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Orgel

Orgelbau

Der Orgelbau (Neubau, Umbau, Reparaturen) berührt liturgische, künstlerische, musikalische, orgelbautechnische und denkmalpflegerische Aspekte und Fragen. Deshalb ist eine Beratung aller Beteiligten, einschließlich der kirchlichen Rechtsträger, bei der Neuanschaffung oder der Bearbeitung einer Orgel sachgerecht und geboten.

Die folgende Ordnung dient dazu, die erforderlichen Schritte bei der Planung und Durchführung eines Orgelbauvorhabens zwischen allen Beteiligten abzustimmen. 

Ordnung für Orgelbauvorhaben und Orgelreparaturen

Orgelsachverständige

Die Orgelsachverständigen sind Ihre Ansprechpartner in Fragen des Orgelbaus (Neubau, Umbau, Reparaturen). 

Bernd Godemann

Heinestr. 51
52511 Geilenkirchen

Das Orgelprojekt in St. Andreas Korschenbroich

Die Orgel in St. Andreas zu Korschenbroich wurde 1953 gebaut und ist damit ein typisches Nachkriegsinstrument. Dennoch wurde ihre Substanz jenseits routinemäßiger Wartungen bereits sechsmal verändert bzw. erweitert. Gefühlt war die Korschenbroicher Orgel durch diese zahlreichen Umbaumaßnahmen eine „Dauerbaustelle“.

Die Orgel von 1953 mit ihren 32 Registern, verteilt auf drei Manuale und Pedal, war für die weitläufige Kirche eher knapp dimensioniert und der Stimmenfundus lückenhaft. Es ist daher nicht verwunderlich, dass seit den 1970er-Jahren dem Basisbestand an Registern weitere Klangfarben hinzugefügt wurden. So zielten die Erweiterungen der Korschenbroicher Andreas-Orgel bis zur Jahrtausendwende durchweg auf Differenzierung der hoch liegenden, brillanten Farben, vornehmlich orientiert an barocken Instrumenten.

Mit der Rückbesinnung auf die Qualitäten romantischer Orgelkultur rückte die Auffächerung in den grundtönigen Stimmen wieder stärker in den Vordergrund. Folglich richtete sich der Fokus bei weiteren Arbeiten an der Orgel darauf, symphonische Qualitäten und eine möglichst bruchlose Dynamik zu erreichen.

So war die Orgel in den verschiedenen Baustufen mittlerweile auf rund 49 Register angewachsen, bei geplant 55 Registern. Das heißt bis 2019 waren immer noch 6 geplante Register nicht eingebaut.

Die Vorplanungen zu der jetzt erfolgten Maßnahme begannen im Jahr 2016. Es stand eine Generalreinigung und Schimmelsanierung des Instrumentes an. Dazu kamen einige technische Probleme, die durch die zahlreichen Erweiterungen verursacht wurden. In der Orgel waren elektrische Bauteile von 1953, den 1970er Jahren und 2000 verbaut, die leider nie wirklich zusammen funktioniert haben. Zusätzlich sind bei dem Umbau im Jahr 2000 einige Register so umgestellt worden, dass eine Wartung nur mit sehr großem Aufwand möglich war, da man an die Pfeifen eigentlich nicht mehr rangekommen ist.

 

Bei dem Projekt gab es eine 3 stufige Priorisierung:

  1. Sicherung der technischen Funktion
  2. Verbesserung der Wartbarkeit
  3. Hinzufügen der noch fehlenden (vakanten) Klangfarben und Neuintonation

 

Um dem ersten Punkt gerecht zu werden und damit auch die neuen Anforderungen an die elektrische Sicherheit im Orgelbau zu erfüllen, ist die komplette Elektrik erneuert worden. Dies umfasst alle Kabel, der Gleichrichter ist durch elektrische Schaltnetzteile ersetzt worden, die Schleifenzugmagnete, die Tonmagnete, etc. sind komplett erneuert worden. Damit sind Elektrik und Elektronik erstmals seit 1953 wieder auf einem einheitlichen Stand.

In diesem Teil der Maßnahme enthalten ist auch ein neuer Spieltisch mit allen in der heutigen Zeit möglichen, technischen Spielereien.

Der zweite Punkt hat in den Planungen schon mehr Kopfzerbrechen bereitet. Die Lösung des Problems lag schließlich in einem Vorziehen der gesamten Orgelfront um 66cm. Durch den so hinzugewonnenen Platz konnten Stimmgänge eingebaut werden, die einem erstmals eine Zugänglichkeit zu allen Pfeifen ermöglichte.

Der dritte Punkt war der sicherlich anspruchsvollste Punkt, da er im Lauf der Maßnahme durch neue Finanzierungsmöglichkeiten immer wieder erweitert wurde. Ursprünglich war geplant, die fehlenden Register in den freien Bereich des Orgelbodens einzubauen. Zusätzlich sollte in den Manualwerken ein Streichregister sowie eine überblasende Flöte in 8‘ Lage eingebaut werden, da diese Klangfarben bisher komplett gefehlt haben und für die Darstellung romantischer Orgelliteratur unerlässlich sind. Diese Register waren auf einer Einzeltonwindlade geplant.

Durch die immer weiter steigenden finanziellen Möglichkeiten konnte der klangliche Maßnahmenkatalog stetig erweitert werden. So konnte der durch das Vorziehen des Gehäuses neu gewonnene Platz mit weiteren Einzeltonwindladen bestückt werden. Insgesamt hat das Instrument nun 20 neue Register erhalten und ist von 49 auf 79 Register bei 10 Transmissionen angewachsen und bietet nun die Möglichkeit die komplette Bandbreite der Orgelliteratur darzustellen. Besonders glänzen kann die Orgel im Bereich der deutsch-romantischen Orgelliteratur durch ihre differenzierte Palette an nuancierten Streicher und Flötenklangfarben und ihren insgesamt sehr runden und weichen Klang.

Als Besonderheit hat die Orgel noch ein Vibraphon erhalten. Dieses Effektregister, welches nichts anderes als ein Konzertvibraphon mit aufgesetzter, anschlagdynamischer Mechanik ist, bereichert den Klang und die Möglichkeiten abermals.

Zusätzlich zu den neuen Registern sind die alten Register komplett neu intoniert worden. Der hiermit gewonnene Klang erinnert schon ohne die neuen Pfeifen an ein neues Instrument und hat für mich den größten klanglichen Zugewinn gebracht. Was die Firma Weimbs hier an klanglicher Arbeit geleistet hat, ist wirklich phänomenal. Zusammen mit den neuen Registern ist die Orgel von St. Andreas zwar „nur“ generalsaniert und reorganisiert, ist de facto klanglich aber eigentlich ein neues Instrument.

Nach 8 Monaten Umbauphase vor Ort konnte die Orgel am 1. Februarwochenende wieder eingeweiht. Im der Festmesse erklang die Messe solennelle von Louis Vierne und das Konzert war ein Improvisationskonzert mit den Organisten Stefan Schmidt (Würzburger Dom), Rolf Müller (Altenberger Dom), Hayo Boerema (Grote Kerk Rotterdam) und mir selber. Jeder spielte ca. 15 Minuten und so konnte die Orgel sehr individuell den knapp 700 Zuhörern vorgestellt werden.

Abschließend empfinde ich dieses Projekt als richtungsweisend, da man sieht, dass man auch aus älterem Material ein homogenes Klangergebnis bekommen kann, welches sich kostenmäßig doch weit unter einem Neubau befindet.

Martin Sonnen

St. Andreas - Disposition

St. Andreas Spieltisch (c) .