Gute Vorsätze ...

Impuls für März von Sr. Christiana Reemts OSB, Abtei Mariendonk

Sr. Christiana Reemts OSB 2 (c) privat
Sr. Christiana Reemts OSB 2
Datum:
Mi. 28. Feb. 2018
Von:
Ordensbüro
Als Menschen leben wir in der Zeit, d.h. wir beziehen uns immer auf die Vergangenheit und auf die Zukunft.

Den Bezug auf die Vergangenheit nennen wir Erinnern oder unter Umständen auch Bereuen, den Bezug auf die Zukunft nennen wir Planen. Beides ist nicht völlig unabhängig voneinander, denn was wir planen, ist davon beeinflusst, wie wir zu unserer Vergangenheit stehen. Wollen wir in der Zukunft das fortführen, was wir in der Vergangenheit begonnen haben, oder soll die Zukunft ganz anders sein als die Vergangenheit?

Das neue Jahr oder auch die Fastenzeit ist für viele von uns Anlass zu einer besonderen Form der Zukunftsplanung, zu dem, was wir „gute Vorsätze“ nennen. Gute Vorsätze bestehen darin, dass wir uns vornehmen, etwas zu lassen, was wir bisher getan haben, oder etwas zu tun, was wir bisher nicht getan haben.

Schauen wir uns den Begriff „Vorsatz“ einmal an. Vorsatz ist etwas, was wir uns vorsetzen. Wenn wir es uns vorgesetzt haben, steht es vor uns, es steht uns sozusagen im Weg, wir müssen es entweder berücksichtigen oder umgehen. Sehr lästig: Ich gehe meinen Weg, ich lebe meinen Tag und ständig steht mir dieser Vorsatz im Weg, er ist fast so etwas wie ein „Vorgesetzter“.

Das Sprichwort sagt: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Was meint das? Zunächst einmal nur, dass Vorsätze in vielen Fällen nicht gehalten werden, oder jedenfalls nicht lange, dann fährt man mit den alten Verhaltensmustern fort. Trotzdem will ich hier nichts gegen Vorsätze sagen, zu jeder Umkehr gehört der Vorsatz, und als Christen wollen und sollen wir umkehren (vgl. Mk 1,15).

Doch schauen wir die beiden Arten von Vorsätzen einmal an. Zunächst ist da der Vorsatz, Böses, Schädliches, nicht wirklich zur Freude und zur Freiheit Führendes zu las­sen. Meistens fehlt uns nicht die Einsicht, was nicht gut für uns ist, insofern fällt uns der Vorsatz leicht, wir haben sogar die Sehnsucht, es endlich zu schaffen, sei es eine Diät zu machen, nicht mehr zu rauchen oder wieder einmal ein Buch zu lesen. Aber wir schaffen es dann doch nicht. Was uns fehlt, ist oft, dass wir uns nicht ernsthaft genug fragen, warum wir Essen im Übermaß, Tabak usw. brauchen, obwohl die vernünftige Seite in uns es ehrlich ablehnt, und warum wir zum Lesen immer zu müde sind, obwohl wir es eigentlich wollen. Ich glaube, erst wenn wir unsere tieferliegenden Bedürfnisse erkannt haben, wird es uns möglich, das zu lassen, was uns versklavt.

Dann gibt es noch den Vorsatz, etwas Gutes zu tun. Hier bin ich – auch wenn es vielleicht überrascht – eher skeptisch. Weiß ich, was Gott morgen von mir will? Vorsätze können mir auch den Blick auf Gott versperren, indem sie mir ersparen, wirklich auf ihn zu hören. Was wäre aus unserer Welt geworden, wenn Maria konkrete Vorsätze für die Zukunft gehabt hätte? Wenn sie beschlossen hätte, sich aus Liebe zu Gott um mutterlose Nachbarskinder zu kümmern und dem Engel kühl gesagt hätte: „Tut mir leid, aber meine Pläne sind andere, da passt kein eigenes Kind hinein.“ Ein Mensch, der ziemlich konkret wusste, was für die Zukunft gut war, war Petrus; er musste sich von Jesus sagen lassen: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen.“ Für Gott kommt es nicht darauf an, dass wir unsere Pläne, auch nicht unsere guten Vorsätze, verwirklichen, sondern dass wir auf ihn hören und dann alles stehen und liegen lassen und tun, was er will. Für dieses Hören Raum zu schaffen, zu überlegen, was es verhindert, ist das Ziel der Fastenzeit.

Sr. Christiana Reemts OSB