Bunte Einheit

Impuls für Februar von P. Albert Altenähr OSB, Abtei Kornelimünster

P. Albert Altenähr OSB
P. Albert Altenähr OSB
Mi 31. Jan 2018
Ordensbüro
11. Februar: Gedenktag des hl. Benedikt von Aniane

Die Aachener Reichssynoden im zweiten Jahrzehnt des 9. Jahrhunderts hatten in Benedikt von Aniane ihre starke Persönlichkeit. Mit Unterstützung Kaiser Ludwigs des Frommen prägte er die sog. karolingische Klosterreform, die die vielen individuellen Klostertraditionen auf die Regel Benedikts von Nursia zentrierte. Sein früher Tod am 11. Februar 821 schien ein Ende dieser Zentralisierung auf den Mönchsvater von Subiaco und Montecassino zu bedeuten. Das Kloster an der Inde, das heutige Kornelimünster, wuchs nicht zu einem „großen" Kloster heran. Die Widersacher des aquitanischen Mönches gewannen wieder an Einfluss am Hof des Kaisers.
Aber eine Idee war geboren und sie scheint nicht gestorben zu sein. 100 Jahre nach Benedikt von Aniane schuf Cluny seinen großen Klosterverbund, der bis heute erinnert wird, und von der „Größe" Clunys kündet. Und die Regel Benedikts selbst hat sich durch alle Jahrhunderte als Impulsgeber des geistlichen Lebens bewährt.
Die alte Spannung prägt bis heute unser Benediktinertum. Wir sind kein zentralisierter Orden, sondern eine Konföderation in sich selbständiger Klöster, die sich in Grenzen zu einzelnen Kongregationen zusammenschließen und als Ganzes eben in einer Konföderation. An der Spitze steht kein Generaloberer, sondern ein Abtprimas, der weniger als Amtsperson, sondern bestenfalls als geistliche oder auch „politische" Persönlichkeit in die Gemeinschaft der einzelnen Klöster prägend wirken kann.
Die bunte Unterschiedenheit unserer Klöster lehrt den Respekt voreinander. Was bei uns so und so gewachsen ist, das ist nicht eins zu eins von einem anderen Kloster zu erwarten oder gar einzufordern, geschweige denn dass es uniform für alle Klöster zu gelten hat.
Jedes Kloster ist auch eine bunte Gemeinschaft unterwegs. Es verändert sich mit den Brüdern, die neu hinzukommen, und mit denen, die auf einmal nicht mehr da sind. Es verändert sich auch mit der Gesellschaft, in der es lebt.
Ich lese solche teilweise anscheinend ganz normalen Überlegungen noch einmal etwas präziser vor dem Eingangswort unserer Ordensregel: „Höre, mein Sohn (Regel, Prolog 1), ..." Höre genau hin ..., mit Engagement und dem Willen, zu verstehen. Nimm dir Zeit dazu, und fälle kein schnelles Urteil.
An anderer Stelle empfiehlt Benedikt, auch und gerade die jungen Brüder wirklich anzuhören, weil Gott manchmal gerade durch sie etwas sagen will (Regel 3,3). Das ist ein Hinweis, dass wir ..., dass ich mich neuen Gedanken nicht verschließen soll. Es ist ein Totengräberspruch, zu sagen „War immer so" oder „War doch noch nie so!"
Und noch ein dritter Blick in die Regel Benedikts. Da kommt einer aus einem anderen Kloster als Gast, und ihm fällt etwas als fremd oder sogar befremdend auf. Vielleicht hat Gott ihn - fragt sich Benedikt - gerade deswegen vorbeigeschickt, die Gemeinschaft aus einem toten Trott aufzuwecken und sich neu Gedanken zu machen (Regel 61,4).
Unterwegs sein ..., unterwegs bleiben ..., nicht leicht. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Frei nach Augustinus: Unterwegs sei das Herz zu dir, dass es zum Ziel komme in dir.

P. Albert Altenähr OSB