Martin van Ditzhuyzen - Meine Motivation

Martin van Ditzhuyzen

1) Aus welcher persönlichen Motivation heraus haben Sie sich dazu entschieden, unabhängige Ansprechperson im Bistum Aachen zu werden? 

Mich bewegen die Schicksale der Betroffenen sehr. Zum einen ist ihnen durch einzelne Personen in kirchlichen Ämtern oder Angestellten der katholischen Kirche durch sexuelle Gewalt sehr großes Leid zugefügt worden. Zusätzlich haben sich die Verantwortlichen, die diesen Opfern hätten beistehen müssen, leider in der Vergangenheit oft sehr unangemessen verhalten und damit das Leid oft noch um ein Vielfaches verstärkt. Gerade bei einer Organisation, die sich der Seelsorge widmet, führt das bei vielen Betroffenen zu tiefen Enttäuschungen, Verletzungen und Vertrauensverlust, die es meist sehr schwer machen, im Leben klar zu kommen.

Ich möchte dazu beitragen, dass diesen Betroffenen zumindest angemessen begegnet wird, ihnen zugehört wird und somit etwas dieses erfahrenen Leids gemildert werden kann und sich die Institution Kirche auch dazu bekennt, dass sie Menschen hier oft großes Unrecht zugefügt hat. Für ein Teil der Personen sind auch die materiellen Entschädigungen (hier unterstützen wir bei der Antragstellung) von großer Bedeutung, z.B. wenn es um die Übernahme von Therapiekosten geht.

2) Welche Qualifikationen bringen Sie bereits aus ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit mit, die Ihnen bei der Bewältigung der Aufgaben helfen kann?

Ich habe zwei 3-jährige therapeutische Ausbildungen (Gestalt- u. Körpertherapie, Kinesiologie), die Ausbildung als Supervisor und Organisationsberater und eine 2-jährige Weiterbildung in gestalttherapeutischem Familienstellen. Ich arbeite seit 30 Jahren mit Menschen in beruflichen und privaten Veränderungsprozessen, insbesondere auch in der systemischen Perspektive des jeweiligen Familien- oder Organisationssystems.

Somit habe ich sehr viel Erfahrung im Führen anspruchsvoller Gespräche und kenne auch die vielen systemischen Wirkungen, die bei den Auswirkungen von Missbrauch im Kontext der Organisation Kirche eine große Rolle spielen. Als Übersetzer und Dolmetscher habe ich auch einige Jahre für die Justizbehörden gearbeitet und weiß, wie belastend juristische Aufarbeitungsprozesse sein können und dass sie die Geschädigten oft nicht ganz zufriedenstellen können.

3) Warum halten Sie die Arbeit für besonders wichtig? 

Ich bin der Überzeugung, dass die Kirche eine besondere Verantwortung hat, dass in ihrem Kontext so etwas nicht geschehen darf. Es ist für mich eine entscheidende Frage der Glaubwürdigkeit von Kirche, wie sie sich nun der Aufarbeitung der Vergangenheit stellt. Es darf nicht mehr geschehen, dass der Schutz einzelner Täter, in aller Regel handelt es sich bei den geschützten Tätern um Kleriker, über dem Schutz der Opfer steht. Ebenso darf von den Verantwortungsträgern in Kirche nicht mehr so gehandelt werden als würde eine Verfolgung und Aufdeckung solcher Straftaten die Kirche beschädigen. Glücklicherweise ist die gesellschaftliche Haltung inzwischen so, dass es hier keinerlei Toleranz mehr gibt. 

Im Bistum Aachen habe ich den Eindruck, dass die Verantwortlichen es mit der Aufklärung der Vergangenheit, der Prävention und dem entschiedenen Handeln in aktuellen Situationen wirklich ernst meinen. Als Ansprechpersonen haben wir vor allem die Funktion, die Perspektive der Betroffenen so angemessen wie möglich zu vertreten. Es darf nicht wieder geschehen, dass diese Perspektive anderen Prioritäten untergeordnet wird.