Zum Inhalt springen

Der Schöpfungsgarten in Mönchengladbach lädt zum Staunen, Lernen und Innehalten ein:Zwischen Beeten und Gebeten

Von Dienstag bis Freitagvormittag für Besucherinnen und Besucher geöffnet: Der Garten neben der Propstei St. Vitus.
Datum:
Di. 28. Juli 2026
Von:
Kommunikation

Neben der Propstei führt eine kleine Seitentür in einen alten Kirchengarten. Etwas verborgen eröffnet sich hier eine ganz eigene Naturoase: Der Schöpfungsgarten der Pfarre St. Vitus. Was einst als einfacher Schulgarten begann, ist heute mit viel Zeit und Geduld und tatkräftiger Mitarbeit vieler Engagierter ein durchdachter Ort der Spiritualität und Ökologie, der weit über das reine Gärtnern hinausgeht. „Ein Ort, der wahnsinnig Potential hat“ betont Antonio da Costa.

Aus Wildwuchs wird ein Ort der Begegnung

Die Pastoralreferenten Hans-Willi Hauser und Antonio da Costa begleiten das Projekt. das vor einigen Jahren mit einem einfachen Schild „Schulgarten“ in der Erde seinen Anfang nahm. „Vor einigen Jahren wollte ich ursprünglich nur einen kleinen Teil des Gartens für ein Schulprojekt nutzen, doch er war so verwildert, dass damals schon die Idee greifbar war, dass wir ein Gesamtkonzept brauchen“, erinnert sich Hans-Willi Hauser. Ein Wendepunkt war vor einigen Jahren das Absterben einer über 100 Jahre alten Blutbuche.

„Das hat dazu beigetragen, dass viele Menschen sensibilisiert wurden und wir mit unseren Anliegen auf offene Ohren stießen“, erklärt Hauser. So kam es, dass einige Gartenbegeisterte darüber nachdachten, wie dieser verwunschene Garten auch für die Menschen „rund ums Münster“ geöffnet werden kann. Es entstand die Idee, aus der verwilderten Fläche einen Schöpfungsgarten zu entwickeln – einen Ort, der nicht nur zum Arbeiten einlädt, sondern auch Raum zum Lernen, zur Ruhe und zur Begegnung bietet. Durch die Zusammenarbeit mit der Naturgärtnerin Susanne Schneider entstand ein strukturiertes Konzept für den gesamten Garten, welches biblische Themen und Schöpfungsverantwortung berücksichtigt. Das Projekt wird von der professionellen Naturgärtnerin begleitet. Inzwischen bereichern ein Heilpflanzenbeet und eine Totholzhecke den Garten.

Ein Ort für der Gemeinschaft

Der Schöpfungsgarten lebt von den Menschen, die ihn gestalten und nutzen. Er wird beispielsweise intensiv von Schülerinnen und Schülern einer Garten-AG des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums genutzt, die regelmäßig mit Schulseelsorger Hans-Willi Hauser dort arbeiten und auch im Rahmen einer Projektwochen besondere Aktionen im Garten erlebten. „Den Schülerinnen und Schülern wird durch die praktische Arbeit – wie die Pflege der Beete – ein respektvoller Umgang mit der Erde vermittelt“, betont der Schulseelsorger. Antonio da Costa ist stolz über das große Interesse. Eine breite Beteiligung, beispielsweise von Pfadfindern, Ministranten, Nachbarn und Geflüchteten aus der Ukraine – verleihen dem Projekt punktuell und langfristig Stabilität.

Ökologische Verantwortung und Achtsamkeit

Um den CO2-Fussabdruck von Fahrten des Fachbereichs Jugend des Bistums Aachen in der Region Mönchengladbach (KathJA) auszugleichen, wird der Garten durch Projekte unterstützt. Hans-Willi Hauser betont, dass das Gärtnern im Schöpfungsgarten ein achtsames Beobachten braucht. Anstatt Pflanzen starr nach Plan zu setzen, beobachtet er, wo sie von selbst gedeihen wollen, um sie dort gezielt zu fördern. Dieser Prozess des täglichen Hinsehens und Wahrnehmens ist für ihn eine Grundvoraussetzung, um wirklich Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Achtsamkeit ist als Grundlage für das Lernen in und mit der Natur, aber auch für spirituelle Angebote ein erster wichtiger Schritt. Dazu soll auch ein spezieller Achtsamkeitsweg dienen.

Spirituelle Praxis

Der Garten ist ein Rückzugsort, an dem Besucher gezielt die Stille suchen können. Er kann für „naturnahe“ Meditationen, Schulgottesdienste und seelsorgliche Gespräche genutzt werden. Ein Angebot, um zur Ruhe zu kommen und um eine schöpfungstheologische Perspektive einzunehmen. Zentraler Ort ist der Sitzkreis. Er ist Hausers Lieblingsplatz. „Dieser Bereich ist wunderbar harmonisch gestaltet für spirituelle Impulse. Es ist schon beeindruckend, wenn 25 Schülerinnen und Schüler da zur Ruhe kommen.“

Früher einfacher Schulgarten, heute Schöpfungsgarten der Pfarre St. Vitus

Blick in die Zukunft

Das Projekt finanziert sich mittlerweile aus verschiedenen Quellen. Neben Mitteln der Pfarre fließen Fördergelder aus dem Quartiersmanagement Gladbach & Westend der Stadt ein. Auch das Stiftungsforum Kirche im Bistum Aachen und die Bischof Klaus Hemmerle-Stiftung unterstützen den Garten bereits. Für die kommenden Phasen, zu denen ein Naturteich und die Weiterentwicklung des Achtsamkeitsweg gehören, setzt Antonio da Costa zusätzlich auf Fundraising.

Der Garten ist von Dienstag bis Freitag vormittags geöffnet und lädt dazu ein, einen Moment Abstand vom Alltag zu gewinnen. Wer den Garten von oben betrachtet, etwa von der Terrasse der Propstei, dem offenbart sich das ganze Bild. Antonio da Costa schwärmt: „Wenn ich auf der Terrasse stehe und den gesamten Garten sehe, fühle ich die Begeisterung und die tolle Atmosphäre der vielfältigen Aktionen und Begegnungen, die wir hier schon erlebt haben. Das macht mir Mut weiterzumachen und es zeigt mir, dass wir mit vielen Menschen, die sich gemeinsam für ein Schöpfungsprojekt einsetzen, etwas bewegen können.“

 

Übrigens: Der Schöpfungsgarten lädt am Samstag, 10. Oktober von 10-13 Uhr im Rahmen der Diözesanen Bibeltage zu leichter Gartenarbeit mit biblischen Impulsen und einem gemeinsamen Picknick in einem alten Kirchengarten ein.