Bischof Dr. Helmut Dieser im Austausch mit Ehrenamtlichen im Pastoralen Raum Herzogenrath:„Was aus dem Glauben gelebt wird, soll erhalten bleiben“

Bei seinem Besuch im Pastoralen Raum Herzogenrath tauschte sich Bischof Dr. Helmut Dieser mit ehrenamtlich Engagierten aus dem Bereich des Lektoren-, Kommunionhelfer- und Begräbnisdienstes aus. In der Pfarrkirche St. Thekla betonte er die Wichtigkeit, das Wort Gottes nicht nur zu lesen, sondern es vor allem zu hören. Das Hören, so der Bischof, sei die zentrale Aufgabe all jener, die über das Wort sprechen. „Indem Sie die Stellen aus der Heiligen Schrift in ihrer eigenen Welt und in der Welt, in der wir leben – hören – bereiten sie sich vor. Besonders bei Anlässen wie Beerdigungen ist das Hören ein entscheidender Akt vor Gott. Wer nicht hört, läuft Gefahr, das Wichtigste zu verpassen, wenn Gott spricht.“ Diejenigen, die im Wortgottesdienst sprächen, dienten diesem geheimnisvollen Vorgang, erläuterte der Bischof und unterstrich: „Ihre Aufgabe ist es nicht, wie Politiker lediglich das auszusprechen, was den Leuten gerade wichtig ist, um Zustimmung zu gewinnen. Stattdessen geht es darum, den Menschen etwas zu eröffnen, das sie selbst vielleicht noch nicht erkannt haben, das aber für ihr Leben wesentlich ist.“
Einen Platz in der Gemeinschaft behalten
Der Dienst am Wort sei ein geheimnisvoller Vorgang, der sich nicht vollständig kontrollieren lasse, erklärte der Bischof. Ziel sei es, dass die Botschaft die Menschen berühre und bewege. Ob in der Wort-Gottes-Feier oder in der Messe: Das (Wieder-)Hören sei ein zentrales Element jedes Gottesdienstes. In Zeiten, in denen nicht überall sonntags eine Messe gefeiert werden könne, gewinne die Wort-Gottes-Feier an Bedeutung. Sie sei kein bloßer Ersatz, sondern eng mit der Eucharistie verbunden. Bischof Dieser würdigte die Arbeit der Laien ausdrücklich: „Wer diese Dienste leitet, tut dies in dem Bewusstsein, dass die Feiernden ihren Platz in der Gemeinschaft und in der Beziehung zur Eucharistie behalten.“
Neue Formen der Zusammenarbeit leben
Im anschließenden Austausch im Pfarrheim ging es um die Gestaltung kirchlichen Lebens angesichts schwindender Ressourcen. Der Bischof sprach offen über den Abschied von der klassischen Volkskirche: „Früher war eine Pfarrei ein geschlossener Kosmos, in dem man ‚katholisch geboren wurde, lebte und starb‘ – mit eigener Kirche, eigenem Pfarrer, Vereinen und Traditionen. Diese stabile ‚Pfarrfamilie‘ gebe es heute kaum noch.“ Auch die Situation des Priesternachwuchses lies Bischof Dieser nicht unerwähnt: „Es gibt momentan nur noch zwei Seminaristen, die zur Weihe anstehen, und danach sind keine neuen Anmeldungen in Sicht. Zwar kommen immer wieder motivierte Priester aus der Weltkirche, etwa aus Afrika, zu uns, doch diese müssen erst mühsam Sprache und Kultur lernen, was die Probleme nicht allein löst.“ Ein positiver Trend zeige sich hingegen bei den ständigen Diakonen, wo viele verheiratete Männer Interesse an einer Ausbildung zeigen würden.
Um dieser Situation zu begegnen, seien neue Formen der Zusammenarbeit im Pastoralen Raum nötig, damit Gläubige weiterhin wüssten, wann und wo die Liturgie stattfinde. „Die Sonntagsmesse ist für mich einfach das ‚katholisches Urgestein‘ und jeder Katholik und jede Katholikin hat ein Recht darauf, dass dies ermöglicht wird“, unterstrich Bischof Dr. Helmut Dieser. Der gemeinsame Austausch machte deutlich, dass die Gestaltung kirchlichen Lebens von verlässlichen Strukturen und einer guten Zusammenarbeit aller Beteiligten lebt. Bischof Dieser: „Was aus dem Glauben gelebt wird, soll erhalten bleiben.“ Es gehe darum, die Stärken von Priestern und Ehrenamtlichen zu fördern und nicht einzuschränken.