Impuls für Januar: Wir feiern, feiern … und feiern

Der australische Schriftsteller Matthew Kelly vertritt in seinem Buch „Die Wiederentdeckung des Katholizismus“ die Ansicht, „dass wir zu dem werden, was wir feiern“. Als Katholiken investieren wir viel Zeit und Aufwand, die Feste im Kirchenjahr zu gestalten. Alles, was die Kirche tut, dreht sich ums Feiern: Wir feiern das Leben. Wir feiern die wechselnden Jahreszeiten mit dem Reichtum des liturgischen Kalenders. Wir feiern die Helden unseres Glaubens als Heilige und Fürbittsteller. Wir feiern die Wahrheit, Schönheit und Güte, indem wir sie suchen, wo immer sie zu finden sind, und sind bestrebt, diese Werte in unserem täglichen Leben zu verwirklichen. Wir feiern Weihnachten und Ostern. Wir feiern Wallfahrten, ob gemeinsam oder für unsere privaten Anliegen. Wir feiern unsere Erlösung. Wir feiern Vergebung und Versöhnung. Wir feiern die Hingabe in einem geistlichen Leben mit Gelübden und Weihen. Wir feiern die Gemeinschaft mit Gott und die Gemeinschaft miteinander in unseren Gottesdiensten. Wir feiern die Liebe im Bund der Ehe als Sakrament. Wir feiern, feiern … und feiern.
Der Geist des Katholizismus, sagt Kelly, sei überwiegend von Feiern geprägt. Feiern macht den Genius und die grundlegende Orientierung unseres Glaubens aus. Doch in unserer gegenwärtigen Zeit werden Leben und Glaube mit der ganzen Kraft einer Kultur angegriffen, die auf Selbstzerstörung aus ist. Es handelt sich dabei um Angriffe auf das Wesen des Menschen. Was unsere Kultur maßgeblich geprägt hat, sind die Feste, die oft eine Tradition von Jahrhunderten aufweisen. Wie sieht unsere Feierkultur heute aus? Welche Werte enthält sie?
Im Grunde genommen können wir feiern, was immer wir wollen. Wir können Zerstörung und Atheismus feiern. Wir können Hass und Gewalt feiern, wie wir das seit Jahren in fundamentalistischen Religionen erleben. Wir können unseren Egoismus feiern, unsere Rücksichtslosigkeit und die Respektlosigkeit gegenüber dem menschlichen Leben – ob geboren oder ungeboren. Fragen wir uns, ob unsere gegenwärtige Kultur das „wahre Feiern“ immer mehr ins Gegenteil dessen verkehrt, was eigentlich der Würde des Menschen entsprechen sollte. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an die These erinnert: „Wir werden zu dem, was wir feiern“. Das betrifft sowohl ein ganzes Volk als auch uns als Einzelne, die Familien, die Kirche. Wenn wir zu dem werden, was wir feiern, sollten wir uns fragen, wie unsere „persönlichen Feste“ aussehen? Feiern wir christliche Werte oder sind wir bereits Teil einer „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.), die unterschiedslos alles feiert – egal was?
Da uns ein neues Jahr geschenkt ist, haben wir uns Gedanken zu machen. Denn eines ist klar: Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Es gilt, für kommende Generationen und für uns selber einen menschlichen Lebensraum zu schaffen. Und das geht alle an: Die Regierung und das Volk, Kirchenführer und Gläubige, Familie und Freunde. Jeder ist für eine bessere Welt verantwortlich und hat eine Rolle darin zu spielen. Vielleicht können unsere Vorsätze, die durch die kommende Fastenzeit noch verstärkt werden, dieses Anliegen aufgreifen. Wenn wir um uns herum eine Atmosphäre schaffen, die das Leben lebenswert macht, ist für die Welt schon viel getan. Dann können wir das Leben auch wirklich feiern.
P. Athanasius Wedon OMI, Nikolauskloster