Aus der säkularisierten Stadt

Das Regionalteam Krefeld hat erste Analysen abgeschlossen und sieht viel Potenzial für „Modellansätze“

Regionalteam Krefeld (c) Bistum Aachen / Andreas Steindl
Regionalteam Krefeld
Di., 4. Dez. 2018
Dorothee Schenk

100 Tage, das klingt viel. Tatsächlich beschreibt es für die frisch installierten Regionalteams gerade einmal die Findungsphase.

Pfarrer Heiner Schmitz, Pastoralreferentin Elisabeth Vratz und Laienvertreter und in Personalunion Vorsitzender des Katholikenrates Hans-Joachim Hofer treffen sich regelmäßig am „jour fixe“.   KIZ-Redakteurin Dorothée Schenk hat das Trio besucht.


Beschreiben Sie doch einmal die Arbeit des Regionalteams.
Elisabeth Vratz: Als Regionalteam haben wir eine doppelte Aufgabe: mit dem Generalvikar das kirchliche Regionalgeschäft zu gestalten und den Prozess „Heute bei dir“ in die Fläche zu bringen, die Kommunikation zwischen Bistumsebene und GdG-Ebene von unten nach oben und oben nach unten zu gestalten. Dazu finden drei- bis vier Mal im Jahr sogenannte Diözesankonferenzen statt, in denen alle Regionalteams sich mit dem Generalvikar und der Lenkungsgruppe und anderen treffen. Dann gibt es Treffen der Vikare, bei denen die Personalpolitik besprochen wird, und eines der pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier geht es um die inhaltliche Prozessgestaltung und zwar untereinander mit den Lenkungsgruppen, dem Generalvikar, anderen Akteuren, den Handlungsfeld-Koordinatoren und Multiplikatoren … Es entsteht eine neue Struktur. Wenn Erfahrungen von „vor Ort“ in einen Bistums-Prozess eingespeist werden sollen, der so dezentral läuft wie dieser, braucht es Menschen, die das, was passiert, in alle Richtungen kommunizieren.

Das sind Strukturen, die das Bistum vorgibt. Wie sieht es mit den eigenen Strukturen aus?
Heiner Schmitz:  Wir treffen uns 14-tägig, um Dinge, die regional stattfinden, auszutauschen, Einladungen abzustimmen und zu klären, wer wohin geht oder wer welche Aufgabe oder Repräsentationspflichten übernimmt. Derzeit sind wir in der Inventurphase.
Elisabeth Vratz: In Krefeld wollen wir nicht alle 13 Unterpunkte abarbeiten. Wir  können keine Mini-Situation des Bistums schaffen. Wir suchen bewusst – etwa mit dem Pastoralrat – nach Schwerpunkten, die für Krefeld typisch sind – und speziell.
Hans-Joachim Hofer: Als Katholikenrat haben wir schon seit Jahren versucht, näher an die GdG ranzukommen. Das ist uns nicht immer gelungen. Von daher verspreche ich mir einen besseren Zugang zu den GdG, indem man miteinander spricht und sich austauscht. Das halte ich für einen wichtigen Prozess. Es sollen ja auch die Erfahrungen eingebracht werden, die die Gemeinschaften der Gemeinden bisher gemacht haben. Es entspricht unserem Selbstverständnis als Katholikenrat, dass wir klären, wohin wir wollen und was wir erreichen wollen. Dann gilt es, die politischen Forderungen der Katholiken erst einmal herauszuarbeiten und öffentlich darzustellen.
Heiner Schmitz: Die Fragen sind: Was ist da? Was ist zukunftsorientiert, und wo können wir Neues ausprobieren? Ein Beispiel: Die Gestaltung der Gottesdienste. Wir müssen etwas an der Qualität unserer Gottesdienste tun. Einmal in der Verkündigung, also Predigt. Sie muss lebensnäher werden. Menschen möchten erkennen, dass nicht nur eine gute Exegese gemacht wird, sondern das, was uns im Evangelium entgegenkommt, etwas mit mir und meinem Leben zu tun hat. Das zweite ist die Kirchenmusik: Vor allem jüngere Leute legen Wert auf musikalische Gestaltung. Das macht aus, ob sie sich beheimatet und wohl fühlen. Regionalkantor Andreas Cavelius führt jetzt die hauptberuflichen Kirchenmusiker der Region zusammen. Es wird mit ihnen überlegt: Wie ist die aktuelle Einschätzung, und wo kann eine Veränderung stattfinden? Die Menschen, von denen wir glauben, dass sie über Fachkenntnisse verfügen, würden wir gerne an „runden Tischen“ zusammenführen.

Wann, glauben Sie, haben Sie schon ein Ziel erreicht, das Sie sich wünschen?
Elisabeth Vratz: Zeit haben wir nicht. Bis Sommer soll die Analyse-Phase abgeschlossen sein, bevor die Gewichtungsphase anbricht. Ansonsten speisen wir nämlich nicht die Erkenntnisse aus Krefeld in den Bistumsprozess ein. Also werden wir hart dran arbeiten, dass wir bis zu den Abschlussberichten soweit sind.
Heiner Schmitz: Nach den Erfahrungen des ersten Jahres kann ich sagen: Krefeld ist sicher die Stadt im Bistum, in der der Entkirchlichungsprozess – vor allem auch in der Innenstadt – am weitesten fortgeschritten ist. Ich glaube, es ist die säkularisierteste Stadt im Bistum Aachen. Wir sind hier vor Herausforderungen gestellt. Ich finde es schon sehr beeindruckend, dass die Pfarrei Heilig Geist mit der Katechese-Kirche mit Pfarrer Lucht einen Schwerpunkt hat, um Wege für Erwachsene zu öffnen, sich mit dem Glauben zu beschäftigen und ihn zu vertiefen. Damit werden keine Massen bewegt, aber es ist hochinteressant, wie viele Menschen doch andocken. Ich finde, da wird qualitativ richtig gute Arbeit gemacht. Hier in „Papst Johannes“ ist es der sozial-karitative Aspekt mit dem „täglichen Brot“ und der City-Kirche. Das sind Schwerpunkte, die uns auszeichnen und die auf die säkulare Stadtgesellschaft und die Herausforderungen antworten.
Elisabeth Vratz: Das ist die Diversität von Krefeld. Neben der Tatsache, dass man an Krefeld ablesen kann, was künftig in den anderen Regionen passieren wird, finde ich, dass wir in den Bereichen von Schule und Jugend, offener Jugendarbeit, Kindertagesstätten und Familienzentren auf Fragen schon Lösungsansätze haben, die zukunftsweisend und beispielhaft sind. Wo wir schon Angebote machen können, die anderswo noch gar nicht im Blick sind.
Hans-Joachim Hofer: Die Bereitschaft zuzuhören, aufeinander zuzugehen, ist enorm wichtig für diesen Prozess. Darum ist es entscheidend, dass wir diese „runden Tische“ schaffen, die Expertise haben und Perspektive weitergeben können.

Gibt es konkrete Pläne?
Heiner Schmitz: Diese Woche kommen alle GdG-Leiter an einen Tisch, um zu klären, was der Prozess für sie bedeutet und welche Ansätze sie aus ihren Verantwortungsbereichen einbringen.
Elisabeth Vratz: In Krefeld-Ost wird „Die Rolle der Kirche in der modernen Stadtgesellschaft“ mit dem Oberbürgermeister und Kirchenvertretern beider Konfessionen diskutiert. Das ist bunt Gemischtes zum Thema „Säkularisierte Stadt“.
Heiner Schmitz: … und in Meerbusch findet ein eigenes „Meet & eat“-Treffen im Feuerwehrgerätehaus statt. Es gibt innerhalb des Prozesses auch Menschen, die außerhalb unseres Gremiums die Fragen des Prozesses aufgreifen und für sich vor Ort nach Foren suchen, wie sie diese bearbeiten können.