Chrisammesse 2026:Glaube macht das Unsichtbare sichtbar

Aachen – In der Chrisammesse am Dienstag der Karwoche im Hohen Dom zu Aachen hat Bischof Dr. Helmut Dieser die Bedeutung des Glaubens als Kraft hervorgehoben, die das Unsichtbare im Leben der Menschen sichtbar macht. Zahlreiche Priester, Diakone, Ordensleute sowie mehr als 300 Messdienerinnen und Messdiener aus dem gesamten Bistum nahmen an dem feierlichen Gottesdienst teil.
Im Mittelpunkt der Predigt stand ein Bild aus der Kunstgeschichte: Der Renaissancekünstler Michelangelo habe seine berühmten Skulpturen nicht erschaffen, sondern das bereits im Marmor Verborgene freigelegt. „So ähnlich ist es mit dem Glauben“, erklärte der Bischof. Der Glaube ermögliche es, hinter der sichtbaren Wirklichkeit Gottes Gegenwart zu erkennen und sichtbar werden zu lassen.
Ausgehend vom Evangelium der Chrisammesse erinnerte Bischof Dieser daran, dass Jesus selbst das von den Propheten verheißene „Gnadenjahr des Herrn“ begonnen habe – eine Zeit der Hoffnung für Arme, Gefangene, Kranke und Ausgegrenzte. Christinnen und Christen seien berufen, dieses Wirken Jesu in jeder Generation fortzusetzen.
Ein sichtbares Zeichen dafür seien die Heiligen Öle, die während der Chrisammesse geweiht werden. Sie werden im Laufe des Jahres bei Taufen, Firmungen, Priesterweihen sowie bei der Krankensalbung verwendet. Die Salbung mit Chrisam stehe dafür, dass Menschen dauerhaft zu Christus gehören und durch den Heiligen Geist gestärkt werden.
Besonders wandte sich der Bischof an die anwesenden Kinder und Jugendlichen. Ihr Engagement als Ministrantinnen und Ministranten zeige lebendige Kirche und mache Glauben konkret erfahrbar. Zugleich rief er junge Menschen dazu auf, Verantwortung im Alltag zu übernehmen: gegen Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt einzutreten sowie Versöhnung und Respekt zu fördern.
Der Glaube werde auch durch konkretes Handeln sichtbar, betonte Dieser. Christliche Initiativen für Arme, Kranke, Arbeitslose oder junge Menschen seien Ausdruck der Hoffnung, dass in jedem Menschen die Würde eines von Gott geliebten Menschen verborgen liege.
Angesichts von Kriegen, sozialen Ungleichheiten und globalen Krisen unterstrich der Bischof die christliche Hoffnungsperspektive: Die Welt habe ein Ziel in Christus. Leid und Tod hätten nicht das letzte Wort, sondern Gottes Liebe.
Traditionell erneuerten die Priester des Bistums Aachen im Rahmen der Chrisammesse ihre Weiheversprechen. Bischof Dieser dankte ihnen ausdrücklich für ihren Dienst und ermutigte sie, weiterhin dazu beizutragen, „das Unsichtbare glaubwürdig zu bezeugen und sichtbar zu machen“.
Die Chrisammesse gehört zu den zentralen Gottesdiensten der Karwoche im Bistum Aachen und unterstreicht die Einheit von Bischof, Priestern und Gläubigen im gemeinsamen Auftrag der Kirche.