Bischof Dieser besucht die Lange Tafel der Vielfalt in Kornelimünster :„Wer will, gehört dazu. Das ist einfach klasse.“

Im gemütlichen Innenhof der ehemaligen Reichsabtei herrscht reges Treiben: 330 Menschen sitzen an festlich gedeckten, überdachten Tischen, teilen ihr Essen und kommen ins Gespräch. Was vor zehn Jahren als einfache Idee begann, um die Menschen im Viertel zusammenzubringen, ist heute eine feste Institution: die „Lange Tafel der Vielfalt“.
Ein Konzept für die Gemeinschaft
Das Prinzip ist so simpel wie effektiv. Der Bürgerverein stellt gegen eine Gebühr die Infrastruktur – überdachte, gepolsterte Sitzplätze, Geschirr und Gläser. Die Gäste bringen ihr Essen selbst mit, was die Teilnahme unkompliziert macht. „Das Wichtigste ist, dass wir zusammenkommen“, erklärt Michael Cosler, Initiator des Abends und langjähriger Bewohner des Viertels. Ob Pizza vom Lieferdienst oder ein Vier-Gänge-Menü vom Sternekoch – an der langen Tafel ist alles willkommen.
Ein Selbstläufer
Große Werbung braucht die Veranstaltung nicht. Denn das Format ist seit 10 Jahren quasi ein Selbstläufer und funktioniert über eine gute Netzwerkarbeit und viel Mundpropaganda. Früher fand das Abendessen auf dem Marktplatz statt, doch der Umzug in den Innenhof brachte Vorteile: keine bürokratischen Anträge bei der Stadt, eine angrenzende Wiese für spielende Kinder und freie Parkplätze für die Anwohnerinnen und Anwohner. „Wir sind jetzt zwar etwas versteckt und weniger präsent im Ort“, räumt Cosler ein, „aber die Atmosphäre hier ist traumhaft.“
Gegen die Anonymität
Der soziale Aspekt ist den Veranstaltern besonders wichtig. „Unser Ziel ist es, die Menschen in Kornelimünster zusammenzubringen“, sagt Cosler. Erst das Hochwasser habe ihm gezeigt, wie anonym man oft jahrelang nebeneinander lebt. Die Tafel soll das ändern. Musik gibt es bewusst nicht, damit Gespräche im Vordergrund stehen. „Es geht darum, dass Menschen miteinander reden“, betont er. Ohne reservierte Plätze entstehen immer wieder neue Begegnungen – zwischen alteingesessenen Nachbarn und jungen Familien aus den Neubaugebieten.
Dass das Konzept funktioniert, erlebte Bischof Helmut Dieser bei seinem Besuch. Kaum angekommen, kam er mit vielen ins Gespräch: mit einem Ehepaar aus seiner Heimat, das über das Studium nach Kornelimünster zog, mit dem Hausmeister der Propsteigemeinde, der ihm sofort etwas zu essen anbot, und mit einem Schreiner, dessen Eltern in den Vatikanischen Museen arbeiteten. Der ehemalige Kirchenvorstandsvorsitzende berichtete von der Flut und den Schäden an der Kirche.
Ehrenamt als tragende Säule
Ohne Freiwillige wäre das Event nicht möglich. Rund 30 bis 35 Helferinnen und Helfer, darunter viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder und Messdienerinnen und Messdiener, sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Sie decken die Tische, dekorieren und übernehmen den Getränkeservice. Als Dank fließen Trinkgelder und Überschüsse aus dem Getränkeverkauf in die Kassen der Jugendgruppen.
Bischof Dieser zeigte sich begeistert von der besonderen Atmosphäre. „Diese neue Form von Gemeinschaft, die seit zehn Jahren funktioniert, beeindruckt mich. Es ist schön, dass Menschen hier gern zusammenkommen und die Organisation überschaubar bleibt. Wenn alles an wenigen hängen bleibt, scheitert es irgendwann. Hier aber spürt man Fröhlichkeit und Offenheit. Man ist sofort mittendrin. Wer will, gehört dazu. Das ist einfach klasse.“