Diözesanjugendseelsorger Jorge Gallegos Sánchez setzt auf Zuhören, Beteiligung und eine grundlegende Überarbeitung der Rahmenrichtlinie:Neustart für die Jugendpastoral im Bistum Aachen

Das Bistum Aachen hat die Position des Diözesanjugendseelsorgers neu besetzt. Jorge Gallegos Sánchez, der auch als Schulseelsorger an der Bischöflichen Clara-Fey-Schule in Schleiden tätig ist, will die Jugendpastoral gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort weiterentwickeln und stärker an den Bedürfnissen junger Menschen ausrichten. „Ich arbeite gerne mit jungen Menschen“, sagt Gallegos Sánchez. Er bewundert ihre Energie und ihren Drang, ihren eigenen Weg zu finden. Für ihn sind Jugendliche nicht nur die Zukunft, sondern die Gegenwart der Kirche.
„Ich gebe nichts vor, sondern wir gestalten gemeinsam“
In den kommenden Monaten konzentriert sich Gallegos Sánchez vor allem auf die konzeptionelle Weiterentwicklung der Jugendpastoral. „Wir wollen die Rahmenordnung von 2009 grundlegend aktualisieren“, erklärt der gebürtige Mexikaner. Diese soll die aktuellen pastoral-strategischen Grundlagen, pädagogischen Ansätze und regionalen Erfahrungen miteinander verbinden. Auch er fragt sich: „Welche Strukturen müssen wir ändern, damit eine echte Begegnung zwischen Evangelium und jungen Menschen in ihren Lebensrealitäten ermöglicht wird ?“ Denn es seien die Bedürfnisse der jungen Menschen, die im Zentrum stehen müssten und nicht die Struktur.
Die Arbeit erfolgt gemeinsam mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren der Jugendpastoral. Dazu gehören die regionalen Jugendseelsorger, die Fachreferentinnen und Fachreferenten für kirchliche Jugendarbeit sowie die Jugendbeauftragten mit pädagogischem Auftrag in den acht Regionen des Bistums. „Jetzt geht es für mich darum, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen einen Weg zu finden. Ich gebe nichts vor, sondern wir gestalten gemeinsam“, betont Gallegos Sánchez.
Jede Region müsse ihren eigenen Weg finden. „Wir müssen von Region zu Region schauen: Was ist sinnvoll, wo steht die Jugend? Was sind Ressourcen, was sind Herausforderungen?“ Ob in Aachen, Düren, Krefeld oder der Eifel: Jugendpastoral habe dort ansetzen, wo junge Menschen leben und Orientierung suchen.
Zuhören als pastorale Grundhaltung
Zuhören steht für ihn an erster Stelle. „Ich möchte hören und lernen“, sagt er. Die zentrale Frage lautet: „Wie können wir als Dialogpartner für junge Menschen relevant sein, damit ihre Perspektiven zur Geltung kommen?“ Inspiration findet der Diplom-Theologe in einem Gedanken des früheren Aachener Bischofs Klaus Hemmerle: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Diese Haltung der Demut und des Lernens prägt seine Arbeit. „Nicht zuerst zu überlegen, was wir jungen Menschen sagen oder vermitteln wollen, sondern ihnen zuzuhören, von ihnen zu lernen und uns von ihren Fragen neu auf die Botschaft Jesu verweisen zu lassen.“
Die spirituelle Dimension ist Gallegos Sánchez in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen wichtig. Ohne sie könne die Jugendpastoral ihren Auftrag nicht erfüllen. Er ist überzeugt, dass junge Menschen ihren Glauben individuell entwickeln. „Wir sagen ihnen nicht, wo es langgeht. Gott ist schon da“, betont er. Ein Gedanke von Papst Benedikt XVI. gibt ihm Orientierung: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Das schenkt ihm Gelassenheit.
Diese Haltung hat auch Auswirkungen auf die praktische Jugendarbeit vor Ort. Junge Menschen befänden sich ständig in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen. Deshalb gehe es „um freie Angebote und die Ermöglichung von sicheren Erprobungsräumen“. Gallegos Sánchez fasst sein Leitmotiv zusammen: „Nicht ‚Für‘ Jugendliche gestalten, sondern ‚Mit‘ ihnen unterwegs sein.“ Junge Menschen sollen erleben: „Meine Fragen, Ideen, mein Glaube und meine Zweifel haben hier einen Platz.“
Vita:
Jorge Gallegos Sánchez ist in Mexiko aufgewachsen und hat dort an der päpstlichen Universität begonnen, Philosophie zu studieren. Das Philosophiestudium schloss er in Innsbruck mit dem Diplom ab, bevor er dort Katholische Theologie studierte und ebenfalls mit dem Diplom abschloss. Anschließend war Gallegos Sánchez mehrere Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Philosophie und Theologie Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Danach wurde er zum Pastoralreferenten ausgebildet und arbeitete danach in den Pfarreien St. Gallus in Frankfurt am Main und St. Ursula in Oberursel im Taunus. Hier unterrichtete er Katholische Religion in Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I und der Oberstufe am Gymnasium Oberursel. Seit August 2025 ist er als Schulseelsorger in der Clara-Fey-Schule in Schleiden tätig.