Ostern - oder die Poesie des Glaubens

Impuls für April

BildPaterAlbert
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Do, 28. Mär 2019
Ordensbüro

Als Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus vom Berg Tabor hinabstieg, verbot er ihnen, von der Erfahrung dort, der Verklärung, zu erzählen, „...bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen” (Mk 9,9-10).

 

Nun, sie hielten sich an das Verbot; sie erzählten zunächts nichts. Das Verbot hat sich mit dem leeren Grab in Jerusalem vor 2000 Jahren erledigt. Und dann erzählten die Jünger, erzählten und erzählten, was auch immer ihnen von Jesus erzählenswert erschien. Aber ist ihre Frage vom Taborabstieg ebenfalls erledigt: “… sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen?” Können wir nach 2000 Jahren der Erzählung, nach intensiver Denkanstrengung, nach betender und kontemplativer Versenkung sagen, was das ist: “von den Toten auferstehen”?
Es ist uns eine nahezu gängige Vorstellung, dass die Verklärung auf dem Tabor ein “Vorspiel”, ein “Schimmer” dessen ist, was Auferstehung ist. Ja, selbst die Worte Verklärung und Auferstehung tragen in sich diesen Schimmer-Glanz.
Ihre nüchternen Grundworte sind klar und aufstehen. Mit diesen Worten können wir etwas anfangen. Sie gehören zu unserer Alltagssprache,
Ihre Komplizierung in die anderen Worte Verklärung und Auferstehung greift einerseits das gängige Verständnis der Worte auf. Andererseits verfremdet sie das zugleich in eine Intensität hinein, die nicht mehr griffig ist.
Sind Verklärung und Auferstehung deswegen als “(kirchliche) Kunstsprache”abzulehnen, weil sie eben nicht mehr Allerwelts- und Alltagssprache sind? Oder darf man es auch ganz anders – nämlich positiv – sehen? Ich sehe sie so. Sie sind Echo von Gottes ureigener Poesie.
Der Alltag ist nicht das Ganze. Die Wort-Erweiterung öffnet die Alltagswelt auf ein “Irgendwie-darüber-hinaus”. Die beiden Worte Verklärung und Auferstehung sind gewissermaßen Kurzformen von Gedichten. Das Eigentümliche von Gedichten ist die offene Sprache ist. Offene Sprache öffnet die Weltgrenze ins Unendliche hinein. Das Reden von Gott - und vor allem das Sprechen mit Gott - lebt wesentlich aus einer offenen Sprache. Das, was ich sagen möchte, ist immer mehr als das, was ich sagen kann und tatsächlich sage. Ich sage zwar etwas, aber was ich eigentlich sagen möchte, ist unsagbar.

Wenn ich diesen Gedanken auf die Feier des Osterfestes anwende, dann kommt etwa Folgendes dabei heraus. 2000 Jahre Christentum haben die Botschaft ins Heute getragen. Kontemplation, Gedichte, Lieder, theologische Traktate, Glaubensbekenntnisse, Katechismen und … und … und … haben den Gehalt und die Aussage des Festes zu fassen versucht. Und das, was dabei herausgekommen ist, ... zerrinnt zwischen den Fingern.

Und doch, … etwas bleibt und leuchtet auf: “Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben” (1 Kor 2,9). Die jüdische Dichterin Nelly Sachs scheint in diese Richtung zu denken, wenn sie von den “goldenen Überraschungen des Herrn” spricht, von denen wir nur die Träume wissen. Es bleibt eine Faszination, die das Auge leuchten lässt und Kraft für den nächsten Schritt und einen langen Weg gibt. Ein Strohhalm Licht, der im Sturm des Lebens Halt gibt.

Ich habe im letzten Jahr nach einer Kurzformel dieses Osterkerns meines Glaubens gesucht, und bin für mich auch fündig geworden. Es ist das eine Wort Herrlichkeit. Das Wort kommt nahezu alle naselang in der Sprache der Kirche vor. Stolpern Sie einfach einmal über dieses Standardwort, wenn es z.B. in der Liturgie auftaucht. Das Wort ist herrlich uneindeutig und faszinierend herrlich. Es sagt nichts in der griffigen Alltagssprache des kleinen oder großen Welt-Einmaleins. Und doch sagt es alles über Gott: Du bist herrlich. Gott ist das Gedicht dieses einen Wortes. … und Ostern?

Ostern
Der Strohhalm Licht,
der im Sturm des Lebens
Halt gibt.

P. Dr. Albert Altenähr OSB, Aachen