Pfarrer i. R. Hans Russmann wird als Diözesanbeauftragter für Hospizseelsorge im Bistum Aachen verabschiedet :Pionier der Hoffnung

Im Bistum Aachen hat sich die Hospiz- und Palliativseelsorge in den vergangenen Jahren zu einem eigenständigen und professionellen Arbeitsfeld entwickelt. Geprägt hat diesen Weg vor allem Pfarrer i. R. Hans Russmann, der am 10. Oktober im Rahmen des 6. Diözesanen Hospiztages nach zwölf Jahren als Diözesanbeauftragter für Hospizseelsorge im Bistum Aachen verabschiedet wird. Was 2009 mit einem ersten Thesenpapier begann, ist heute ein fest verankerter Bereich kirchlicher Begleitung – getragen von einem breiten Netzwerk, rund 1.000 engagierte Ehrenamtliche und einer klaren theologischen Ausrichtung.
Vom Projekt zur festen Instanz
Als Hans Russmann seine Arbeit aufnahm, steckte die Hospizbewegung in Deutschland noch in den Anfängen, und die Kirche hatte das Thema kaum systematisch aufgegriffen. Lange hielt man die Begleitung Sterbender durch Krankenhaus- und Altenheimseelsorge für ausreichend. Doch Russmann erkannte früh, dass dieser existenzielle Bereich eine eigene seelsorgliche Aufmerksamkeit braucht. Die Konzentration von Tod und Sterben an einem Ort, die verstärkte Angehörigenarbeit und das interdisziplinäre Arbeiten machen diese Arbeit aus. „In der Situation von Tod und Sterben verdichtet sich das Leben. Da zählt nicht, ob jemand einen rotkarierten oder blaukarierten Pulli trägt, sondern dass er überhaupt einen Pulli trägt“, betont Russmann.
Mit dieser Haltung gründete er 2010 den Arbeitskreis Hospiz, organisierte erste Vernetzungstreffen und machte das Thema in der diözesanen Struktur sichtbar. 2011 nahm die bischöfliche Verwaltung die Hospizpastoral erstmals offiziell in ihre Referatsstruktur auf. 2014 folgte die Ernennung eines Diözesanbeauftragten – ein Meilenstein, der die Arbeit dauerhaft sicherte. Rückblickend sagt Russmann: „Es war ein dankbares Feld, und ich fand es schön, einen innovativen Auftrag zu bekommen.“
Spiritualität als Teil der Pflege
Ein zentrales Anliegen Russmanns war es, „Spiritual Care“ als festen Bestandteil der Palliativversorgung zu etablieren. Für ihn sind spirituelle Bedürfnisse ebenso wichtig wie medizinische oder pflegerische Aspekte. Die Präsenz im Sterben sieht er als theologischen Auftrag: „Wir können nicht von Tod und Auferstehung sprechen und behaupten, hier liege das zentrale Geheimnis des Lebens, wenn wir im Sterben nicht präsent sind.“
Um auch Nicht-Theologen für diese „spirituelle Sprechfähigkeit“ zu schulen, entwickelte er mit einem Team ein 40-stündiges Curriculum zur spirituellen Begleitung. Dieses richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und Ehrenamtliche und wird bis heute erfolgreich umgesetzt. Ein weiterer Höhepunkt seiner Amtszeit war die Einführung des „Sterbesegens“ im Jahr 2022 – ein rituelles Angebot, das Menschen in der Abschiedssituation Halt gibt.
Gerade auch angesichts der aktuellen Diskussion um assistierten Suizid sei wichtig, die Palliativversorgung hervorzuheben. „Wir können als Kirche nicht nur mit ethischen Positionen kommen, sondern wir müssen konkret vor Ort sagen, was wir tun, um gutes Sterben in einer (säkularisierten Gesellschaft) zu ermöglichen.“ Ganz im Sinne des anstehenden 6. Diözesanen Hospiztages, bei dem der renommierte Care-Ethiker Carlo Leget, Professor an der Universität für Humanistik in Utrecht, spannende Einblicke in die Kraft der Spiritualität für ein erfülltes Leben und ein gutes Sterben geben wird. „Spirituelle Begleitung ist überhaupt ein integraler Bestandteil, bei der wir als Kirche auf jeden Fall gefragt sind“, betont Hans Russmann.
Humor als wichtige Ressource
Trotz der Schwere seines Arbeitsfeldes verlor Pfarrer Russmann nie den Blick für das Leben. Eine seiner wichtigsten Ressourcen dabei: der Humor. „Wir haben total viel gelacht im Hospiz“, berichtet er und macht deutlich, dass Lachen die notwendige Leichtigkeit bringt, um die herausfordernde Arbeit mit Trauernden zu verkraften. Auch im Ruhestand bleibt Hans Russmann der Hospizarbeit weiterhin verbunden. Als Vorsitzender der Stiftung Hospiz- und Trauerarbeit im Bistum Aachen unterstützt er weiterhin Projekte, etwa für Kinder- und Familientrauerarbeit. Darüber hinaus ist er als Subsidiar im Pastoralen Raum Krefeld weiterhin tätig kann sich eine Dozententätigkeit gut vorstellen. Sein Wunsch für die Hospizarbeit im Bistum Aachen: eine dauerhafte strukturelle Absicherung der Hospizseelsorge in allen Regionen, um die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen weiterhin professionell zu fördern.