Impuls für März von Sr.M.Theresia Hegermann OSC, Kloster Maria-Lind, Braunsrath:„Fastenzeit-Wichtel“ - Neugierig geworden?

Im März, so sagen wir, steigt der Saft in den Bäumen. Ich schaue gerne auf die Knospen an den Ästen und warte darauf, dass sie dicker werden, dass das erste Grün erscheint. Dann beobachte ich mit Freude, wie sich die kleinen grünen Punkte entwickeln, im wahrsten Sinne des Wortes. Der kleine Knoten faltet sich auf, und ich ahne die Form des Blattes.
Wir wissen um diese Prozesse in der Natur: Der Baumstamm, die Krone, das sehen wir. Die Wurzel sehen wir nicht. Unbeobachtet geben die Wurzeln dem Baum Halt. Sie holen das Wasser, die Nährstoffe aus dem Boden. Ich staune immer wieder, wie hoch das Wasser und die Nährstoffe transportiert werden.
Für mich ist das ein Bild und eine Anregung für die Fastenzeit: Wir Christen sind als solche in der Gesellschaft nicht unbedingt sichtbar, wir Ordensleute sind da eine Ausnahme. Aber wir haben eine wichtige Aufgabe: Wir sollen ein Sauerteig sein, wir sind das Salz der Erde. Wir sind Botschafter des Friedens und Künder der Frohen Botschaft.
Ja, aber wie soll das gehen? „Was kann ich schon tun? Ich habe keine Zeit, mich ehrenamtlich einzusetzen, es liegt mir nicht über meinen Glauben zu sprechen:“ Vielleicht können wir doch in unserem ganz „normalen“ Alltag unser Christentum leben und so mitbauen am Reich Gottes. Ich nenne das für mich „Fastenzeit-Wichteln“. Ohne Geschenke: Hier einige Beispiele: Die Frau an der Kasse macht so schnell und schaut mich so unfreundlich an, aus welchem Grund auch immer; ich könnte sie ja mal anlächeln, anstatt mich immer nur zu ärgern. Ich könnte auch mal den Klatsch über einen Arbeitskollegen für mich behalten. Ein böses Wort, das ich ohne Erwiderung herunterschlucke, lässt einen Streit gar nicht erst aufkommen. In meinen Gedanken möchte ich so manchem Mitmenschen mal so richtig die Meinung sagen – ich könnte aber auch eine Entschuldigung für sein Tun oder Reden überlegen.
Dieses Wichteln kann unsichtbare Kräfte freisetzen, die unseren Alltag neu zum Blühen bringen, auch wenn es nicht beachtet wird, so wenig, wie wir sehen, wie die Wurzeln die Nährstoffe in die kleinsten Knospen transportieren. Sonne Wind und Regen gehören auch dazu: Gott wird unser Tun segnen und gelingen lassen, damit sein Reich auf Erden errichtet wird.
Viel Freude am Fastenzeit-Wichteln wünscht Ihnen
Schwester M. Theresia aus dem Klarissenkloster Maria Lind