„Da wohnt ein Sehnen tief in uns ...“

Impuls für September von Sr. Theresia Hegermann OSC, Braunsrath

Sr. Theresia Hegermann OSC (c) privat
Sr. Theresia Hegermann OSC
Di 13. Aug 2019
Ordensbüro

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns“ – so beginnt ein neues geistliches Lied in unserem Gotteslob. Es gibt dieses Sehnen, das mehr ein Wünschen ist: nach etwas Materiellem, etwa einem Schmuckstück, das man schön findet oder einem Reiseziel, das man gerne besuchen möchte. Da ist auch ein Sehnen nach Geborgenheit, nach einer sicheren Zukunft, nach Liebe. Die tiefste Sehnsucht aber, die entdecken wir erst, wenn wir ganz tief in uns hineinhören: Sehnsucht nach Erfüllung, nach Einssein und Ganzsein. Alle äußeren Wünsche sind erfüllt, eine glückliche Ehe, gute Beziehungen, Sicherheit und Gesundheit – all das ist gut und erstrebenswert, erfüllt aber nicht unsere tiefste Sehnsucht. Wer die tiefste Sehnsucht nicht verschüttet, sondern sie zulässt und aushält, der sucht nach Gott, ob es ihm bewusst ist oder nicht. Es ist die Sehnsucht nach unserem Ursprung, nach dem, was dem Leben Sinn verleiht und das ist Gott, der uns erschaffen hat und zu dem wir unser ganzes Leben lang auf dem Weg sind.

Und umkehrt? Gott hat Sehnsucht nach uns! „Adam, wo bist du?“ – hier kann jeder seinen Namen einsetzen: Wo bist du? Gottes Sehnsucht nach mir ist so groß, dass er seinen Sohn zu uns gesandt hat – für mich. Auf dem Weg des Suchens können wir uns begegnen: Gott und ich! Im Hören auf sein Wort, in der Begegnung mit anderen Menschen, in der Natur, im stillen Gebet, in der Feier der Heiligen Messe – überall ist Gott auf dem Weg zu mir und ich kann mich auf den Weg zu ihm machen.

Vielleicht machen Sie einmal den Versuch still zu werden, zu hören; die Augen zu öffnen, zu schauen, ihr Herz zu bereiten, die Sehnsucht zulassen.

Sr. Theresia Hegermann OSC