Ansätze bei Gottesdiensten und Gebetsformen zusammenzutragen. Einiges zeichnet sich schon ab, etwa die Frage: Wortgottesfeier mit oder ohne Kommunion?

Prozesse brauchen Zeit. Haben Sie Zeit?  Bis Sommer sollen in Aachen die ersten Ergebnisse mitgeteilt werden.

Maria Buttermann: Ich glaube, dass der Prozess nur gelingen kann, wenn es wirklich ein geistlicher Prozess ist. Das ist das Wichtigste. Es ist weniger die Frage: Schaffen wir alle Schritte in den Zeitschienen, die geplant sind?, sondern: Kommt da geistlich etwas in Bewegung? Das ist unser Anliegen, und da nehmen wir uns auch alle Freiheit und nicht, ob da bestimmte Themen bis Sommer drin sind. Denn im Grunde wissen sie die spannenden Sachen auch in Aachen. Worum es eigentlich geht, das ist eigentlich allen bekannt. Die Probleme liegen alle auf dem Tisch. Unserer Meinung nach liegt der Schlüssel, der für eine Veränderung nötig ist, im Geistlichen, liegt im Umdenken, liegt im Miteinander, wie wir künftig miteinander umgehen.

Bei der Gründung der GdG haben viele Gläubige gesagt: „Ich möchte mich nicht mehr mit Strukturen beschäftigen.“ Ist „Heute bei dir“ nicht der nächste Strukturprozess?

Maria Buttermann: Nein! Und es ist kein Zufall, dass das Thema hintansteht. Es soll über Inhalte gehen und über das Geistliche gehen.
Norbert Glasmacher: Immer wenn wir uns sehen, steht am Anfang das Gebet. Das verankert, und das braucht man. Auch der Prozess muss so verankert sein. Ich hoffe, er ist es.