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Bischof Helmut Dieser besucht die Käthe-Kollwitz-Schule in Herzogenrath:Zu einem selbstbestimmten Leben befähigen

Bischof Helmut Dieser besucht die Förderschule Käthe Kollwitz
Datum:
Mi. 13. Mai 2026
Von:
Abteilung Kommunikation

Eine lebhafte Atmosphäre herrschte an der Käthe-Kollwitz-Schule in Herzogenrath, als Bischof Helmut Dieser mit Lehrkräften und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirchlichen Jugendarbeit aus Aachen-Stadt und -Land ins Gespräch kam. „Ohne Leidenschaft geht es nicht“, betonte Schulleiter Jürgen Mohr. Ihm und seinen Kolleginnen merkte man eine tiefe Verbundenheit mit der Förderschule an. Einige von ihnen arbeiten seit mehr als 20 Jahren dort und schätzen die positive Stimmung und die Flexibilität ihres Berufs. „Das ist in ihrem Arbeitsfeld keine Selbstverständlichkeit“, lobte Bischof Dieser.  

Echtes Interesse an Schülerinnen und Schülern

Das Herzstück der pädagogischen Arbeit an der Förderschule sei die enge Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern. Viele von ihnen hätten bereits eine Geschichte des Scheiterns an anderen Schulen hinter sich. „Hier setzten sich Lehrkräfte sehr intensiv für jede Schülerin und jeden Schüler ein und geben ihnen Feedback, das sie auch über den schulischen Kontext hinaus weiterbringt“, erklärte Pastoralreferent Klaus Aldenhoven, der als Schulseelsorger tätig ist. Ziel sei es, den jungen Menschen wieder Vertrauen in ihre Stärken zu geben und sie zu einem selbstbestimmten Leben zu befähigen. Dabei stünden insbesondere praktische Fähigkeiten im Fokus. In der Schulküche lernten die Schülerinnen und Schüler etwa, wie man frisch kocht oder ein Messer richtig benutzt. „Das ist oft sehr grundlegende Arbeit“, sagte Schulleiter Mohr.

Kein Abschluss ohne Anschluss

Ein wesentlicher Teil der Arbeit finde außerhalb des Klassenzimmers statt. Der Übergang in die Arbeitswelt sei ein zentrales Ziel der Schule. Der Einstieg in den Beruf erfolge bei den Schülerinnen und Schülern der Förderschule fast ausschließlich über Praktika und nicht über klassische Bewerbungen. „Da werden unsere Schüler oft aussortiert. Im Praktikum können sie stattdessen zeigen, wo ihre Stärken liegen“, erläutert Lehrerin Julia Nussis. Sie begleitet diesen Prozess intensiv, pflegt Kontakte zu Betrieben und baut Vorurteile gegenüber Förderschülern ab. Diese Praktika ermöglichten es vielen, direkt nach der Schule eine Anstellung zu finden. „Wir sorgen dafür, dass kein Schüler unsere Schule verlässt, ohne zu wissen, was er nach den Sommerferien macht“, betonte Lehrerin Sigrid Cosler. Erfolgsgeschichten ehemaliger Schülerinnen und Schüler, die heute als Busfahrer oder im Einzelhandel arbeiten, motivierten die Schülerinnen und Schüler der aktuellen Jahrgänge.

Systemische Defizite

Schulleiter Mohr und sein Kollegium sehen sich allerdings mit immer größer werdenden familiären, gesellschaftlichen und politischen Problemen konfrontiert. Er kritisierte den Rückzug der Jugendhilfe, den Mangel an stationären Plätzen und die fehlende Nachhaltigkeit bei Betreuungsmaßnahmen. Ein zentrales Problem sei die „Versäulung“ der Hilfsangebote: Schule und Jugendhilfe unterstünden unterschiedlichen Ministerien, was eine ganzheitliche Unterstützung der Familien erschwere. „Auf diese Problematik werde ich die Landesregierung ansprechen, wenn wir als NRW-Bischöfe mit dieser zu unserem nächsten Austausch zusammenkommen, versprach Bischof Dieser.

Sichere Orte für Jugendliche

Auch der Umgang mit Schulverweigerung bei älteren Schülerinnen und Schülern bleibe eine Herausforderung im schulischen Alltag. Oft fehle der Zugang zu diesen Jugendlichen, wenn sie das schulische Angebot nicht mehr annähmen. Hier werde die Notwendigkeit eines sicheren, außerschulisch-neutralen Ortes betont, an dem den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet werde. Ein solcher Ort sei das Jugendzentrum HOT in St. Gertrud gewesen, das jedoch 2024 aus finanziellen und baulichen Gründen schließen musste. Für die Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule hinterlasse dies eine große Lücke.

Angebote kirchlicher Kooperationspartner wertvoll

Kirchliche Unterstützung erhält die Schule durch die Zusammenarbeit mit der Kirchlichen Jugendarbeit der Region Aachen-Stadt und -Land und der Schulseelsorge. Die Schulseelsorge gelte innerhalb der Schule als wertvolles Angebot für Lehrkräfte und Schüler. Der Grund: Pastoralreferent Klaus Aldenhoven schaue als externer Seelsorger nicht nur auf die Leistung und werde von Schülerinnen und Schülern anders wahr- und angenommen als die Lehrkräfte. „Religiöse Impulse würden so gesetzt, dass sie für die vielfältige Schülerschaft akzeptabel und integrierend wirkten“, erklärte Julia Nussis. Auch die Zusammenarbeit mit den Jugendbeauftragten der Kirchlichen Jugendarbeit, die Schulabgängerseminare und eine Selbstvorstellung in der 9. bzw. 10. Klasse, wurde von der Schulleitung und dem Kollegium positiv hervorgehoben. Die beiden Jugendbeauftragten im Büro der Region Aachen Stadt- und -Land, Anne Sarnes und Benedikt Dautzenberg, ermöglichten Schülerinnen und Schülern mit ihren Angeboten, auf Lebenspläne und Stärken zu schauen.

Bischof Helmut Dieser äußerte abschließend seine Hochachtung vor der authentischen und tiefgehenden Arbeit, die an der Käthe-Kollwitz- Schule geleistet wird, um junge Menschen auf ihr Leben vorzubereiten. „Ich bewundere, wie sie die jungen Menschen begleiten und ihnen den Weg ins Leben ebnen.“